Dürrerekord in Spanien

24.02.2008

Meteorologen erwarten bis März die trockensten sechs Monate seit Beginn der Datenerhebung vor 60 Jahren

Das Nationale Meteorologische Institut erklärt, dass die regenreichen Wintermonate dieses Jahr weitgehend ausfallen. Die anhaltende Dürre und der Wassermangel spitzen sich zu. Die Meteorologen erwarten einen neuen Dürrerekord, seit vor 60 Jahren damit begonnen wurde, meteorologische Daten zu erheben. Dramatisch entwickelt sich die Lage in Katalonien. Programmiert sind Konflikte zwischen den Regionen und bei länger anhaltender Dürre auch wieder mit Portugal. Spanien wird seine Verpflichtungen kaum noch erfüllen können, die vereinbarten Mengen über grenzüberschreitende Flüsse zum Nachbar zu leiten.

Als "ernst" bezeichnet der Direktor des Meteorologischen Instituts (INM) die Lage also nun schon im Februar. "Seit Oktober hat es nur etwas mehr als die Hälfte der nötigen Menge geregnet", sagte Francisco Cadarso auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Umweltministerin Cristina Narbona zur Vorstellung der neuen meteorologischen Agentur (AEMET). Die wird die Aufgaben des INM übernehmen und in Zukunft die schlechten Daten vermelden.

Die vorliegenden Wetterdaten lassen Cadarso erwarten, dass das erste Halbjahr des hydrologischen Jahrs (von Oktober 2007 bis März 2008) das trockenste Halbjahr in Spanien wird, seit mit der Erhebung von Daten vor 60 Jahren begonnen wurde. Das ist besonders schlimm, weil es die Wintermonate sind, in denen normalerweise die mehr als 1.200 Stauseen gefüllt werden. Statt der üblichen 316 Millimeter waren es bisher nur 177 Millimeter. Damit der neue Rekord nicht gebrochen wird, müssten im gesamten Land bis Ende des Monats noch 20 Liter pro Quadratmeter Niederschlag fallen. "Das ist sehr unwahrscheinlich", meint Cadarso.

Seit vier Jahren hat die Dürre nun Spanien fest im Griff) und die Zeichen sprechen dafür, dass sich die Lage weiter verschärft. Dabei hatte schon hydrologische Vorjahr ein Minus von 20 Prozent an Niederschlägen zu verzeichnen. Das macht sich, neben dem weiter steigenden Verbrauch, deutlich in den gespeicherten Wassermengen bemerkbar. Derzeit sind die Stauseen nur zu 44 Prozent gefüllt, noch im letzten Jahr waren es 61 Prozent. Der derzeitige Stand liegt 20 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der letzten zehn dürren Jahre.

Spanien hat in Europa mit die geringsten Niederschläge aber den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch und die günstigsten Preise

Dramatisch ist die Entwicklung inzwischen in Katalonien. In der Region im Norden, die einen guten Teil ihres Wasser aus den Pyrenäen erhält, sind die Stauseen sogar nur noch zu 22 Prozent gefüllt. Damit siedelt sich Katalonien unter den Regionen an, die in schon den letzten Jahren wegen extremer Wassernot hervorgestochen sind. Das sind vor allem die Flussläufe des Júcar und Segura, deren Pegelstände derzeit zum Teil noch unter denen in Katalonien liegen.

Katalonien erhält ebenfalls viel Wasser über den Ebro, doch die Stausseen am Oberlauf sind nur zu 46 Prozent gefüllt, im Vorjahr waren es noch mehr als 60 Prozent. Deshalb hat die zuständige Wasserbehörde (CHE) von der Zentralregierung Notmaßnahmen gefordert. Diese hat nun der CHE neue Kompetenzen übertragen, um die Nutzung des Wassers einzuschränken. Vor allem wird die Bewässerung der Landwirtschaft beschränkt oder eingestellt, damit die Versorgung der Bevölkerung gesichert ist. Die Maßnahmen sollen auch dafür sorgen, dass es bis Ende August in der katalanischen Metropole Barcelona nicht zu Einschränkungen in der Versorgung kommt.

Dabei wäre solch ein deutlicher Einschnitt ganz lehrreich für viele Regionen im spanischen Staat. In Katalonien wurden erste Maßnahmen gegen die Verschwendung eingeführt, es dürfen keine Gärten, Wiesen, Grünzonen und Sportanlagen mehr gegossen werden und auch das Autowaschen ist tabu. Doch weiterhin soll der Bevölkerung das Minimum von 270 Liter Wasser pro Einwohner und Tag garantiert werden. Denn es ergibt sich die kuriose Situation, dass Spanien zu den Ländern mit den geringsten Niederschlägen der EU zählt, allerdings hat es weiter den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch und den niedrigsten Wasserpreis.

Trotz der sich jährlich zuspitzenden Lage, gibt es kaum Bewusstsein für die Probleme um das kostbare Nass. Das hat auch die sozialistische Regierung in vier Jahren nicht geschaffen. Hatte die rechte Volkspartei (PP) zuvor als Allheilmittel noch die Umleitungen von Wasser aus dem Norden propagiert (und hat die Umleitung aus dem Ebro erneut im Wahlprogramm für den 9. März), setzten aber auch die Sozialisten nicht auf das notwendige Sparen. Das wäre mit einer Anpassung des Wasserpreises an die realen Kosten verbunden und bedeutete eine deutliche Verteuerung. Doch das macht sich vor den Wahlen, angesichts einer ständig fallenden Kaufkraft der Familien und einer überbordenden Inflation (Das Gespenst der Stagflation), gar nicht gut als Wahlslogan .

Das Zauberwort der Sozialisten (PSOE) heißt Meerwasserentsalzungsanlage. Sie gaukeln mit der teuren und energieintensiven Methode vor, die ungebremste Verschwendung könne weiter gehen wie bisher. Dabei drohen große Teile des Landes nicht nur wegen fehlender Niederschläge zur Wüste zu werden, sondern auch wegen falscher Bewässerung. Sie versprechen Dutzende neue Anlagen oder den Ausbau von bestehenden. Doch das hatte die PSOE schon vor vier Jahren versprochen. Im Betrieb genommen wurden nur zwei. Die größte Anlage Europas - in Carboneras bei Almeria - läuft bisher aber nur mit 15 Prozent Leistung. Die Bausumme hat sich von 80 Millionen Euro auf 254 Millionen Euro mehr als verdreifacht und derzeit kursiert die obskure Idee, das teure Wasser nach Katalonien zu verschiffen.

Gerechnet wird, dass ein Kubikmeter aus einer solchen Anlage zwischen 50 bis 70 Cent kostet. Das ist den Bauern zu teuer, welche die größten Verbraucher sind. Dabei wird für sie das Wasser ohnehin schon subventioniert. Sie bohren lieber illegale Brunnen, um das Grundwasser illegal anzuzapfen. Dagegen geht die Regierung nicht vor und subventioniert das oft auch noch (Rekordhitze in Spanien und Portugal).

Mit der Dürre wird sich der Kampf ums Wasser aber auch weiter verschärfen. Bisher tobte der Streit im Land noch zwischen den Regionen. Vor allem die trockenen Küstenregionen im Süden forderten für die Landwirtschaft und den Tourismus immer mehr des Wassers, das weiter im Norden gar nicht mehr vom Himmel fällt. Tatsächlich mussten die schon bestehenden Umleitungen in den Süden zum Teil abgestellt werden. Die Pegelstände fielen unter die gesetzlich festgelegten Grenzen und es musste auf Notreserven zurückgegriffen werden.

Zur Zeit ruht der Streit ums Wasser zwischen Spanien und Portugal

Doch nun ergibt sich der Streit schon innerhalb der Regionen selbst. In Katalonien werden angesichts des enormen Verbrauchs von Barcelona heftige Konflikte erwartet. Die Bauern in Lleida und Girona wollen sich ihre Lebensgrundlage nicht für den Verbrauch von Barcelona rauben lassen.

Auf Eis liegt derzeit Streit mit dem Nachbarn Portugal. Doch es ist bei einer Zuspitzung der Lage nur eine Frage der Zeit, bis das Land seine Forderungen wieder deutlicher vorbringt. Richtig kochte er 2005 auf, als Spanien wegen der Dürre nicht mehr ausreichend Wasser über die grenzüberschreitenden Flüsse fließen ließ. Doch nun ist der große und umstrittene Stausee Alqueva vollständig in Betrieb, nachdem dort 2002 die Fluttore geschlossen wurden.

Wegen der Kapazitäten des größten Stausees in Europa hat Portugal im trockenen Süden nun deutlich mehr Spielraum und kann die Abkommen mit Spanien großzügiger auslegen. Aus dem riesigen See, so wurde gerade mit der spanischen Umweltministerin vereinbart, fließt erstmals sogar wieder Wasser zurück nach Spanien, um 500 Hektar in der angrenzenden Region Extremadura zu bewässern.

Auch an anderen Flüssen, die aus Spanien kommen, sind neue große Staudämme in Portugal geplant. Vor allem betrifft das den Duero. Allerdings ist der Fluss seit Jahren stark von der Dürre betroffen. Über ihn konnten schon 2005 die Mindestmengen nicht geliefert werden (Iberische Flüsse in Not). Schon jetzt sind die spanischen Stauseen am Duero nur noch zu 46 Prozent gefüllt, das sind fast 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch hier plant die Wasserbehörde schon Einschränkungen.

Wegen der steigenden Kapazitäten bei der Wasserspeicherung in Portugal hat sich das Land darauf eingelassen, die Mindestmengen der Flüsse flexibler und in kürzeren Zeiträumen zu definieren. So zeigte sich der portugiesische Umweltminister bei einem Treffen mit der spanischen Kollegin sehr nachsichtig: "Portugal hat die strikte Verpflichtung, auf die Probleme von Spanien einzugehen."

Die Spanierin erklärte, dass mit der neuen Vereinbarung stabile Flussmengen festgelegt würden, um die ökologischen Eigenschaften der Flüsse aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig müssten die ökonomischen Interessen von Portugal, wie im Bereich der Versorgung mit hydroelektrischer Energie, bedient werden. Man darf gespannt sein, was im Sommer passiert, wenn die Wassereinzugssysteme des Miño, Duero, Tajo und Guadiana wegen ausbleibenden Regens wie erwartet in große Wassernot kommen werden.

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