Konfliktherd Balkan

Florian Rötzer 23.02.2008

Während noch die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo zu ersten Gewalttätigkeiten führte, drängt nun die US-Regierung darauf, Albanien, Kroatien und Mazedonien in die Nato aufzunehmen

Während im Kosovo die Albaner die USA wegen der Unabhängigkeit feiern, protestierten in Serbien 250.000 Serben dagegen und griffen neben der US-Botschaft auch einige andere Auslandsvertretungen von Ländern an, die das Kosovo wie Deutschland anerkannt haben. Die KFOR-Truppen sperrten am Freitag die Übergänge zwischen Serbien und dem Kosovo und hinderten Serben, in die geteilte Stadt Mitrovica zu gelangen.

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Der serbische Präsident Boris Tadic hat die Gewalttätigkeiten in Belgrad nach der Massendemonstration am Donnerstagabend gestern verurteilt. Regierungschef Vojislav Kostunica lobte hingegen die "Jugend Serbiens". Sie habe mit ihrer Teilnahme an der Kundgebung gegen die Unabhängigkeit des Kosovos gezeigt, dass sie für "Recht, Gerechtigkeit und Freiheit" ist und sich gegen die "westliche Politik der Gewalt" wendet.

Was mit der von der US-Regierung massiv betriebenen Unabhängigkeit des Kosovo (Polit-Choreografie auf dem Balkan) an Konflikten in der ehemaligen serbischen Provinz und auch in Serbien selbst entstehen werden, muss noch abgewartet werden. Die Konflikt innerhalb der Regierung und die Ausschreitungen lassen nichts Gutes vermuten. Aus Protest gegen den mangelnden Schutz der Botschaften lässt die EU, wie Javier Solana ankündigte, die Verhandlungen mit Serbien über das Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen erst einmal ruhen, das Voraussetzung für mögliche EU-Betrittsverhandlungen wäre.

Das Pentagon hat fast gleichzeitig am Mittwoch Albanien, Kroatien und Mazedonien, die Mitglieder der 2003 von den USA gegründeten Adriatic Charta sind, als strategische Partner gewürdigt und den Ländern bescheinigt, dass sie in die Nato beitreten könnten. Die Länder hätten nun ihr Militär ausreichend modernisiert und reformiert, um in die Nato eintreten zu können. Hervorgehoben wurde dabei der Übergang von der Wehrpflicht zu einer Freiwilligenarmee. Die USA werden sich auf dem nächsten Nato-Gipfel Anfang April in Bukarest für die Aufnahme der drei Länder einsetzen.

Gewürdigt wurde vom Pentagon, das seit Jahren den Nato-Beitritt der drei Länder fördert, ausdrücklich deren Mithilfe bei den Militäreinsätzen in Afghanistan und im Irak. Albanien und Mazedonien sind noch immer Mitglieder der geschrumpften Koalitionstruppen im Irak.

Argumentiert wird, dass eine mögliche Nato-Mitgliedschaft der drei Länder der Stabilität der Region dienen würde. Protest könnte von Griechenland kommen, dass mit Mazedonien wegen des Namens im Streit liegt. Ähnlich wie manche Serben – und auch die Serbische Radikale Partei (SRS) - wieder von einem Großserbien träumen, gibt es Vorstellungen von einem Großalbanien (Der vergessene Krieg), zu dem das Kosovo, vielleicht auch Teile von Mazedonien oder Montenegro gehören würden, die vorwiegend von Albanern bewohnt werden. Die Unabhängigkeit des Kosovo, die mögliche Radikaliserung in Serbien, gefördert durch die geostrategischen Interessen Russland, und die starke Unterstützung Albaniens durch die USA könnten jedoch gerade den Konfliktherd Balkan wieder aufladen.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27354/1.html
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