Amerika die Schau stehlen
Der Großwesir von Bagdad: Ahmadinedschad kommt den Irak besuchen
Die Vertreter der Supermacht pflegen den Besuch des von ihnen besetzten Landes bis zur letzten Minute geheimzuhalten, der iranische Präsident kündigt ihn groß an. Morgen will Ahmadinedschad dem Irak einen Besuch abstatten, der erste eines iranischen Präsidenten seit der Revolution von 1979, der ein verlustreicher achtjähriger Krieg zwischen den beiden Nachbarländern folgte. Der Besuch Ahmadinedschads auf Einladung des irakischen Präsidenten ist ein diplomatischer Erfolg, der durch die Ankündigung, dass man dem Nachbarland einen 1 Milliarde-Dollar Kredit – für Geschäfte mit iranischen Unternehmen - gewähren will, sicher nicht kleiner wird.
Zur vielleicht etwas ironischen Selbsteinschätzung, dass Ahmadinedschad die guten nachbarschaftlichen Verhältnisse erst der militärischen Intervention der USA im Irak zu verdanken habe, reicht es nicht, aber man höre und staune selbst aus der Hochburg der anti-iranischen Propaganda in Washington, aus dem American Enterprise Institute, gibt es Komplimente für Ahmadinedschad, von Michael Rubin:
Der Besuch des Präsidenten zielt darauf ab, Amerika die Schau zu stehlen (...), die Iraner sind Meister der Propaganda. Es ist sein Augenblick (Ahmadineschads, Einf.d.R.) des Triumpfes. Es ist sein "Mission Accomplished Moment".
Hat Rubin am Ende doch eine kleine Ironie versteckt, zielt der Verweis auf die Mission Accomplished Inszenierung von US-Präsident Bush auf die nachfolgenden Gegenbeweise durch die jüngere irakische Geschichte (vgl. Die Erfolgsstory verwandelt sich in einen Albtraum)?
Müßig darauf hinzuweisen, dass es natürlich andere, völlig unmissverständliche, unironische Kommentare aus Washington zum Irak-Besuch Ahmadinedschads ("extremely worrisome figure") gibt - und die Politik Washingtons gegenüber Iran ist prosaischer. Man versuchte in den letzten Woche verstärkt eine Mehrheit für neue Sanktionen gegen Iran zu schmieden. Auf Drängen des amerikanischen UN-Botschafters Salmay Khalilsads und nach Vorstellumngen Großbritanniens sollte heute im Sicherheitsrat darüber abgestimmt werden.
Indessen preist sich Ahmadinedschad vor Kriegsveteranen aus dem ersten Golfkrieg (iran-irakischer Krieg von 1980-88) seiner Festigkeit in der Nuklearfrage und lobt Iran zur Supermacht ("number one power" in der englischen Übersetzung von AFP) hoch. Natürlich ein PR-Stunt und doch nichts, was man leichtfertig als Luftnummer abtun sollte.
Tatsächlich hat Ahmadinedschad PR-diplomatisch in der Kernregion des amerikanischen Central Command mehr erreicht, als dies den USA recht sein kann. Trotz unermüdlicher Gegenarbeit der USA hat es der iranische Präsident geschafft, bei wichtigen arabischen Geschäftspartnern der Weltmacht als VIP eingeladen zu werden – und die internationale Öffentlichkeit mit entsprechenden Fotos zu beliefern.
Wie die amerikanische Zeitung Christian Science Monitor in einem bemerkenswerten Artikel zu Anfang dieses Jahres feststellte, ist die Achse der sunnitischen Partner gegen die schiitische Gefahr aus Iran nicht so eisern, wie sich das Washington vorstellt. Nicht nur Präsident Bush sieht man händchenhaltend mit dem saudischen König (vgl. Wo Cowboys erschaudern).
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The Gulf has moved away from American arguments for isolating Iran (...)
The states of the Gulf Cooperation Council (GCC) are accommodating themselves to Iran's growing weight in the region's politics (...)
Weeks later, Saudi King Abdullah invited Mr. Ahmadinejad to Saudi Arabia – the president's third visit in a year – for the hajj, or Muslim pilgrimage to Mecca. The king used the occasion to hold cordial talks.
Iran is even reaching out to Egypt (...)
Wie die Sunniten im Irak auf den morgigen Besuch von Ahmadinedschad reagieren werden, ist für Beobachter eine der spannenden Fragen der Visite. Dass schon im Vorfeld Proteste laut werden, ist die übliche Begleitmusik, die keinen besonders aufhorchen läßt. Interessanter wird sein, wie der Besuch innerhalb einer Bewegung aufgenommen wird, die für die USA als ein wesentlicher Faktor dafür gilt, dass die Anschlagszahlen kleiner und die Anzahl der good news aus dem Irak größer geworden ist: bei der sunnitischen Awakening-Bewegung (siehe dazu Das große "Erwachen" im Irak), bzw. innerhalb der Gruppierungem der Concerned Citizens.
Laut dem amerikanischen Fachblogger Marc Lynch sind zentrale Gruppen – wie etwa die Islamic Army in Iraq - dieser Bewegung gespalten, was das Verhältnis zu und die Strategie gegenüber Iran anbelangt. Eine Strömung würde sich nach seinen Informationen der Strategie der "Erwachten" entgegenstellen, weil sie mit Interessen der syrischen Gastgeber einiger wichtiger Führungspersönlichkeiten widerspreche. Die andere Strömung würde dagegen die Awakening-Bewegung vollends unterstützen, weil sie "der Bedrohung, die aus Iran kommt, die Priorität gegenüber der Bedrohung durch die Amerikaner einräume".
Dass der irakische Geheimdienstchef Mohammed Abdullah Al Shahwani kurz vor dem Besuch des befreundeten Präsidenten laut verkündet, Iran würde die Awakening-Bewegung, die gegen Al-Qaida kämpfe, untergraben, zeigt wieder einmal: Der Irak bleibt eine schwierige Gleichung.
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- Selbst SA-11 wird schon ausgemustert (17.3.2008 14:55)
- Re (3.3.2008 2:53)
- Immer noch keine Argumente (3.3.2008 1:27)
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