Neue Sünden: Umweltverschmutzung oder Drogenkonsum

Florian Rötzer 10.03.2008

Der Vatikan modernisiert die Sünden

Die katholische Kirche modernisiert sich, zumindest was die schweren Sünden betrifft. Die bekannten sieben Laster – Wollust, Stolz, Neid, Geiz, Zorn, Völlerei und Faulheit – seien nicht mehr zeitgemäß, heißt es aus dem Vatikan. Sie seien zu individualistisch. Daher schlägt der Vatikan neue Laster vor. Als Grund wird die Globalisierung genannt.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Wie Monsignor Gianfranco Girotti der Vatikanzeitung L'Osservatore Romano in einem Interview darlegte, habe die Globalisierung dazu geführt, dass Sünden auch immer eine soziale Komponente haben. Heute müsse man auch mehr als in der Vergangenheit auf Sünden achten, weil deren Folgen größer und zerstörerischer seien.

Allerdings stehen weiterhin die Verstöße gegen religiöse Pflichten im Vordergrund, beispielsweise die Profanisierung der Sakramente oder die Abtreibung. Wenig verwunderlich hält man im Vatikan die Bioethik hoch und wendet sich gegen Eingriffe in die Gene beim Menschen und andere Experimente, die die "menschliche Natur" verletzen. Drogen sind für den Vatikan ein weiteres Feld der Sünde. Sie schwächen die Psyche und verdunkeln die Intelligenz, vor allem scheinen sie die Kirche zu bedrohen, weil Jugendliche, die Drogen nehmen, diese nach Ansicht von Girotti meiden.

Überdies können nach Ansicht des Bischofs im Bereich der Ökologie durch Umweltverschmutzung neue Sünden entstehen. Aber auch gesellschaftlich ist die aufgehende Kluft zwischen Reich und Arm ein Bereich, in dem sich wohl die Menschen versündigen können, die Verantwortung dafür tragen, "dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden", wodurch sich eine unhaltbare "soziale Ungerechtigkeit" ergibt. Allerdings können bekanntlich die Gläubigen für ihre Vergehen büßen und so von ihren Sünden freigesprochen werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27463/1.html
Kommentare lesen (82 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS