In 7,6 Milliarden Jahre stürzt die Erde in die Sonne

11.03.2008

Britische Astronomen haben nicht nur neue Erduntergangsberechnungen angestellt, sondern überlegen auch, ob sich das Leben auf der Erde durch Verschieben der Umlaufbahn retten ließe

Jetzt wissen wir es genau, zumindest nach den Berechnungen der Astronomen Robert Smith von der Universität Sussex und Klaus-Peter Schroeder von der Universität Guanajuato in Mexico: In 7,59 (+/- 0,05) Milliarden Jahren stürzt die Erde spätestens in die sterbende Sonne, wie in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society schreiben. Ungemütlich würde es den Menschen oder ihren Nachfahren, sollte es dann noch welche geben, aber schon nach einer Milliarde Jahre werden. Dann setzt bereits eine globale Erwärmung ein, gegen die die jetzige absolut vernachlässigenswert ist.

Soho-Aufnahme der Sonne vom 7. März 2008

Nach neuen Berechnungen der beiden Astronomen wird die Erde aufgrund der wärmer werdenden Sonne in einer Milliarde Jahre schon nicht mehr für das Leben geeignet sein. Die bewohnbare Zone, definiert als der Bereich, in dem es flüssiges Wasser auf Planeten gibt, sich zum Mars hin verschoben hat. Gegenwärtig liegt die bewohnbare Zone in unserem Sonnensystem zwischen 0.95AU to 1.37 AU vom Zentrum der Sonne (eine Astronomische Einheit = 149.600.000 km).

In einer Milliarde Jahre habe zwar die Sonne noch kaum Masse verloren und bewege sich die Erde weiter in etwa einer AU von der Sonne, deren zunehmende Leuchtkraft verschiebe die bewohnbare Zone jedoch auf eine Entfernung zwischen 1.29 und 1.86AU. Während die überhitzte Erde zur Wüste wird und das Wasser verdampft, könnte der rote Planet dann zu einem grünen werden. Wenn die Sonne sich nach 7 Milliarden Jahren, kurz bevor sie die Erde verschlingt, in einen Roten Stern verwandelt hat, hat sich die Erdumlaufbahn nur wenig auf 1,5 AU verschoben, dafür aber die bewohnbare Zone auf 49-71 AU, also bis in der Kuiper-Gürtel hinein. Die Erde wird dann glühen, da die Sonne sehr viel größer und eine größere Leuchtkraft haben wird.

Venus und Merkur verschwinden, die Sonne verliert an Masse, wodurch sich such die Umlaufbahnen der verbleibenden Planeten vergrößern. Nach den beiden Astronomen würde die Erde aber nicht, wie man bislang glaubte, der Vernichtung durch eine Vergrößerung der Umlaufbahn entgehen. Weil die äußere Atmosphäre der Sonne sehr viel weiter reiche als ihre sichtbare Oberfläche, wird die Erde in deren äußeren Schichten bleiben. Auch wenn es hier nur eine geringe Gasdichte gebe, erzeuge diese Schicht so viel Widerstand, dass die Erde allmählich zur Sonne gezogen wird und schließlich in ihr verglüht.

Die Astronomen stellen aber nicht nur den Weltuntergang fest, sondern überlegen auch, ob sich dieser theoretisch verhindern lassen könne. Damit die Erde "überleben" und dann weiter um die Sonne kreisen kann, die sich aus einem Roten Stern in einen weißen Zwerg verwandelt hätte, müsste der Abstand zur Sonne mindestens 1,15 AU betragen. Um den Radius der Umlaufbahn der Erde so zu vergrößern, würde eine Zunahme des Drehimpulses um 0,8 Prozent reichen.

Wenn derzeit eifrig über Geoengineering-Projekte zur Bekämpfung der Klimaerwärmung nachgedacht wird und man sich auch Gedanken darüber macht, wie man durch Terraforming andere Planeten bewohnbar machen könnte, haben Smith und Schroeder die Dimension des Planetengineering im Visier. Könnte man nämlich den Radius der Erde schon jetzt verschieben, dann würde man diese auch angesichts der zunehmenden Leuchtkraft der Sonne im Laufe der nächsten Milliarde Jahre als Lebensraum vor der Erwärmung bewahren können. Sie verweisen dabei auf Überlegungen kalifornischer Wissenschaftler, die in einem Artikel dargelegt haben, dass sich eine Verschiebung der Erde prinzipiell bewerkstelligen lassen könnte, indem man einen Asteroiden in entsprechender Größe etwa alle 6000 Jahre nahe an der Erde vorbeifliegen lässt, so dass deren Umlaufbahn durch den Druck allmählich und schrittweise vergrößert würde (Planeteningenieure).

Technisch sei man allerdings noch nicht so weit, einen Asteroiden überhaupt und so genau steuern zu können, dass er in richtiger Entfernung an der Erde vorbeiziehend diese langsam von der Sonne entfernt, um sie bewohnbar zu halten. Aber die Rettung der gesamten irdischen Biosphäre sei doch letztlich besser und kostengünstiger, als wenn man kleine Projekte plane, die bestenfalls wenige Menschen und Arten retten können. Allerdings bestehe das Risiko bei diesem Planetenengineering, dass bei einem Zusammenstoß mit dem Asteroiden die Menschheit schon viel früher ausgelöscht wird.

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