Genprofile von Schulkindern zur Prävention

Florian Rötzer 16.03.2008

Großbritannien hat bereits die weltweit größte Gendatenbank, die Sicherheitsbehörden suchen nach neuen Möglichkeiten, den Kreis der Personen zu erweitern

In der Gendatenbank der britischen Polizei werden bereits die Genprofile von bald 1,5 Millionen Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren gespeichert sein. Seit 2004 kann die Polizei eine DNA-Probe von jedem Kind nehmen, das älter als 10 Jahre ist, wenn es festgenommen wurde, unabhängig davon, ob die Festnahme zu einer Anklage und Verurteilung führt oder sich als unbegründet erweist.

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Bekanntlich hat Großbritannien weltweit die größte Gendatenbank Schon jetzt enthält sie mehr als 150.000 Profile von Kindern unter 16 Jahren. Insgesamt sind genetischen Fingerabdrücke von mehr als 4 Millionen Menschen gespeichert, 5 Prozent der Gesamtbevölkerung (Österreich liegt an zweiter Stelle mit Genprofilen von einem Prozent der Bevölkerung). Und der Umfang der Datenbank wächst schnell an, jedes Jahr um eine halbe Million Profile. Dass es auch viele falsche Einträge gibt, wie letztes Jahr festgestellt werden musste, scheint die Sammelwut nicht einzuschränken (Ein Siebtel der Einträge in der britischen Gendatenbank ist falsch)

Seit Jahren fordern Angehörige der Polizei, dass sie präventiv die Genprofile möglichst aller Menschen enthalten soll, am besten gleich seit Geburt an oder ab dem Betreten des Landes (Die Wünsche der Kontrolleure). Die permanente Erweiterung der Möglichkeiten, Genprofile anzulegen, scheint dafür zu sprechen, dass auch politisch langfristig die große Version Schritt für Schritt angestrebt wird. Konsequent wurde so 2001 und 2004 gesetzlich die Möglichkeiten erweitert, auch von Personen, die nur aufgrund von geringen Vergehen festgenommen und auf eine Polizeistation gebracht wurden, Genprofile anzulegen – und auch dann nicht mehr löschen zu müssen, wenn ihre Unschuld erwiesen oder ihre Schuld nicht nachgewiesen werden kann.

So konnten allein zwischen April 2004 und März 2006 die Genprofile von 600.000 Menschen weiter gespeichert werden, die man vor der neuen gesetzlichen Regelung hätte löschen müssen. 80 Prozent der bis März 2006 angelegten Genprofile stammen übrigens von Männern, 41 Prozent von der Altersgruppe der 15-24-Jährigen, 8 Prozent von unter 14-Jährigen.

Angestrebt wird, die Schwellen noch weiter zu senken. So sollen auch die DNA-Proben von Verdächtigen schon auf der Straße genommen werden können. Wer nicht angeschnallt mit dem Auto fährt oder Abfall auf die Straße wirft, könnte dann schon für immer in die Datenbank geraten. Schon im letzten Bericht über die Fortschritte der Gendatenbank wird gefordert, dass die Position der weltweit führenden Gendatenbank gesichert und dazu auch die Möglichkeiten "maximiert" werden sollten, Genprofile anzulegen.

Gary Pugh, Direktor der Forensikabteilung bei Scotland Yard und "DNA-Sprecher" der Association of Chief Police Officers (Acpo), schlug nun erneut eine Möglichkeit vor, wie der Observer berichtet, wie man den Personenkreis erweitern könnte. So sagte er, man könne doch die Genprofile von Schulkindern (ab 5 Jahren) erfassen, deren Verhalten darauf hinweist, dass sie später einmal Kriminelle werden könnten. Zumindest müsse man eine Debatte über den Vorschlag anstoßen, "Personen zu identifizieren, bevor sie eine Straftat begehen". Wenn man das will, dann wäre es besser, so früh wie möglich damit zu beginnen, die Vorteile, schon die Genprofile von Kinder zu erfassen, seien "extrem groß". Noch sei es allerdings nicht möglich, von allen Personen aufgrund der Kosten und der logistischen Probleme Genprofile anzulegen.

Präventivmaßnahmen werden offenbar zunehmend populär. Scotland Yard etwa will über Persönlichkeitsprofile und Risikoanalysen die Menschen identifizieren und präventiv unter Beobachtung stellen, die eine schwere Gewalttat begehen könnten (Datenbank mit potenziellen Gewalttätern). Das Institute for Public Policy Research hat erst im Februar einen Bericht veröffentlicht, in dem gefordert wurde, ein Programm mit dem Titel "Sure Start Plus" zu starten und u.a. Zentren zur Betreuung von 5-12-Jährigen und ihren Eltern einzurichten, die Gefahr laufen, später kriminell werden zu können. Ihre Karriere würden Kriminelle zwischen 10 und 13 Jahren starten, bei Zehnjährigen könne man bereits vorhersagen, ob sie mit 16 Jahren Straftaten oder antisoziale Verhaltensweisen (ASBOs) begehen würden. Tony Blair gab 2006, als er noch britischer Regierungschef war, bereits den noch weiter gehenden Plan nach der Devise vor: "Wir können schon vor ihrer Geburt gegen unsoziale ("antisocial") Kinder vorgehen"

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27515/1.html
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