Globale Blasenwirtschaft?
Schon jetzt sind die globalen Auswirkungen der Kreditkrise absehbar: Begleitet von einem heftig knarrenden, wenn nicht gar einstürzenden Finanzüberbau geht mit dieser sich entfaltenden Krise eine weltökonomische Ära zu Ende, in der die Vereinigten Staaten als konjunkturelle Lokomotive der Weltwirtschaft fungierten. Die hochdefizitäre US-Wirtschaft, die mit nahezu jeder Weltregion ein Handelsdefizit aufweist, verschlang einem Schwarzen Loch gleich die Überschussproduktion der exportfixierten Nationen und Regionen Asiens und Europas – hier insbesondere des "Exportweltmeisters Deutschland", dessen Exportwirtschaft ihre "Erfolge" auf den Weltmarkt durch ein sinkendes Lohnniveau und massiven Sozialabbau erkaufte. Der sich bereits abzeichnende Einbruch des privaten Konsums, der einen Großteil der amerikanischen Nachfrage generiert, wird mit Sicherheit auch in den Volkswirtschaften Asiens und Europas seine Bremsspuren hinterlassen.
Die mit ausartender privater Verschuldung einhergehende spekulative Blasenbildung auf den Immobilienmarkt ermöglichte es, diese globale Wirtschaftsstruktur, bei der die ausufernden US-Handelsdefizite die Exportkonjunktur Chinas, Japans oder auch Deutschlands stützten, länger aufrecht zu erhalten. Da bis 2007 die Immobilienpreise beständig stiegen, konnten viele US-Bürger ihren Konsum trotz stagnierender Nettolöhne weiter steigern, indem sie einfach Hypotheken auf ihre Häuser aufnahmen und das Geld beispielsweise für chinesische Elektronik oder deutsche Autos ausgaben. Zudem konnte vor allem dieser spekulative Immobilienboom tatsächlich zu einer Belebung der reellen Konjunktur führen, da die gestiegene, auf irrationalen Erwartungen fußende Bautätigkeit höchst reale Arbeitsplätze schuf und eine umfassende Belebung des gesamten Bausektors mitsamt der vielfältigen Zulieferindustrien bewirkte. Überdies fungierte die Verschuldung der privaten US-Haushalte faktisch als privatisierter Keynesianismus, der analog zum Militär-Keynesianismus der Bush-Regierung, weitere konsumkräftige Nachfrage auf Pump generierte.
Die amerikanische Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt steht somit in einem häufig falsch wahrgenommenen Verhältnis zur realen Ökonomie: Es sind nicht die durch platzende Spekulationsblasen ausgelösten Finanzkrisen, die eine "gesunde" reelle Ökonomie zum Absturz bringen, sondern der spekulative Prozess selber fungiert als Motor der konjunkturellen Entwicklung des produzierenden Gewerbes, der "reellen Wirtschaft".
"Finanzielle Massenvernichtungsmittel"
Globale Blasenwirtschaft?
Die Reaktion auf die Dotcom-Blase legte den Grundstein für die jetzige Krise
"Der Kapitalismus muss Gewinne jenseits der warenproduzierenden Sphäre realisieren"
http://www.heise.de/tp/artikel/27/27542/1.html- Selektion & Quali (13.7.2008 15:21)
- Vorsicht... (3.4.2008 10:53)
- nationale Sozialisten (30.3.2008 15:59)
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