Predators und Pfusch

Thomas Pany 28.03.2008

Von kleinen und großen Kalibern im Kampf gegen Extremisten

Während amerikanische Emissäre in Islamabad vorfühlten, ob sie für Predator-Abschüsse auf Al-Qaida-Zellen in Pakistan auch die Unterstützung der neu gewählten Regierung haben würden, zeigt sich laut New York Times, dass der andere Verbündete im Kampf gegen den Taliban-Terrorismus, die afghanische Armee, mit 40 Jahre alter, funktionsschwacher Munition kämpfen muss - aus Beständen des früheren Ost-Blocks, die eigentlich zerstört werden sollten. Die Zulieferfirma: ein dubioses Unternehmen, das vom Pentagon Verträge in Höhe von mehr als 300 Millionen Dollars bekam.

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Als die beiden amerikanischen Gesandten John Negroponte und Richard Boucher am Dienstag in einer Art Eilmission ins pakistanische Grenzgebiet zu Afghanistan reisten, trafen sie laut einem Guardian-Bericht auf einen eher kühlen Empfang durch die Vertreter der neu gewählten Regierung (siehe Der Anfang vom Ende Musharrafs?). Diese bemühten sich um deutliche Distanz zum besonderen Verhältnis, das die USA zu Präsident Musharraf pflegen.

Pakistan sei nicht länger eine One-Man-Show, sagte Nawaz Sharif, Führer der Pakistan Muslim League, einer der beiden Koalitionsparteien, welche die Wahl im Februar (vgl. USA stützen Musharraf nach der Wahlniederlage) gewonnen hatten. Sharif machte die Amerikaner darauf aufmerksam, dass man nun ein frei gewähltes, souveränes Parlament habe, dass über alles debattiere. Es sei unakzeptabel, dass man dieses Land im Namen des Friedens in ein "Killing Field" verwandele – eine ziemlich eindeutige Anspielung auf Predator-Einsätze der US-Militärs, die in den letzten Wochen auch zu einigen zivilen Opfern geführt hatten und mit denen jetzt, laut Washington Post, sogar verstärkt operiert werden soll – solange die neue pakistanische Regierung hier noch keine deutliche Grenzen setzt. Bis also klar wird, wieviel Macht dem engsten Verbündeten der USA in Pakistan, Präsident Musharraf, noch verblieben ist.

"Wenn Amerika sich vom Terrorismus befreit sehen will, wollen wir auch, dass auf unsere Dörfer und Städte keine Bomben abgeworfen werden", sagte Sharif, der mit seinen Äußerungen, die den Amerikanern Überheblichkeit gegenüber der Souveränität Pakistans vorwerfen, eine weit verbreitete Grundstimmung in Pakistan trifft.

Wieviel haarsträubende, das Leben vieler gefährdende Nachlässigkeiten der von Washington ausgerufene Kampf gegen den Terror, bzw. gegen Extremisten, impliziert, zeigt ein neuer Waffenhändler-Skandal, den Reporter der New York Times gestern veröffentlichten. Wie die Journalisten in großem Detail ausführen, hat das Pentagon, als es 2006 privaten Unternehmern Verträge anbot, nur ganz oberflächlich geprüft, wer für die Zulieferung von Munition an afghanische Truppen verantwortlich ist. Durch die verstärkten Offensiven der Taliban war größerer Bedarf entstanden, gedeckt werden sollten die Munitionsnachschubaufträge unter anderem von einer wenig bekannten kleinen Zulieferungsfirma namens AEY, die einen entsprechenden Vertrag in Millionenhöhe zugesprochen bekam. Nun fragen sich Vertreter des Außenministeriums, wie die ziemlich obskure Firma jemals an dieses Geschäft gekommen ist.

Laut Recherchen der Zeitung stellte sich heraus, dass ein großer Teil der an afghanische Armeeeinheiten gelieferten Munition aus über 40 alten Beständen in ehemaligen Ostblockländern wie Albanien, Bulgarien, der tschechischen Republik, Ungarn, Rumänien und anderen, kam. Zwar fand sich darunter auch Munition aus sowjetischen Beständen in guter Qualität, aber eben auch schlechte Qualität aus Beständen, die eigentlich zerstört werden sollten. Die üblichen Tests wurden anscheinend vernachlässigt bzw. unterlassen, die Firma AEY kaufte mehr als 100 Millionen solcher Patronen im Auftrag des Pentagon und verschiffte das ganze unter Umständen, die denen von Schwarzhändlern gleichen, was manche ungewollte Paralellen evoziert. So kommentiert Hugh Griffiths, von der Arms Transfer Profile Initiative, laut New York Times eine private Organisation, die illegalen Waffenhandel untersucht:

Put very simply, many of the people involved in smuggling arms to Africa are also exactly the same as those involved in Pentagon-supported deals, like AEY’s shipments to Afghanistan and Iraq.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27595/1.html
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