Für die Armen gibt es weniger Geld

Florian Rötzer 06.04.2008

Die Entwicklungshilfegelder der reichen Länder sinken, obgleich 2005 auf dem G-8-Gipfel anderes versprochen wurde

Während die Inflation steigt, die USA in eine Rezession eintauchen und die Preise für Grundnahrungsmittel und Energie in die Höhe schnellen, sinken die Entwicklungshilfegelder, die die reichen Länder geben, wieder ab. Die meisten reichen Staaten werden nach den bekannten Plänen auch in Zukunft ihren Versprechungen auf dem G-8-Gipfel 2005 in Gleneagles nicht nachkommen (Armut wird nicht der Geschichte angehören).

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Die Entwicklungshilfegelder der 22 reichsten Staaten sinken nach deren Angaben, die sie Development Assistance Committee (DAC) der OECD gegeben haben, nun schon das zweite Jahr hintereinander. Nach den Zahlen wurden 2007 8,4 Prozent weniger Geld bereitgestellt, obgleich die globalen Preissteigerungen vor allem bei Grundnahrungsmitteln wie Reise, Mais oder Weizen vor allem die ärmsten Menschen treffen.

José Manuel Barroso, der Präsident der EU-Kommission, zeigt sich besorgt über diesen Trend, der den gegebenen Verpflichtungen zuwiderläuft. Auch in der EU ist die Entwicklungshilfe 2007 erstmals seit 2000 um 1,6 Milliarden Euro von 47,7 Milliarden (2006) auf 46.1 Milliarden 2007 zurückgegangen. 2005 hatten die EU-Staaten noch unter dem Druck der Öffentlichkeit eine erhebliche Steigerung der Entwicklungshilfe auf 0,56 Prozent des BIP bis 2010 und 0,7 Prozent bis 2015. Ein Jahr danach ist haben die Länder zwar durchschnittlich 0,41 Prozent aufgebracht, 2007 sind die Entwicklungshilfegelder aber wieder auf 0,38 Prozent zurückgegangen.

Barroso sagte, dass der Schuldenerlass zwar ein wichtiges Mittel sei, aber die Entwicklungsarbeit auf verlässliche finanzielle Mittel angewiesen sei. Er warnte, dass die Millenniumsziele, also etwa Reduzierung der extremen Armut (weniger als 1 US-Dollar täglich) um die Hälfte oder die Schaffung der Möglichkeit, dass jedes Kind zumindest in eine Grundschule gehen kann, so nicht zu erreichen wären. Die EU müsse, so Kommissar Louis Michel, zuständig für die Entwicklungshilfe, als größter Spender weiterhin ein Vorbild sein. Die EU ist mit 97 US-Dollar pro Kopf Entwicklungshilfe der größte Spender (USA: 53%, Japan: 44%).

Nach Angaben des DAC sei der Rückgang der Entwicklungshilfegelder nach dem Anstieg im Jahr 2005 auf 107 Milliarden US-Dollar vorhersehbar gewesen. Anvisiert waren für das Jahr 2010 130 Milliarden Dollar (Realwert gegenüber 2004). 2006 sanken die Gelder auf 104,4 Milliarden, 2007 auf 103,7 Milliarden. Im Realwert sanken sie damit um 8.4% Milliarden US-Dollar (in der EU um 5,8%). Damit ging der durchschnittliche Anteil am BIP von 0,31 Prozent 2006 auf 0,28 Prozent zurück. Einige Staaten haben jedoch auch mehr gegeben, beispielsweise Spanien, Luxemburg, Norwegen, Österreich oder Deutschland. Japan, Frankreich, Großbritannien und die USA haben die Hilfe jedoch teils deutlich zurückgefahren.

Absolut kam 2007 erneut am meisten Geld von den USA, gefolgt von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Japan. Nach dem Anteil am BIP liegen jedoch Norwegen, Schweden, Luxemburg, Dänemark und Holland mit über 0,8 Prozent an der Spitze. Deutschland befindet sich mit 0,37 Prozent im Mittelfeld. Das Schlusslicht bilden die USA mit 0,16 Prozent.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27659/1.html
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