Rundfunkbehörde Venezuelas gegen Simpsons

Ralf Streck 10.04.2008

In einem peinlichen Vorgang wird gegen die beliebte Zeichentrickserie vorgegangen

Schlechte Nachrichten gibt es für alle Fans der Zeichentrickfamilie The Simpsons in Venezuela. Die Rundfunkbehörde Conatel hat ein Sanktionsverfahren gegen den Privatsender Televen eingeleitet, weil die Serie nicht kindgerecht sein könnte.

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Die Verantwortlichen von Hugo Chavéz' Rundfunkbehörde haben offensichtlich Probleme mit Satire und Humor. Anders ist es kaum zu verstehen, dass ausgerechnet die Zeichentrickserie Simpsons angegriffen wird, die den Lebensstil der Erzfeinde im Norden satirisch und bissig auf den Arm nimmt. Auch der US-Präsident oder der Sender Fox Network mit dessen konservativem Boss und Medienzar Rupert Murdoch wird nicht verschont, der die Serie produziert. Es ist zudem die am längsten laufende US-Zeichentrickserie, von der es nun schon mehr als 400 Episoden gibt.

In einer nur kurzen Conatel-Erklärung heißt es: "In Beachtung der eingegangenen Klagen von Zuschauern, wird ein Sanktionsverfahren gegen den Fernsehsender Televen eingeleitet." Die Behörde kritisiert, die Simpsons würden um 11 Uhr ausgestrahlt. Das "verstößt möglicherweise gegen das Verbot", in der Zeit, in der alle Altersgruppen Zugang zum Fernsehen hätten, Inhalte auszustrahlen, die schädlich für Kinder und Jugendliche seien. Sicher ist man sich der Kritik nicht, wie schon die Formulierung zeigt.

Weder sagt die Behörde, worin der Schaden liegen soll, den sich Kinder durch Simpson-Konsum zuziehen könnten, noch wird aus Klagen der Zuschauer zitiert. Allerdings wird Televen die Möglichkeit eingeräumt, innerhalb von 10 Tagen Ein- oder Widerspruch einzulegen. Es kann also (noch) nicht davon gesprochen werden, die Serie sei zensiert, abgesetzt oder verbannt worden, wie allseits berichtet wird. Vielmehr war es zunächst die Entscheidung von Televen, die bissigen und intelligenten Simpsons nun durch die Verdummungsserie "Baywatch" zu ersetzen.

Der pädagogische Wert für die Schulung der Kinder hin zum dürfte bei Baywatch allerdings deutlich kontraproduktiver ausfallen. So ist zu hoffen, dass die Einwendungen und die Kritik an dem Vorgehen ein Umdenken bei Chavéz und Conatel bewirken. Sonst könnte Chavéz demnächst den Bushs die Hand reichen, denn die Frau des früheren US-Präsidenten hält die Serie für das stupidest thing, das sie jemals gesehen habe. Und ihr Ehemann meinte die US-Amerikaner sollten "mehr wie die Waltons und weniger wie die Simpsons sein".

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27689/1.html
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