Gehirndoping zur Leistungssteigerung zunehmend gefragt

Florian Rötzer 10.04.2008

Nach einer Umfrage unter Lesern des Wissenschaftsmagazins Nature verwendet bereits ein Fünftel Medikamente zur kognitiven Leistungssteigerung, vor allem Ritalin

Die Zeitschrift Nature hatte im Januar die Leser aufgefordert, an einer Umfrage über die Einnahme von Medikamenten zur kognitiven Leistungssteigerung teilzunehmen. Gefragt wurde besonders nach der Benutzung von Ritalin (Wie Ritalin & Co. im Gehirn und der hyperaktiven Gesellschaft wirken), Modafinil (Gehirn-Doping: Augen geradeaus) und Betablocker. 1400 Menschen aus 60 Ländern beteiligten sich an der Umfrage. Das – natürlich nicht repräsentative – Ergebnis der Umfrage unter den Wissenschaftlern: Ein Fünftel nimmt eines der Medikamente aus nichtmedizinischen Gründen vornehmlich zur Konzentrations- und Aufmerksamkeitsverbesserung. 60 Prozent derjenigen, die an der Umfrage teilnahmen, waren unter 35 Jahre alt.

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Brendan Maher, der Autor des Nature-Artikels, weist darauf hin, dass die Einnahme von Wirkstoffen zur kognitiven Leistungssteigerung in Zukunft ähnlich zunehmen wird wie die Schönheitschirurgie, wenn die bioethischen und psychologischen Bedenken überwunden werden (vgl. Body-Upgrade. Zu allem entschlossen?). Das Internet werde zur schnellen Verbreitung beitragen. Ein Drittel der Medikamente, die zu nichtmedizinischen Zwecken von Teilnehmern der Umfrage gekauft wurden, hatten diese über das Internet bestellt. 80 Prozent sagten, dass gesunden Erwachsenen die Einnahme von leistungssteigernden Medikamenten möglich sein sollte, 69 Prozent gaben an, dass sie bei der persönlichen Verwendung auch leichte Nebenwirkungen akzeptieren würden. Zwei Drittel sagten, dass sie Kollegen kennen, die solche Medikamente einnehmen.

86 Prozent sind dafür, dass Minderjährige unter 16 Jahren daran gehindert werden sollten, diese Drogen zum Gehirndoping zu verwenden, aber ein Drittel gab zu, dass sie diese auch ihren Kindern geben würden, wenn andere Kinder in der Schule sie nehmen. Um die Karriere ihrer Kinder zu fördern, würden also diese Eltern ihre Kinder wohl auch dann dopen, wenn es gesetzliche Regelungen gäbe. 45 Prozent sind die dafür, die Einnahme in bestimmten Situationen, beispielsweise zu Prüfungen, zu verbieten, 54 Prozent sind für uneingeschränkte Verwendung.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27695/1.html
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