Klonen von Menschen durch die Hintertür?

Florian Rötzer 15.04.2008

Die als Alternative zur Verwendung von embryonalen menschlichen Stammzellen angepriesene Methode des Umprogrammierens von Körperzellen ließe sich auch in der Reproduktionsmedizin anwenden

Als Wissenschaftler aus Japan und den USA die Technik entwickelten..http://www.heise.de/tp/blogs/3/99284, aus umprogrammierten Hautzellen induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) zu gewinnen, hieß es von mancher Seite, dass nun die umstrittene Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen obsolet geworden sein. Verstärkt wurde dies, nachdem bei Mäusen gezeigt wurde, dass derart erzeugte Stammzellen auch therapeutisch verwendet werden können. US-Wissenschaftler hatten bei Mäusemodellen der menschlichen Sichelzellenanämie diesen heilen können.

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Wie sich nun herausstellt, könnte die Methode der Reprogrammierung auch eine Möglichkeit für das reproduktive Klonen bieten – und zwar angeblich eine effizientere als bei der Dolly-Methode des Zellkerntransfers. Davor warnt Robert Lanza, einer der Pioniere der Stammzellenforschung und Leitender Wissenschaftler der Firma Advanced Cell, wie der Independent berichtet.

Während beim Nukleartransfer der Kern einer Körperzelle entfernt und in eine entkernte Eizelle eingefügt wird, besteht die andere Variante darin, umprogrammierte Körperzellen in Embryonen einzufügen, die bei einer In-Vitro-Fertilisation entstanden sind. MIT-Wissenschaftler unter der Leitung von Rudolf Jaenisch haben letztes Jahr demonstriert, dass daraus lebendige Mäuse entstehen können, die Gene der umprogrammierten Körperzelle und solche des Embryos, bzw. der Mutter und des Vaters, enthalten, also zumindest teilweise Klons sind.

Eine am Whitehead Institute des MIT aus umprogrammierten Fibroblasten, die in Embryos eingefügt wurden, hergestellte Maus-Chimäre. Bild: Sam Ogden/Whitehead Institute

Robert Lanza macht darauf aufmerksam, dass jemand demnächst zur künstlichen Befruchtung auf diese Technik zurückgreifen werde, auch wenn die Herstellung solcher Chimären, die die Gene von drei und mehr Menschen enthalten, "unmoralisch und unsicher" sei. Noch könne man keine Menschen klonen, auch wenn Anfang des Jahres Wissenschaftler eben dies behauptet haben (US-Unternehmen hat menschliche Embryonen aus Hautzellen geklont), aber mit dieser Technik "können junge und alte, fruchtbare und unfruchtbare, hetero- und homosexuelle Menschen ihre Gene durch Verwendung einiger Hautzellen an ein Kind weitergeben. Bislang spreche nichts dafür, dass solche menschlichen Chimären krank sein sollten.

Mit einer Variante der Methode, bei der Embryonen nicht mit zwei, sondern mit vier Chromosomen erzeugt wurden, konnten sogar vollständige Klone mit umprogrammierten Hautzellen hergestellt werden. Wenn solchen Embryonen, die nicht heranwachsen können, eine umprogrammierte Zelle injiziert wird, entwickelt sich der Fötus alleine aus dieser Zelle und ihrem Genom.

Lanza meint, dass zwar keiner der Forscher, die sich mit umprogrammierten Zellen beschäftigen, damit in die Reproduktionsmedizin einsteigen will, aber da diese Technik im Unterschied zum Klonen via Zellkerntransfer in vielen Ländern nicht verboten sei, könne man auf die ersten Versuche warten. Selbst die Kritiker der Forschung mit embryonalen menschlichen Stammzellen und die Kirchen setzen auf die Technik als Alternative, diese aber könnte, so Lanza, "zu ihrem schlimmsten Alptraum" werden: "Man braucht nur ein paar Hautzellen von Albert Einstein oder irgendeiner anderen Person, um ein Kind zu erhalten, das zu 10 oder 70 Prozent Albert Einstein ist."

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27730/1.html
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