Zielgruppengenaues Marketing

Peter Mühlbauer 21.04.2008

Spammer und die Religion

In fast allen Marketingbereichen konzentriert man sich zunehmend darauf, Werbegelder nicht mit der Schrotflinte zu verpulvern, sondern möglichst genau auf jene Zielgruppe einzuwirken, die für das Produkt am empfänglichsten ist. Eine erste vorsichtige Tendenz in diese Richtung ist jetzt auch beim Spam feststellbar.

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Der wird zwar (wie es seine Natur ist) weiterhin an alle verfügbaren Email-Adressen verschicht - aber die Betreffszeilen, die zum Öffnen, Ansehen und Klicken verleiten sollen, scheinen in einigen Fällen möglicherweise zielgruppengenauer formuliert als früher. Zumindest dann, wenn man davon ausgeht, dass der ideale Spam-Kunde sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er möglichst naiv ist und potentiell alles glaubt.

Einige Spammer scheinen jetzt einen "Supermarker" für solche Leichtgläubigkeit ausgemacht zu haben: Religion. Während des großen Spam Run in der letzten Woche erhielten zahlreiche Nutzer Mails mit Betreffszeilen wie "Could Noah's ark hold all the animals?" um Waren und Dienstleistungen anzubieten, die man sonst wahrscheinlich nur im Nachtprogramm von Fernsehsendern loswerden würde.

Damit unterscheidet sich die neue Welle von dem bereits seit mehr als 10 Jahren bekannten traditionellen Religionsspam, mit dem überwiegend tatsächlich für Glaubenssysteme oder um Spenden dafür geworben wurde.

Als die Vereinigten Staaten mit dem Can-Spam-Act unerwünschte Emails mit einem strafbewehrten Verbot belegten, sorgte die Religionslobby im amerikanischen Kongress dafür, dass solche Werbemails nicht darunter fielen und damit auch von den USA aus weiter legal versendet werden konnten. Ob diese Ausnahmeregelung auch für die Mails der neuen Spamwelle gilt, ist allerdings fraglich. Ein anderer Vorzug dieser Gattung dürfte die Absender stärker angesprochen haben – ihre Fähigkeit, Spamcatcher zu umgehen. Schon vor Jahren inspirierte dieser Effekt des traditionellen Religionsspam zu Wortspielen wie: "Spammers use the Lord's name to part firewalls" und "The only spam that could ever reach me, was a ton of that preacher spam..."

Auch zur Installation von Malware eignen sich Spam-Mails mit religiösem Inhalt möglicherweise besser als die bisher wichtigsten Lockthemen Glücksspiel, Uhren, Finanzdienstleistungen, Medikamente, Pornographie, Penisverlängerung und proprietäre Programme: Wer an die Schöpfungslehre glaubt, der vermutet vielleicht auch hinter Links aus einer fremden Mail keinen Betrug – und benutzt eventuell mit höherer Wahrscheinlichkeit vorinstallierte Browser und Mailprogramme. Schon der traditionelle Religionsspam machte mit Sätzen wie "This is not UCE or SPAM" klar, dass es hier um eine Zielgruppe geht, die wirklich ALLES glaubt – wenn es ihr nur laut oder in Großbuchstaben mitgeteilt wird.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27771/1.html
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