"Obama liebt Hitler!"

Peter Mühlbauer 23.04.2008

Hillary Clinton siegt klar in Pennsylvania – und bleibt im Rennen

Dadurch, dass der bevölkerungsreiche Staat insgesamt 158 Delegierte zur National Convention schickt, wurde ihm bei den US-Vorwahlen größere Bedeutung zugemessen als den anderen, die in den nächsten beiden Monaten noch folgen. Nach Berechnungen von CNN führte Clinton in den frühen Morgenstunden nach Auszählung eines Großteils der Stimmen mit 55 Prozent und damit deutlicher als in den letzten Umfragen, wo ihr nur zwischen 51 und 52 vorhergesagt worden waren.

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Die demographischen Verhältnisse in Pennsylvania sprachen für Clinton: Die Bevölkerung war älter als der amerikanische Durchschnitt, die Einkommen und der Bildungsstand niedrig. Knapp 30 Prozent der Einwohner Pennsylvanias sind deutscher, etwa 20 Prozent irischer und gut 10 % Prozent italienischer Abstammung. Der afrikanischstämmige Anteil liegt dagegen verhältnismäßig niedrig.

Bei genauerer Betrachtung ist Pennsylvania aus so unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt wie Virginia vor der Aufspaltung: Der Westen ist von einer sterbenden Stahlindustrie und von Bergbaubrachen geprägt, außerdem von der darbenden Industriestadt Pittsburgh. Ähnliche Verhältnisse finden sich in Philadelphia, der an der Grenze zu New Jersey gelegenen einzigen Millionenstadt. Der Rest des Landes ist dagegen geprägt von Kleinstädten, bäuerlicher Landwirtschaft und der Religion: Quäker und Amische haben hier traditionelle Siedlungsschwerpunkte. Durch diese Unterschiede gehört Pennsylvania zu den Staaten, in die sowohl Demokraten als auch Republikaner immense Summen an Wahlkampfgeldern pumpen, um so eine Mehrheit für die 21 Wahlmännerstimmen des "Swing State" zu erreichen.

Der demokratische Vorwahlkampf war in den letzten sechs Wochen zunehmend härter, aber auch langweiliger geworden. Am Montag hatte Clinton sogar Osama bin Laden aus der Mottenkiste geholt und in einem Werbespot eingesetzt – angeblich ein Novum in der Wahlkampfgeschichte der Demokratischen Partei. Obama reagierte nur Stunden später mit einem Konterspot, der Clintons Zustimmung zur Invasion im Irak zum Thema machte.

Michael Moore für Obama

Eine der wenigen Überraschungen war, dass sich auch einer der pointiertesten Kritiker des amerikanischen Gesundheitssystems, der Sicko-Regisseur Michael Moore, für den Kandidaten aussprach, dessen Krankenversicherungspläne eher im Vagen liegen. In einer Wahlempfehlung auf seiner Website gab der 54jährige Dokumentarfilmer am Montag seine Unterstützung für den Senator aus Illinois bekannt. Moore begründete seine Empfehlung damit, dass Obamas mangelnde Erfahrung und sein bisheriges Abstimmungsverhalten weniger wichtig wären als die "Bewegung", deren Symbolfigur er wurde:

"What we are witnessing is not just a candidate but a profound, massive public movement for change. My endorsement is more for Obama The Movement than it is for Obama the candidate […] what's going on is bigger than him at this point, and that's a good thing for the country. Because, when he wins in November, that Obama Movement is going to have to stay alert and active. Corporate America is not going to give up their hold on our government just because we say so. President Obama is going to need a nation of millions to stand behind him."

Zudem, so Moore, schätze er Obamas "Anstand", den er vor allem daran festmachte, dass er trotz ständiger Angriffe Clintons über den Umweg von Obamas Pastor Jeremiah Wright einen sehr nahe liegenden Einwand nicht verwendete: Nach der Monica-Lewinsky-Affäre hatten die Clintons nämlich genau jenen Jeremiah Wright zum Zwecke des "spiritual counseling" ins Weiße Haus geholt, den Hillary Clinton jetzt als Angriffspunkt gegen Obama nutzte.

Wright war jedoch nicht die einzige Figur, mit welcher der Senator aus Illinois kritisiert wurde. Nachdem erst Clintons Wahlkampfteam und später auch Journalisten bei der Herstellung von Verbindungen zwischen dem schwarzen Kandidaten und Angstsymbolen für den amerikanischen Wähler ungewöhnliche Umwege gingen, bemerkte der Komiker Stephen Colbert, dass Obama ja auch von Ted Kennedy unterstützt werde, einem Angehörigen der katholischen Kirche, die wiederum von einem Papst geführt werde, der in der Hitlerjugend war. Das, so Colbert, könne natürlich nur eines heißen: "Obama loves Hitler!"

Gewinner der Auseinandersetzung in den letzten Wochen war nicht nur Clinton, sondern den landesweiten Umfragen zufolge auch der republikanische Kandidat John McCain, der mittlerweile daran zu arbeiten scheint, die jüngere, bisher eher Obama zugeneigte, Wählerschaft für sich zu gewinnen – unter anderem durch den Einsatz seiner Tochter Meghan, einer Art bloggenden Paris Hilton.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27785/1.html
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