Wo leben die "grünsten" Menschen?

08.05.2008

Bei einem internationalen Vergleich des Verhaltens der einzelnen Menschen schneiden Brasilianer und Inder am besten, die US-Amerikaner am schlechtesten ab

Wie umweltfreundlich sich die Menschen in ihrem Alltagsleben verhalten, ist ebenso weitgehend unbekannt wie diesbezügliche Vergleiche zwischen Ländern. Einen ersten Versuch hat nun die National Geographic Society gemacht und GlobeScan damit beauftragt, das Konsumentenverhalten der Menschen in 14 Ländern im Hinblick auf die Umwelt zu erfassen. Deutschland liegt keineswegs an der Spitze, die Menschen in den USA, kaum überraschend, belasten die Umwelt am meisten.

Umweltexperten legten für den Greendex vor, welche Verhaltensweisen für anhaltenden Umweltschutz am wichtigsten sind. Befragt wurden dann jeweils 1000 Menschen in Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Spanien, Ungarn und den USA. Die Studie soll regelmäßig wiederholt werden, um Änderungen erkenne zu können. Besonders in den Schwellenländern, die jetzt wie Brasilien und Indien noch am besten abschneiden, dürfte sich mit steigendem Wohlstand und Konsum die Umweltbelastung verstärken. Beim Greendex geht es nicht darum, welche Umwelt- und Klimapolitik die Regierungen machen, sondern wie sich die Menschen verhalten. Und wie meistens, wenn man derartige Bewertungen mit Scoring-Listen ausführt, hoffen die Auftraggeber der Studie darauf, dass sich die Bemühungen derjenigen, die schlecht abschneiden, durch den Leistungsvergleich verbessern. Eingesehen werden kann auf den Seiten des National Geographic Magazine nicht nur die Studie, wer will kann auch selbst schauen, wie er beim Greendex abschneidet.

Mit 60 von 100 Punkten schneiden allgemein Brasilianer und Inder am besten ab. Dann kommen Chinesen (56,1)n, Mexikaner (54,3), Ungarn (53,2) und Russen (52,4). Mit geringem Abstand folgen Australier, Deutsche und Briten mit jeweils 50,2, Spanier (50,0), Japaner (49,1), Franzosen (48,7) und Kanadier (48,7). Am Schluss stehen, wie gesagt, die US-Amerikaner mit 44,9.

Die Menschen in den Schwellenländern gehen nach der Studie nicht alleine wegen der größeren Armut schonender mit der Umwelt um, sie sollen sich der Auswirkungen ihres Verhaltens auf die Umwelt auch mehr bewusst sein und nehmen die Folgen von Umweltzerstörung und Klimaerwärmung ernster. Doppelt so viele Menschen verbinden hier Beeinträchtigungen der Umwelt mit gesundheitlichen Risiken als in den reichen Ländern.

Für die Umweltbilanz schlägt vor allem zu Buche, dass die Menschen in den Schwellenländern mehr zu Fuß gehen und die öffentlichen Verkehrmittel nutzen, in kleineren Wohnungen oder Häusern leben, weniger Haushaltsgeräte oder elektronische Geräte besitzen und mehr "grüne" Produkte konsumieren. Die Menschen in den reichen Ländern haben hingegen größere Wohnungen, oft auch Klimaanlagen, besitzen eigene Fahrzeuge, fahren meist alleine und nutzen die öffentlichen Verkehrmittel nur unregelmäßig. Sie kaufen kaum umweltfreundliche Produkte oder vermeiden es, umweltbelastende Produkte zu erwerben. Ganz schlecht kommen die US-Amerikaner weg, die kaum öffentliche Verkehrsmittel benutzen, zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren, oder Nahrungsmittel aus der Region kaufen. Sie haben die größten Wohnungen und, so der Bericht, kaum einer sei etwa bereit, ihren Wasserverbrauch zu reduzieren. Dir Biten und die Russen kommen hier allerdings noch schlechter weg, während die Deutschen immerhin beim Wassersparen Weltmeister sind. Zum mittelmäßigen Abschneiden der Deutschen heißt es:

Though Germans' Greendex score is in the middle of the pack, these consumers are less likely than others to say they are working hard to reduce their environmental impact. They are also less concerned about environmental problems and the environment. These findings may reflect the fact that environmental priorities were institutionalized in Germany well before most, if not all, other countries. Certain green behaviors are more standard in Germany than elsewhere and are less likely to be considered an effort.

Je nach Bereich unterscheiden sich allerdings die Ergebnisse. Im Bereich Verkehr beispielsweise wurde gefragt, wie viele ein Motorfahrzeug besitzen, wie groß es ist, wie viel damit gefahren wird, wie oft man öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad benutzt bzw. wie viel zu Fuß gegangen wird. Hier schneiden die Chinesen noch vor den Brasilianern und Indern ab, das Schlusslicht bilden die USA, weil hier die öffentliche Verkehrsmittel eine geringe Rolle spielen. Beim Wohnen wurde u.a. gefragt, wie groß die Wohnung ist, wie viele Menschen in einem Haushalt wohnen, wie geheizt oder gekühlt wird, ob in letzter Zeit auf Effizienz geachtet wurde, wie viel Wasser verbraucht wird oder ob erneuerbare Energien eine Rolle spielen. Bei den Waren ging es darum, ob beim Kauf die Folgen für die Umwelt eine Rolle spielen, ob man gebrauchte und wieder verwendbare Produkte bevorzugt, ob recycelt wird oder wie viele elektrische oder elektronsische Geräte im Haushalt sind.

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