Kreative Überwachung und Frau Zehnbauer aus Mannheim

Ernst Corinth 16.05.2008

YouTube und Co. – unsere wöchentliche Telepolis-Videoschau

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Auch wir werden ständig überwacht. Doch das Paradies für amtliche Kamerafreaks ist eindeutig Großbritannien. Geschätzte 13 Millionen Überwachungskameras soll es dort mittlerweile schon geben. Und unser Innenminister findet das angeblich so toll, dass Wolfgang Schäuble – wie Spreeblick schreibt – in Berlin "nachts von Laterne zu Laterne fährt und Polaroidkameras installiert, wobei er ,God save the Queen’ singt und lauwarmes Bier trinkt". Das sei ihm natürlich gegönnt. Obwohl sich ja dabei der Tatbestand der nächtlichen Ruhestörung mächtig aufdrängt.

Allerdings ist der Nutzen dieser Kameras nicht allzu groß, das berichtete kürzlich Heise.de So sagte vor einigen Tagen der dafür zuständige Scotland-Yard-Experte Mike Neville auf einer Tagung in London, dass Überwachungskameras die Kriminalität nicht wirklich eindämmen könnten. "Kriminelle würden sich von den Kameras nicht abschrecken lassen, sie würden davon ausgehen, dass sie eh nicht funktionieren. (...) In London würden gerade einmal drei Prozent der Verbrechen mittels Videokameras gelöst. Polizisten hätten oft keine Lust, die Aufnahmen zu durchsuchen, weil dies ,harte Arbeit’ sei." Außerdem, und das klingt logisch, wird die Sicherheit durch Videoüberwachung nur dann erhöht, wenn die Polizei schnell vor Ort ist. Und das ist leider in den seltensten Fällen der Fall.

Dennoch kann man Überwachungskameras auch sinnvoll nutzen, ja, sogar richtig kreativ. Das hat jetzt die britische Band "The Get Out Clause" bewiesen. Um die Kosten für ein Musikvideo drastisch zu senken, hat sie sich in ihrer Heimatstadt Manchester an rund 80 Orten von meist amtlichen Kameras filmen lassen. Danach forderte sie das entsprechende Bildmaterial an und produzierte daraus dann dieses Video. Und weitere Infos dazu gibt es bei Gulli.com.

Bild.de ist immer für eine Überraschung gut. Doch jetzt gelang den ausgebufften Journalisten ein echtes investigatives Kunststück:

"BILD.de fand die Anruferin! Sie heißt Christina Zehnbauer, ist 42 Jahre alt, lebt von Hartz IV in einer Arbeitersiedlung im Mannheimer Norden. Der Anruf bei der Polizei ist schon drei Jahre alt – wie er jetzt im Internet landete? Unklar. Die Mannheimer Polizei sucht gerade in den eigenen Reihen nach dem Leck."

Ein Polizeianruf aus Mannheims Oberschicht (Frau Zehnbauer)

Die Rede ist also von Frau Zehnbauer, die sich einst bei der Polizei über einen Nachbarn beschwert hat – auf unfreiwillig komische Art. Und ein Mitschnitt dieses fast schon skurrilen Gesprächs macht seit Tagen die Runde im Netz.

Dummerweise allerdings hätte Bild.de eigentlich gar nicht lange suchen müssen. Zum einen nennt die Frau in dem Telefongespräch Name und Adresse und zum anderen gab es bereits am vergangenen Mittwoch eine TV-Reportage über diesen Fall. Außerdem berichteten auch Weblogs vor Bild.de über diese Geschichte – beispielsweise hier.

Anti-Drug Dog

Zum Schluss unser Schnelldurchlauf: Eltern, die befürchten, dass ihr Sohn schwul ist, sollten sich dieses Video unbedingt anschauen. Wie lästig Anti-Drogen-Hunde sind, beweist dieser kurze Film. Und in einer Video-Nachricht berichtet FAZ.net über den "Rocket Man", den ersten fliegenden Schweizer. Dieses Video dokumentiert das "Sweetie"-Skandälchen Barack Obamas. Und den Schlusspunkt setzt MUTU, der neuste wunderbare Animationsfilm von BLU.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27932/1.html
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