US-Kongress will für 300 Mrd. USD an Hypotheken bürgen

Rainer Sommer 21.05.2008

Während der US-Bankenausschuss für Hypothekarschulden gerade stehen will, akzeptiert die Notenbank Fed neuerdings auch Kreditkarten

Das U.S. Senate Banking Committee hat sich auf Maßnahmen geeinigt, um Hauseigentümern zu helfen, die ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können. Nach dem Ausschussvorsitzenden, dem demokratischen Senator Christopher Dodd, und dessen republikanischen Kollegen Richard Shelby sollen Hypotheken im Volumen von bis zu 300 Mrd. USD nun öffentlich garantiert werden, was rund 500.000 Eigenheimbesitzer den Wohnsitz erhalten soll.

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Voraussetzung für die staatliche Garantie wird sein, dass die Hypothek auf eine selbst genutzte Wohnimmobilie läuft, und der Kreditgeber sich bereit erklärt, den aushaftenden Betrag auf 85 Prozent des aktuellen Marktwertes der Immobilie abzusenken. Anders als einer zuvor vom Senat vorgelegten und vom US-Präsidenten bereits abgelehnten Regelung, die 1,7 Mrd. USD an Regierungsgeldern vorsah, sollen die Mittel dafür laut Dodd nun von einem "affordable housing fund" kommen, den - sofern der Präsident kein Veto einlegt - die gigantischen, staatlich gesponserten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac finanzieren sollen, die bereits jetzt rund 80 Prozent aller US-Hypotheken finanzieren.

Beherzte Maßnahmen scheinen in der Tat dringend erforderlich, so waren die Zwangsübereignungen von Wohnimmobilien laut RealityTrac im März gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 54 Prozent angestiegen. Noch dramatischer erscheint, dass gleichzeitig die Inbesitznahmen von Eigenheimen durch die finanzierende Bank um 129 Prozent angestiegen sind. Die Differenz dürfte sich daraus ergeben, dass viele Hauseigentümer einfach den Schlüssel an die Bank schicken und verschwinden, ohne dass eine gerichtliche Übereignung erfolgt. Die Gläubiger ersparen sich dabei den langwierigen Übereignungsprozess und müssen vorerst nur die Differenz zwischen Immobilienmarktpreis und Hypotheken abschreiben, die Schuldner erhalten dadurch einen weniger gravierenden Eintrag in ihrer Kreditwürdigkeitsbewertung als bei einer Zwangsübereignung.

Wie der Chef-Risikomanager von Wachovia, einer der zehn größten Banken der USA erklärte, geschehe dies derzeit weitgehend unabhängig von der Zahlungsfähigkeit des Schuldners, sondern hänge praktisch ausschließlich vom Verhältnis von Marktpreis und Hypothekenhöhe ab.

Allerdings zeigen sich vereinzelt auch schon Anzeichen für eine Bodenbildung am Immobilienmarkt, allerdings erst am untersten Ende des Angebots, wo nun private Schnäppchenjäger und spezialisierte Fonds zuschlagen und die Preise anscheinend etwas stabilisieren. So meldet DataQuick Information Systems, dass die Eigenheimumsätze im San Diego County im April gegenüber dem Vormonat um 33 Prozent angestiegen sind und sich auch die Durchschnittspreise wieder geringfügig erhöht hätten.

Um die ebenfalls ausufernden Kreditkartenschulden kümmern sich die US-Notenbank Fed und die Regierung bereits jetzt sehr intensiv. So stellte die Fed Anfang Mai neue Regeln für den fairen Umgang mit Kreditkarten und Kontoüberziehungen vor, die einige der banküblichen Kosten- und Spesenmaximierungen untersagen. Das ausstehende Volumen will die Notenbank aber offenbar nicht reduziert sehen, vielmehr erleichtert sie den Banken weitere Kreditvergaben. Denn seit Anfang Mai erlaubt die Fed den Banken und Brokern, die aus diesen Kreditkartenschulden produzierten marktgängigen Wertpapiere ("Asset-backed securities") bei der Notenbank zu diskontieren - also zum niedrigen Diskontsatz zu refinanzieren -, sofern sie von einer Ratingagentur mit einem guten AAA/Aaa Rating ausgestattet sind. Dabei verzichtet sie auf die an den privaten Märkten derzeit üblichen hohen Abschläge ("Haircuts").

Die Regierung verteilt zudem seit Anfang Mai 105,7 Mrd. USD an Steuerschecks, die jedem US-amerikanischen Steuerzahler mit weniger als 75.000 USD Jahreseinkommen 600 Dollar auszahlen, Familien bekommen jeweils 1.200 Dollar und für jedes Kind nochmals 300 USD. Davon dürfte nur knapp ein Viertel tatsächlich in den Konsum fließen, der Rest wird Umfragen zufolge für höhere Energie- und Lebensmittelpreis ausgegeben oder zur Verringerung von Kreditkartenschulden verwendet - was dringend erforderlich ist, denn seit dem letzten Steuerscheck im Juni 2001 ist die private Verschuldung im Schnitt um 85 Prozent gestiegen.

Der starke monetäre Stimulus der letzten Monate dürfte jedenfalls funktioniert haben. Zwar kann eine übermäßige Expansion der breiten Geldmenge M3 nicht mehr unmittelbar beobachtet werden, weil die Fed die Daten seit zwei Jahren nicht mehr veröffentlicht. Aber immerhin errechnet die St. Louis Fed, die bis vergangenes Jahr vom überzeugten Monetaristen William Poole geführt wurde, ein Geldmengenaggregat, das einigen Aufschluss über die tatsächlich umlaufende Geldmenge gibt: Money of Zero Maturity (MZM), also alle unmittelbar flüssigen Geldformen. Technisch definiert entsprich MZM der Geldmenge M2 ohne "Time Deposits" (Anlagen mit Bindungsfrist), dafür aber mit allen Geldmarktfonds, liquiden börsennotierte Fonds, die ungefähr mit dem Leitzins rentieren und in denen Fondsmanager für gewöhnlich ihre Liquidität parken.

So wie M3 ist MZM bereits in den 13 Jahren nach 1995 mit jährlich durchschnittlich um 8,9% und somit ziemlich stark angestiegen, hatte das nominelle Wirtschaftswachstum im Schnitt doch nur 5,25 Prozent betragen. Wirklich dramatisch angestiegen ist MZM aber seit Anfang 2008 - in den drei Monaten vor dem 21. April mit einer Jahresrate von 28,7 Prozent -, was vor allem damit zusammenhängen dürfte, dass sich die großen Kapitalsammelstellen derzeit weltweit in Warteposition befinden und ihre Mittel in Geldmarktfonds parken.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27966/1.html
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