Verlässliches Latino-Votum

Peter Mühlbauer 02.06.2008

Hillary Clinton siegt bei den Vorwahlen in Puerto Rico, während Obama und McCain bereits um die Swing States im Westen kämpfen

Die von den USA im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 besetzte Karibikinsel Puerto Rico ist kein Bundesstaat der USA. Zwar verfügen die dort geborenen Einwohner über die amerikanische Staatsbürgerschaft, bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst haben sie jedoch ebenso wenig ein Stimmrecht wie der gewählte Repräsentant der Insel im amerikanischen Kongress.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Allerdings dürfen sie sich an den Vorwahlen beteiligen und 55 Delegierte mit Stimmrecht zur National Convention entsenden. Der deutliche Sieg Clintons in der Hochburg des Reggaetón war erwartet worden: 93 Prozent der Puertoricaner sprechen Spanisch als Muttersprache und zählen damit trotz eines deutlich afrikanischen Einschlags zu einer Gruppe, die weit eher Clinton als Obama zuneigt: Während der diesjährigen Vorwahlen stimmten "Latinos" etwa im Verhältnis 2:1 für sie.

Obama hatte den Wahlkampf auf der Insel weitgehend Hillary Clinton überlassen, die sich dafür von Willie Colon den Song "Hillary Clinton pa presidenta" schreiben ließ. Stattdessen bereiste der Senator aus Illinois die gleichzeitig von McCain beackerten Bundesstaaten New Mexico, Nevada und Colorado.

Ehemals fest in republikanischer Hand entwickelten sich diese drei Bundesstaaten vor allem durch demographische Faktoren wie den Zuzug von Rentnern und Mexikanern zu Swing States, in denen beide Parteien Chancen auf Mehrheiten sehen. Vor vier Jahren gewann George W. Bush die drei Staaten mit knappem Vorsprung – hätte John Kerry dort zusätzliche Mehrheiten erreicht, dann wäre er Präsident geworden.

In New Mexico trat Obama zusammen mit Gouverneur Bill Richardson auf, einem Halblatino und heißen Anwärter auf den Posten des Vizepräsidenten. McCain, der seinen Wahlkreis in Arizona hat, versuchte mit seiner Kenntnis der speziellen Probleme dieser Bundesstaaten zu punkten. Im Besonderen sprach er dabei die Wasser- und Energieversorgung an. Seiner nicht bei allen Bewohnern Nevadas beliebten Befürwortung eines Atommüllendlagers in Yucca Mountain versuchte er dadurch ein Gegengewicht zu setzen, dass er sich für großflächige Sonnenenergieprojekte in dem Wüstenstaat aussprach.

Was die Einwanderungspolitik angeht, so wirkt seine Position mittlerweile ähnlich schwer greifbar: Während er sich anfangs bei den Latino-Wählern mit einer lockeren Haltung gegenüber seinen republikanischen Konkurrenten profilierte, spricht er nun zunehmend von der Notwendigkeit einer besseren Grenzsicherung.

Wackliger Kompromiss zum Stimmrecht der Delegierten aus Florida und Michigan

Am Tag vor der Wahl in Puerto Rico entschied das dreißigköpfige Rules and Bylaws Committee der Demokratischen Partei, dass die Stimmen der insgesamt 368 Delegierten aus Florida und Michigan zur Hälfte gezählt werden. In beiden Bundesstaaten hatte Clinton die Vorwahlen gewonnen. Allerdings war Obama in Michigan nach einer Übereinkunft aller Kandidaten, dort aufgrund einer nicht genehmigten Vorverlegung des Termins keinen Wahlkampf zu betreiben, gar nicht angetreten.

Die Folge war, dass Clinton dort zwar gewann, aber 40 Prozent der Stimmen an "uncommitted" gingen. Aus diesem Grund entschied sich das Gremium, Obama auch auf Kosten seiner Konkurrentin einen fiktiven Stimmanteil aus der Michigan-Wahl zuzuschlagen. Clintons Sprecher Harold Ickes kündigte auf CNN an, dass die Kandidatin gegen diese Entscheidung möglicherweise noch beim Credentials Committee Widerspruch einlegen werde, das kurz vor dem Nominierungsparteitag im August die endgültige Zusammensetzung der Delegierten absegnen muss.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28040/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS