Ein sommerliches Netzmärchen

Ernst Corinth 10.06.2008

Die gute Nachricht: Es gibt noch gute Nachrichten!

Manchmal beginnt eine gute mit einer schlechten Nachricht: Im März 2007 erfuhr der damals 45-jährige Michael, dass er Prostatakrebs hat. Eine Operation war sinnlos, da sich bereits Metastasen gebildet hatten. Andere Therapien hatten danach auch keinen Erfolg. Michael gilt, wie es so unschön heißt, als "austherapiert".

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Dennoch geben er und seine Frau Andrea den Kampf gegen den Krebs nicht auf. Und derzeit macht Michael eine "experimentelle Immuntherapie mit dem Newcastle Disease Virus und dendritischen Zellen in Kombination mit Hyperthermie. Diese Therapie kostet ca. 18.000 Euro und wird bisher nicht von der Krankenkasse übernommen", schreibt seine Frau auf der Netzseite 18.000 mal Hoffnung.

Die eben erwähnte Website ist erst seit gut zehn Tagen online. Und sie erfüllt einen einzigen Zweck: Geld für die teure Therapie zu sammeln. Dazu schreibt Andrea am 21. Mai in ihrem Weblog:

Es wurden Optionen abgecheckt, woher man diese horrende Summe nehmen könnte. Ein Antrag bei der Krankenkasse ist in Arbeit und die Familie wollte auch mal die Sparstrümpfe durchforsten, man könnte es u.U. über lange Zeit abzahlen und zusätzlich an die eigenen mageren Ersparnisse gehen. Und dann wurde sie geboren, diese Idee, nachts um zwei: Wenn viele Leute ein paar Euro geben, dann schmerzt sie das nicht im Geldbeutel und uns wäre so sehr geholfen! Und im Nullkommanix fanden sich viele fleißige und so hilfreiche Hände, die uns ohne zu zögern die Zusage gaben, uns bei diesem Projekt tatkräftig zu unterstützen.

Sechs Tage später ging die Netzseite dann online – dank der Unterstützung von Freunden und Bekannten, von einer Web-Designerin und von Michaela Pelz vom krimi-forum.de, die die Texte redigierte und versuchte, die Seite im Netz bekannt zu machen. Mit wirklich überraschenden Erfolg: Schnell gingen die ersten Spenden ein unter anderem von Pia, die dazu Andrea das Folgende schrieb:

1 Euro aus meiner Tasche, für den Versuch einen Menschen zu retten Ok den kannst du haben, weil diesen Euro hab ich mir heute gespart.
Ich hab mir heute zur Feier des Tages kein Bier gekauft 2,50
Ich hab heute keine Zigaretten gekauft..sicher 5,00
und ins Kino geh ich heute auch nicht 7,00
Ja das hätte ich heute alles machen können, hab mir da was gespart; Michael, wenn ich dich auch nicht kenne, vielleicht machst du was Besseres daraus.

Geld gab es auch von prominenter Seite: beispielsweise von den Wise Guys, eine bekannte deutsche A-cappella-Gruppe. Und bereits am 3. Juni betrug der Spendenstand mehr als 13.000 Euro. Nur drei Tage später war die Grenze von 18.000 Euro erreicht. Gespendet hatten bis zu dem Tag insgesamt 482 Menschen. Und euphorisch schreibt:

Wir sind platt. Heillos euphorisch. Dauerelektrisiert. Und froh. So froh, weil wir etwas gelernt haben aus dieser Aktion: Die Welt ist nicht so schlecht, wie man gemeinhin denkt. Es gibt sie, die Menschen, die Anteil am Schicksal eines Einzelnen nehmen. Wildfremde Menschen und natürlich auch Freunde, die aufbauende Worte schicken. Worte, und damit Hoffnung.

Der aktuelle Spendenstand beträgt rund 21.000 Euro. Das überschüssige Geld wollen Andrea und Michael übrigens selber spenden an den Ambulanten Kinderhospizdienst in ihrer Heimatstadt Köln. Und diese Geschichte klingt so unglaublich, dass man sie wohl ganz zu Recht ein sommerliches Netzmärchen nennen darf.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28100/1.html
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