Dritte Atompanne in Frankreich

Ralf Streck 22.07.2008

Beim dritten Unfall in nur zwei Wochen sind 15 Menschen radioaktiv belastet worden

In Frankreichs Atomanlagen kommt es immer öfter zu Pannen. Schon zum dritten Mal in zwei Wochen kam es am Freitag zu einem Zwischenfall. Dabei wurden bei 15 Mitarbeitern im Atomkraftwerk Saint-Alban/Saint-Maurice "leichte Spuren" einer Verstrahlung festgestellt, gab der Betreiber, der große Stromkonzern EDF, am Montag zu.

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Das an der Rhone gelegene Atomkraftwerk Saint-Alban/Saint-Maurice. Bild: EDF

Die EDF reagiert erst auf einen Bericht der Lokalzeitung Le Dauphiné Libéré. Die Zeitung hatte am Montag von der Kontaminierung von 15 Mitarbeitern berichtet. Die gehörten Fremdfirmen an und sie sei nach Wartungsarbeiten bei der Routinekontrolle festgestellt worden. Wie es zu der Verstrahlung in dem Atomkraftwerk unterhalb von Lyon im Südosten des Landes gekommen ist, müsse noch untersucht werden, erklärte die EDF. Die Kontamination sei aber ohne gesundheitliche Konsequenzen für die Beschäftigten geblieben. Die 15 Betroffenen seien nach einer Untersuchung durch den Gesundheitsdienst des Atomkraftwerks nach Hause geschickt worden. Eine weitere Behandlung sei nicht nötig.

Wie in Spanien häufen sich auch die Zwischenfälle in französischen Atomanlagen. Nur zehn Tage nach dem Unfall in Tricastin, bei dem uranhaltige Flüssigkeit in zwei Flüsse gelangte und unter der Anlage versickerte, den die Betreiber fast einen Tag lang geheim hielten, wurde erst letzte Woche eine weitere Schlamperei bekannt. Bei einer Fabrik zur Herstellung von Brennstäben in Romans-sur-Isère (bei Grenobel), die ebenfalls zur Areva-Gruppe gehört und sich im gleichen Departement befindet, war durch ein seit Jahren undichtes Kanalisationsrohr Uran ausgelaufen. Die Aufsichtsbehörde Autorité de sûreté (ASN) stellte Unregelmäßigkeiten fest und stufte den Vorfall auf der INES-Skala mit 1 ein. Der neue Vorfall in Saint-Alban/Saint-Maurice wurde bisher nicht eingestuft.

Die Störfallserie bringt sogar viele Menschen im eigentlich atomfreundlichen Frankreich zum Nachdenken und stört Präsident Nicolas Sarkozy dabei, die Renaissance der Atomkraft auf den Weg zu bringen (Proteste gegen Sarkozys Atom-Renaissance in Paris). Die Pannen werden inzwischen nicht mehr als Nebensache in den Medien behandelt. So nahm heute auch der Figaro die Meldung der Regionalzeitung auf und verschaffte ihr somit internationale Beachtung. Der Umweltminister Jean-Louis Borloo kündigte an, er wolle bis zum Herbst alle französischen Atomanlagen überprüfen. Auch das Grundwasser soll untersucht werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28383/1.html
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