"Künstliche Telepathie"

Florian Rötzer 19.08.2008

US-Wissenschaftler sollen für das Pentagon eine Kommunikationstechnik zum Gedankenlesen entwickeln

Nicht nur die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, will mit manchmal durchaus exotischen, jedenfalls gerne futuristischen Projekten technische Avantgarde sein und die militärische Überlegenheit der USA sichern, auf ähnlichen Spuren geht derzeit auch das U.S. Army Research Office und hat vier Millionen in einen Forschungsauftrag investiert, bei dem es letztlich darum geht, die Gedanken von Menschen lesen zu können.

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Angeblich wollen die Wissenschaftler an der University of California, Irvine, der Carnegie Mellon University und der University of Maryland ein System für "künstliche Telepathie" entwickeln, um in der Lage zu sein, mit Soldaten mit Kopfverletzungen oder Patienten, die etwa aufgrund eines Schlaganfalls nicht mehr sprechen können, zu kommunizieren. Geplant ist, Hirnwellen mit einem weiter entwickelten EEG oder mit einer anderen nichtinvasiven Gehirn-Computer-Schnittstelle abzunehmen, um so mit einem automatischen Spracherkennungsprogramm abzulesen, was eine Person denkt und an wen sie sich richtet.

Ein solches System, so Michael D’Zmura, der Leiter des Instituts für Kognitionswissenschaften an der UCI und des von der Army geförderten Projekts, setzte allerdings voraus, dass jeder, der es zum Senden und Empfangen benutzen will, vorher intensiv trainiert werden muss. Erst einmal würde man sich auf einfache Worte und Sätze beschränken, um das System später komplexer zu machen. Um das System selbst zu trainieren, sollen Versuchspersonen mit einer EEG-Kappe Wörter denken, die ihnen die Wissenschaftler vorgeben, um so deren Gehirnaktivität zu analysieren.

Man sei noch weit davon entfernt, dämpft D'Zmura mögliche Erwartungen, erkennen zu können, was jemand spontan denkt. Man werde das System auch niemals dazu benutzen können, um die Gedanken einer Person zu lesen, die nicht aktiv kooperiert.

Sollte es aber prinzipiell möglich sein, durch die Abnahme von Gehirnimpulsen herauszukriegen, was eine Person denkt, auch wenn diese nicht kooperiert, wäre dies für Polizei, Geheimdienste und Militär, aber auch für Aufständische und Kriminelle eine wirkliche Wunschmaschine. Noch seien die Techniken zum Scannen des Gehirns weit entfernt davon, als forensische Mittel verwendet zu werden (Ein Gehirnscan als Lügendetektor), warnte die US-Bürgerrechtsorganisation bereits vor zwei Jahren, aber sie werden "unweigerlich missbraucht und falsch verstanden", wenn sie zum Einsatz kommen (Gehirn-Scans in der Strafverfolgung?).

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28549/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Computer liest Gedanken - fast

Kann man an der Gehirnaktivität eines Menschen ablesen, woran der gerade denkt? US-Forscher haben den ersten Schritt dorthin per Software gelöst

Gedankenlesen

Pionierarbeit der Hirnforschung

Lauschangriff auf das Gehirn

Wie weit können wir in die menschliche Gedankenwelt vordringen und ist ein Datenschutz für das Gehirn erforderlich?

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS