Wildern im christlichen Paralleluniversum

Peter Mühlbauer 25.08.2008

Auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten ist vieles an die Adresse religiöser Wähler gerichtet

Leah D. Daughtry, die Chefin des Nominierungsparteitages der Demokraten, ist Pastorin einer Pfingstkirche und steht dem Faith-in-Action-Team vor, das nach dem extrem schlechten Abschneiden bei religiösen Wählern vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde. Ihr zufolge ist die Demokratische Partei eine von "gläubigen Menschen", was der heute beginnende Parteitag "in einer noch nie da gewesenen Weise" bestätigen soll.

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Dafür gibt es unter anderem den "Faith Caucus" mit Gästen wie dem ehemaligen Mitt-Romney-Unterstützer Douglas W. Kmiec, dem ein katholischer Priester die Kommunion verweigerte, weil er öffentlich für den "Abtreibungsbefürworter" Obama eintrat, Jennifer Kottler von den "Protestants for the Common Good", und einem Bischof namens Wilfredo DeJesus. Im "Faith Caucus" sollen unter anderem Diskussionen darüber stattfinden, wie eine Obama-Regierung "moralische Anliegen" außerhalb Amerikas durchsetzen könnte.

Jeder Tag der "National Convention" wird mit einem Bittgebet beginnen und mit einer Segnung enden. Auch dafür konnten die Demokraten eine ganze Reihe von einflussreichen Persönlichkeiten des religiösen Lebens gewinnen: So beten und segnen unter anderem die Afroamerikanerin Cynthia Hale von der Ray of Hope Christian Church in Georgia, die koreanischen Methodisten Jin Ho Kang und Young Sook Kang, der griechisch-orthodoxe Erzbischof Demetrios aus New York, Rabbi David Saperstein, der Direktor des Religious Action Center of Reform Judaism, und Joel Hunter, ein protestantischer Prediger mit einem Augenmerk auf Umweltthemen.

Dabei wurde offenbar sorgsam darauf geachtet, nicht nur den Demokraten ohnehin nahe stehende Personen einzuladen, sondern auch solche, die so etwas wie "Wandel" verkörpern: die 86jährige katholische Nonne Catherine Pinkerton etwa, sagte öffentlich, dass sie ihr Lebtag lang noch keine Partei unterstützt habe, jetzt aber von Barack Obamas "Vision" so begeistert sei, dass sie einwilligte, den Segen auf dem Parteitag zu sprechen. Allerdings ist auch Pinkerton, die sich seit vielen Jahren für Änderungen im Welthandel einsetzt, bei weitem nicht der größte Christenfisch, den die Demokraten an Land ziehen konnten:

Als dieser gilt der evangelikale Prediger Cameron Strang. Nachdem die Ankündigung, dass auch er ein öffentliches Gebet auf dem Parteitag sprechen werde, ein großes Medienecho hervorrief, betonte der 32jährige, dass sein Erscheinen keine Wahlempfehlung sei und wandelte seine Bereitschaft zum Sprechen des Segens in eine Faith-Caucus-Teilnahme um. Trotzdem wechselte er in der letzten Woche vom eingetragenen Republikaner zum unabhängigen Wähler. In seinem Blog schrieb er, dass beide Seiten auf manchen Gebieten richtig und auf anderen falsch lägen und er noch unentschieden sei, wen er im November wählen werde.

Strang ist Herausgeber des Relevant Magazine, das als Zentralorgan eines "jüngeren" Evangelikalismus gilt. Die Themen bewegen sich zwischen Rezensionen dessen, was auch hier die Musik- oder Filmmagazine bestimmt und einem Europäern weitgehend unbekannten popkulturellen Paralleluniversum mit christlichen Bands wie Jars of Clay, Waterdeep und Dawn Xiana Moon. Autoren sind unter anderem Don Miller ("Prayer and the Art of Volkswagen Maintenance"), Rob Bell, der das Buch "Sex God: Exploring the Endless Connections between Sexuality and Spirituality" schrieb, und der kalifornische Prediger Richard D. Warren, der die nominierten Kandidaten der beiden Parteien unlängst zum ersten Streitgespräch in seiner Kirche zusammenbrachte.

Strang ist in Orlando, im wichtigen Swing State Florida ansässig, wo sein Vater Steven ein evangelikales Verlagsimperium aufbaute. Strang Senior, ein ausgesprochener Unterstützer Mike Huckabees, wandte sich nach dessen Ausscheiden McCain zu.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28581/1.html
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