Schiffsflotte zur Abkühlung der Klimaerwärmung

Florian Rötzer 01.09.2008

Wissenschaftler schlagen Schiffe mit Flettner-Rotoren vor, die Meereswasser in die Luft sprühen, um die Albedo-Wirkung der Wolken zu erhöhen und so die Folgen der CO2-Emissionen zu kompensieren

Wenn sich durch die steigenden CO2-Emissionen das irdische Klima aufheizt, dann ließe sich das kompensieren, wenn es größere Wolkenflächen gebe, die das Sonnenlicht durch den Albedo-Effekt reflektieren und so eine Abkühlung bewirken. Man kann berechnen, welche Wolkenflächen notwendig wären, um beispielsweise eine Verdopplung der CO2-Werte in der Atmosphäre seit der Industrialisierung auszugleichen. Dazu müsste die Albedo global um 1,2 Prozent zunehmen, was 2.000 Terawatt entsprechen würde. Wie sich das technisch bewerkstelligen ließe, führen Stephen Salter und Graham Sortino von der University of Edinburg und John Latham vom National Center for Atmospheric Research in Boulder in einem Artikel aus, der gerade in den Philosophical Transactions of The Royal Society A erschienen ist.

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Die Idee der Wissenschaftler ist ein Geoengineering-Projekt, das auf fernsteuerbare Flotten von Segelschiffen basiert, die die Meere durchkreuzen und dabei Wasserdampf in die Luft sprühen. Die winzigen salzhaltigen Tröpfchen steigen zu den existierenden Wolken auf, werden zum großen Teil von diesen aufgenommen und vergrößern so die weiße Wolkenfläche, die die Sonnenstrahlen reflektiert.

Die Schiffe, die sich die Wissenschaftler vorstellen und zwischen einer und zwei Millionen Euro kosten sollen, werden von einigen Flettner-Rotoren angetrieben. Die senkrecht stehenden, 20 Meter hohen Zylinder mit einem Durchmesser von 2,4 Meter benötigen einen Antrieb zum Rotieren. Dort, wo der Wind auf den rotierenden Zylinder trifft, entsteht eine schnellere Strömung, während er auf der rückwärtigen Seite abgebremst wird. Der dadurch entstehende Überdruck erzeugt einen Schub nach vorne. Mit der Bewegung im Wasser werden Turbinen unter der Meeresoberfläche angetrieben, die Strom produzieren, um damit die Rotoren zu betreiben sowie das Wasser aus dem Meer zu pumpen und die mehrfach gefilterten winzigen Wassertröpfchen, die nicht größer als ein Mikron sein dürfen, in die Luft zu sprühen.

Man könne die Wassertröpfen unter Wolken, aber auch "unintelligent" oder zufällig unter wolkenfreiem Himmel sprühen, sagen die Wissenschaftler. Am effektivsten würden Flotten solcher Schiffe dort sein, wo es eine starke Sonneneinstrahlung, niedrige Stratocumulus-Wolken und zuverlässig wehende, aber nicht zu starke Winde gibt. Der Schiffsverkehr sollte gering sein, auch Eisberge sind nicht erwünscht. Wichtig sei auch, dass es saubere Luft gibt, die Schiffe müssten also weit entfernt von Winden sein, die vom Land Schmutz oder Staub transportieren. Gut seien Meeresströmungen, die in die Arktis gehen, weil dann dort das weitere Abschmelzen aufgehalten werden könnte. Und man könnte die Schiffsflotten je nach Jahreszeiten verlagern.

Mit der Investition von ein paar Millionen und weiterer Forschung könnten nach Ansicht der Wissenschaftler die ersten funktionsfähigen Prototypen innerhalb von 5 Jahren gebaut sein. Und dann wären etwa 1.500 solcher Schiffe notwendig, um die Temperatur konstant zu halten, wenn die CO2-Werte in der Atmosphäre nicht reduziert werden. Eine Flotte vo 50 Schiffen könnte die durch CO2-Emissionen verursachte Erwärmung eines Jahres kompensieren. Man müsse auch gar nicht gleich das globale Klima angehen, sondern könne die Schiffe auch lokal für gefährdete Regionen wie die Arktis oder Korallenriffe zur Abkühlung einsetzen. Als Nebeneffekt könnte sogar die Zahl und Stärke der Wirbelstürme abnehmen und die für das Leben des Phytoplanktons geeigneten Meeresflächen erweitert werden.

Die meisten Folgen der vorgeschlagenen Technik zur Abkühlung dürften erwünscht oder harmlos sein, mutmaßen die Wissenschaftler, aber man sollte schon genau prüfen, welche Nebenwirkungen die Abkühlung oder Kontrolle der Temperatur der Meeresoberfläche hat. Gegenüber anderen Geoengineering-Vorschlägen hat dieses Projekt immerhin den Vorteil, dass das Experiment nicht nur lokal getestet werden könnte, sondern es sich auch einfach abschalten lassen würde.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28625/1.html
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