Söldner in Venezuela spielen

Peter Mühlbauer 03.09.2008

Morgen erscheint das umstrittene Computerspiel Mercenaries 2 – World in Flames

Mercenaries 2 ist – wie der Name schon sagt - der Nachfolger von Mercenaries: In diesem Spiel musste man als Söldner der Firma ExOps (angelehnt an Executive Outcomes) in Nordkorea die Welt retten, indem man Personen aus einem Most-Wanted-Schurken-Kartenspiel beseitigte. Je nach Bedarf konnte (beziehungsweise musste) man dazu mit anderen bewaffneten Gruppen zusammenarbeiten - darunter Einheiten der UN (im Spiel AN für "Alliierte Nationen") und der Russenmafia. Der morgen erscheinende Nachfolger erregte bereits im Vorfeld viel Aufmerksamkeit weil sich Politiker aus Venezuela darüber beschwerten, dass in dem Spiel eine Invasion in ihrem Land simuliert werde.

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So sprach etwa der Abgeordnete Ismael Concepción Garcia davon, dass die US-Regierung schon wisse, wie sie mittels "Psychoterror-Kampagnen" reale Ereignisse vorbereiten könne und seine Kollegin Gabriela Ramirez winkte mit der Möglichkeit eines Verbots des Spiels via Jugendschutzvorschriften.

Pandemic bestritt energisch, dass das Spiel die amerikanische Jugend auf eine Invasion vorbereiten solle und sprach von "purer Unterhaltung." Greg Richardson, ehemals Vizepräsident der Firma, betonte, dass es keinerlei Verbindungen des Unternehmens zur Regierung gebe. Was allerdings, wie leicht festzustellen war, nur bedingt der Wahrheit entsprach: Das Spiel "Full Spectrum Warrior - Army Training" bewirbt die Firma nämlich damit, dass es als Infanterietrainingssimulator für den Einsatz in der US Army entworfen worden sei.

Mercenaries 2 lässt sich mit drei Söldnern spielen: Jennifer Mui, die aussieht wie Lara Croft, Mattias Nilsson, optisch eine Mischung aus Fußballspieler und Fernsehkoch, sowie Chris Jacobs, einem Hip-Hop-Fan. Das Spiel beginnt im August 2010. Die Motive des vom Spieler gewählten Söldners sind vor allem persönlicher Natur: Rache und – wenn man so will – die Durchsetzung einer "angemessene Vertragsstrafe" für die Nichteinhaltung einer Zahlungsverpflichtung. Beides betrifft eine Figur namens Ramon Solano, die sich in Venezuela an die Macht putschte und die dortigen Ölvorräte unter seine Kontrolle brachte. Solano schuldet dem Söldner des Spielers noch Geld aus einem Auftrag und hat außerdem versucht ihn zu töten.

Anders als im ersten Mercenaries-Spiel geht es im zweiten nicht um Massenvernichtungswaffen, sondern um Öl. Um dessen Kontrolle ringen unter anderem eine Guerillagruppe namens PLAV ("People's Liberation Army of Venezuela), die Söldnerarmee der "United Petroleum", die Rastafarian Pirates, eine Berufsverbrechergruppe, die chinesische Volksbefreiungsarmee und die AN. Sie liefern dem Söldner Aufträge, mit denen er Geld verdienen und seinem Racheziel näher kommen kann. Mit diesen Aufträgen kann der Söldner auch einen Ruf bei einer der beiden Fraktionen aufbauen – und ihn im Gegenzug bei der anderen schädigen.

Spieler haben auch die Möglichkeit, selbst Söldner anzuheuern: Zur Auswahl stehen die Mechanikerin Eva Navarro, der Hubschrauberpilot Ewan und der Bomberpilot Mischa. Ebenfalls nützlich für die Durchführung der Aufträge sind Autos, Motorräder, Boote, Lastwagen, Panzer, Hubschrauber und Kampfbomber. Auch Hubschrauber können – was recht putzig aussieht – in GTA-Manier im Flug gehijackt werden. Waffen sind teilweise mühselig zu besorgen - theoretisch steht jedoch ein eindrucksvolles Arsenal zur Verfügung. Damit lässt sich kolossal viel Kollateralschaden anrichten, was einen der Kernreize des Spiels ausmacht. EA wirbt deshalb mit einer "komplett zerstörbaren Welt".

Man kann das Spiel als Propaganda gegen den venezoelanischen Präsidenten Hugo Chavez lesen, wenn man will (auch wenn Chavez sein derzeitiges Amt nicht einem Putsch, sondern demokratischen Wahlen verdankt und die Spielfigur eher an Augusto Pinochet erinnernt). Es lässt sich auch dann mit großem Vergnügen spielen, wenn man in der Realität gegen amerikanische Eingriffe ist.

Man kann auch die Tatsache, dass es in Mercenaries 2 nicht um eine edle "Humanitäre Intervention" geht, sondern um Motive wie Rache, Geld und die Kontrolle von Bodenschätzen, als Akt politischer Aufklärung sehen. Oder die im Spiel thematisierte gewaltsame Durchsetzung von Zahlungsansprüchen als Motivation für entlassene Arbeitnehmer insolventer Unternehmen, sich bei eigenen Forderungen weniger von Regeln zurückhalten zu lassen. Und man kann, wie Politiker in aller Welt, auch allzu schlichten Medienwirkungstheorien aufsitzen.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28640/1.html
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