Poes Pym: Vom Plagiat zum Schlüsselwerk

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Wenigstens war die Welt klug genug, sich nun auch mit Poe zu beschäftigen. Wenn die Franzosen von diesem Autor so begeistert waren, dachte man sich in anderen Ländern, dann musste etwas dran sein an seinen Texten. In den 1950ern setzte sich diese Erkenntnis auch in den USA durch, wo man Poe in Literaturgeschichten bis dahin als Kuriosität gehandelt und Pym höchstens beiläufig erwähnt hatte. Inzwischen gilt Die Geschichte des Arthur Gordon Pym als ein Schlüsselwerk in Poes Oeuvre. Und es ist längst üblich, regelmäßig auf die Verdienste hinzuweisen, die sich Charles Baudelaire um seinen Lieblingsautor erworben hat. Baudelaire kann es deshalb verschmerzen, wenn hier noch erwähnt wird, dass er seinen ersten großen Artikel über Poe abgeschrieben hat. "Edgar Allan Poe, sa vie et ses ouvrages" (1852) besteht im Wesentlichen aus den Übersetzungen von zwei Artikeln, die im November 1849 bzw. im März 1850 im Southern Literary Messenger erschienen waren. Baudelaire veröffentlichte sie unter seinem eigenen Namen, weil er nicht zugeben wollte, dass er zu diesem Zeitpunkt erst einen verhältnismäßig kleinen Teil von Poes Werken gelesen hatte.

Abschreiben tut eben (fast) ein jeder. Auch Poe. Ihm ist allerdings das Kunststück gelungen, aus einem Roman, der zu einem Drittel aus direkten Übernahmen oder Paraphrasen der Texte anderer Autoren besteht, ein ganz und gar originelles und sehr persönliches Buch zu machen. Das kann man nur bewundern. Dieser Meinung waren auch Herman Melville, Robert Louis Stevenson, Jules Verne, H.G. Wells, Joseph Conrad, H.P. Lovecraft, Vladimir Nabokov und Thomas Pynchon. Sie alle haben von der Geschichte des Arthur Gordon Pym abgeschrieben oder, sagen wir es freundlicher, sich von ihr inspirieren lassen. Das ist ein schönes Kompliment.

Eine vollständige Neuübersetzung der Geschichte des Arthur Gordon Pym von Hans Schmid erscheint in diesem Herbst beim Mare Verlag. Mit Anmerkungen, Angaben zu Poes Quellen und einem Dossier.

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