Das Osama-Wunder

11.09.2008

Ein Zwischenruf zum Jahrestag

Sieben Jahre nach den Terroranschlägen des 11.9. 2001 kann jede Bilanz über die Aufklärung der Verbrechen nur deprimierend ausfallen: Kein Verantwortlicher wurde bis heute vor einem ordentlichen Gericht zur Rechenschaft gezogen, der Bericht der von US-Regierung eingesetzten "9/11-Commission" (Harry Plotter und die Teppichmesser des Schreckens) war ein Report der Omissions (Auslassungen), der selbst grundlegende Fragen wie die wahre Identität der "Hijacker" im Dunkeln ließ, die Schauprozesse in Guantanamo sind eine kriminelle Farce und nichts deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen dieser Nicht-Ermittlung und Nicht-Aufklärung gestoppt werden könnten und eine neue, unabhängige Ermittlung stattfinden wird.

Dass die Echokammern der Großmedien, die eine Stunde nach den Einschlägen "Bin Laden" als Täter in die Welt setzten, dieses Mantra bis heute faktenfrei und recherchelos durchorgeln, tut sein Übriges. Sieben Jahre danach ist 9/11 Gott, Zweifel an der diabolischen Dreifaltigkeit - "Osama" ,"Hijacker" und "Die 19 Teppichmesser" - führen zur Exkommunikation, und wer nicht als "Verschwörungstheoretiker", "Amerikahasser", "Antisemit" oder "verrückt" gelten will, tut gut daran, an das Osama-Wunder zu glauben.

Im Steckbrief Bin Ladens auf der "Most wanted"-Liste der USA ist von 9/11 noch immer nicht die Rede ist, das FBI hatte schon vor zwei Jahren bekundet, dass es "keine harten Beweise" gegen Bin Laden hätte. Vor kurzem nun kam ein weiteres Bekenntnis der obersten Polizeibehörde, das an der Qualität der angeblich größten Fahnungsaktion aller Zeiten einmal mehr zweifeln lässt. Im Rahmen des "Freedom Of Information Act" hatte ein Bürger die Dokumentation der formell und positiv identifizierten Wrackteile und Flugschreiber der bei den Attacken benutzten Flugzeuge angefordert – und da er sie nicht erhielt vor Gericht geklagt. Daraufhin ging dem Gericht eine schriftliche Erklärung des Chefs der FBI-Dokumentationsabteilung (Records/Information Dissemination Section, RIDS) zu, in der trotz intensiver und genauer Suche nichts zu finden war: "Despite this extensive and detailed search effort, RlDS has been unable to locate any FBI records responsive to plaintiffs request."

Wir haben also einen "Rädelsführer" - Bin Laden -, gegen den es "keine harten Beweise gibt", wir haben "Hijacker", die gestohlene Pässe benutzten und deren wahre Identität unbekannt ist, und wir haben "Tatwaffen", die nicht eindeutig identifiziert sind und denen es, wie der American Airlines 77, sogar gelang, sich vollkommen unsichtbar zu machen. Keine der Überwachungskameras am best bewachten Gebäude der Welt bekam den riesigen Boeing-Jet ins Bild – und das FBI hat angeblich keine Dokumentation über die identifizierten Wrackteile. Schon bei diesen ersten, für das Aufklären jedes Verbrechens grundlegenden Fragen – die nach dem Planer und Rädelsführer, die nach den Tätern und ihrer Identität, und nach den Tatwaffen und der Durchführung der Tat – ist festzustellen, dass sie auch nach sieben Jahren nicht aufgeklärt sind.

Ich habe von Anfang an dafür plädiert, die Untersuchung an diesen grundlegenden Punkten zu orientieren – alles was danach kommt, vom standdown der Luftabwehr am Morgen (Willkommen im Büro von Donald Rumsfeld) bis zum Einsturz des dritten WTC-Turms am späten Nachmittag – ist erst einmal zweitrangig, steigert die Komplexität und führt zur Verwirrung.

Es gibt mittlerweile einige dicke Bücher über die weiteren Ungereimtheiten und "Omissions", die Auslassungen der "9/11-Commission", die die Anschläge untersuchen sollte. Wer sich die Mühe macht, sie zu studieren, wird reichlich belohnt – doch um eine neue Untersuchung zu fordern, reicht eigentlich allein die Feststellung, dass nicht einmal die Identität der Täter geklärt ist. Wenn man hier ansetzt, gelangt man schnell zu der Tatsache, dass sich die späteren "Hijacker" keineswegs in die USA einschlichen und unbemerkt ihre Vorbereitungen trafen – sondern dass sie auf Schritt und Tritt unter Beobachtung standen und Protektion genossen.

Der Herbergsvater von Khalid Al-Midhar und Salem Al-Hazmi zum Beispiel, der ihnen bei der Einreise-Bürokratie half und ein Zimmer in seinem Haus vermietete, war ein Mitarbeiter des FBI – doch dieser Dr. Adussattar Shaik konnte weder von der 9/11-Kommission noch von sonstwem vernommen werden, aus "Gründen der nationalen Sicherheit" (Alles untersucht, nichts geklärt, niemand verantwortlich – Mission erfüllt).

Khalid Al-Midhar und Salem Al-Hazmi

Welche Art von "nationaler Sicherheit" ist es, die verhindert, dass ein Vermieter und Helfer von Terroristen vor Gericht aussagen kann? In Deutschland konnte ein Gerichtsverfahren gegen die NPD bekanntlich nicht geführt werden, weil ein Großteil des Vorstands der Neonazi-Partei von Agenten des Verfassungsschutzes besetzt war. Und dies scheint auch der eigentliche Grund für die Nicht-Aufklärung von 9/11 zu sein: Wohin man schaut, stößt man auf Mitarbeiter und V-Männer der Geheimdienste - der USA, Pakistans, Saudi-Arabiens, Israels, Deutschlands…

Dass das Märchen von Osama und den 19 Hijackern als autonomen Tätern, die allein mit Teppichmessern die Luftabwehr zwei Stunden ausschalteten und mit zwei Flugzeugen drei Wolkenkratzer zum Einsturz brachten – dass solche Wundergeschichten im 21. Jahrhundert als Realität durchgehen und als Tatsachen im Lexikon stehen, liegt einzig und allein daran, dass sie in den Wiederholungsschleifen der Medien permanent wiederholt werden. Und dies – die Rolle der Medien und die gigantische Gehirnwäsche, die sie uns in Sachen 9/11 verpassen – war und ist das eigentlich Erschütternde.

Als ich am 12.9. 2001 den ersten Kommentar für Telepolis schrieb, bin ich nicht davon ausgegangen, dass daraus eine Serie von über 60 Folgen und zwei Bücher werden würden – sondern davon, dass sich in ein paar Tagen BBC, ARD, FAZ, taz, Spiegel usw. des Themas - und der himmelschreienden, offensichtlichen Ungereimtheiten – annehmen werden. Dass dies nicht geschehen ist, dass die Medien sich unisono und ohne irgendeine kritische Nachfrage den Verlautbarungen des Weißen Hauses anschlossen und zu willfährigen Propagandaorganen mutierten, konnte ich mir vor dem 11.9. noch nicht wirklich vorstellen. Jetzt weiß ich es. Und es stellt sich die Frage, was Meinungs- und Pressefreiheit eigentlich noch wert sind, wenn aus 98 % aller Kanäle dieselben Meinungen und Nachrichten dröhnen? Sind die Medien dann noch "die vierte Gewalt" im Staat, die unverzichtbare Säule und "Kontrollinstanz" der Demokratie - oder nicht längst zu Erfüllungsgehilfen globalisierter Konzerne, des militärisch-industriellen Komplexes, geworden. Sie verkaufen uns 9/11 oder die WMD des Irak wie Waschpulver und Kartoffelchips, sie schüren Feindbilder, Terrorangst und Sicherheitshysterie und teilen zwischen den Werbeclips die komplexe Welt in dumpfe Schwarz/Weiß-, Freund/Feind-Gegensätze auf. Mit Information, Aufklärung, Bildung haben solche Medien nichts mehr zu tun – sie sind Agenten der Verdummung, der Desinformation und Massenhypnose.

Als der EU-Abgeordnete Giulietto Chiesa seinen Dokumentarfilm über den 11.9. - ZERO - in Brüssel zeigte, erschien von den hunderten eingeladenen Parlamentariern und Journalisten: keiner. Zu einem Pressegespräch mit ihm im Haus der Bundespressekonferenz, an der ich mit Andreas von Bülow und Jürgen Elsässer vergangene Woche teilnahm, kamen immerhin fünf Journalisten. In anderen Ländern indessen ist das Interesse deutlich größer, so hat das kroatische Staatsfernsehen den Film bereits gesendet und am 12.9. 2008 läuft er im ersten Programm Russlands.

Giulietto Chiesa

Giulietto Chiesa ist deshalb auch optimistisch, dass es gelingen könnte, eine internationale Kommission einzurichten, die ähnlich wie einst die Russel-Tribunale eine unabhängige Untersuchung des 11.9. durchführt: "Wir brauchen zehn Nobelpreisträger, zehn ehemalige Präsidenten und angesehene Politiker und ein paar bekannte Gesichter aus Hollywood", sagt er. Immerhin, seinen Landsmann Dario Fo hat er schon gefunden, und mit Gorbatschow will er demnächst sprechen. "Der 11.9. war ein Film, den 2,5 Milliarden Menschen gesehen haben." Diesen Bann, glaubt Chiesa, muss man mit einem Film wieder lösen.

Auch dem EU-Abgeordneten, der lange als Korrespondent italienischer Zeitungen in Moskau gearbeitet hat, ist klar, dass eine neue Ermittlung letztlich nur in den USA erfolgen kann, weil dort die Akten lagern und die meisten Zeugen leben. Aber es ist sicher, dass eine von solchen internationalen geschätzten Persönlichkeiten getragene "Wahrheitskommission", wenn sie denn zustande käme, den Druck erhöhen würde. Denn auch in den USA sind mittlerweile schon fast die Hälfte aller (in New York sogar noch mehr) Bürger davon überzeugt, dass ihre Regierung die Aufklärung von 9/11 blockiert, weil sie selbst die Finger im Spiel hatte. Da wegen des etablierten "Einparteienssystems mit zwei rechten Flügeln" (Gore Vidal) auch ein Präsident Obama am 9/11-Dogma nicht rütteln wird, ist mit einer schnellen Aufklärung jedenfalls nicht zu rechnen.

Mit dem Glauben an das Osama-Wunder und die Macht der höllischen Heerscharen von "Al Qaida", die als unsichtbare "Schläfer" hinter jeder Ecke lauern, steht (und fällt) der als "Krieg gegen den Terror" getarnte geopolitische Kampf um die globalen Ressourcen und die Verwandlung der westlichen Demokratien in außen,- wie innenpolitisch militarisierte Polizeistaaten. Von der Machtübernahme, vor der US-Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede 1961 warnte - der vor der Degradierung der Politik zum Gehilfen einer privatisierten Rüstungs- und Sicherheitsindustrie, des "militärisch-industriellen Komplexes" - lässt sich 40 Jahre später feststellen, dass sie weitgehend stattgefunden hat.

9/11 stellte die Geschäftsgrundlage für einen "Generationen dauernden Krieg" (Donald Rumsfeld) her und damit für die größten Profite seit Erfindung des Schießpulvers. Zum Jahrestag werden wir deshalb wieder viele Beschwörungen des Osama-Wunders zu hören bekommen, denn die Massenmedien sind Teil "der riesigen industriell-militärischen Maschine", vor deren Einfluss Eisenhower warnte. Skepsis und Zweifel, die eigentlich jedem Menschen mit einem IQ über Zimmertemperatur angesichts der unbewiesenen, nicht aufgeklärten Wundertaten von St. Osama und den Hijackern kommen, werden aber sicher auch erwähnt, samt O-Ton eines UFOlogen, Holocaustleugners oder eines anderen Verrückten, der überzeugt ist, dass Elvis noch lebt…

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