Für Palin steckte Irak hinter den Anschlägen vom 11.9.

Florian Rötzer 12.09.2008

Die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin eierte in ihrem ersten großen Interview herum und gab sich als entschlossene Kämpferin

In ihrem ersten großen Interview mit dem Sender ABC hat Sarah Palin, die Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner, bekundet, dass sie bereit sei, Regierungsverantwortung zu übernehmen und auch über die nötige Erfahrung dafür verfüge. Abgesehen von Kanada, Mexiko und Deutschland war sie nur einmal in Kuwait, um die dortigen Truppen zu besuchen. Das sei die Reise ihres Lebens gewesen und habe ihr Leben verändert. Den "Krieg gegen die islamistischen Terroristen" unterstütze sie uneingeschränkt, von früheren Äußerungen, dass der Irak-Krieg in Gottes Auftrag erfolgt sei ("There is a plan and it is God's plan."), versuchte sie sich jedoch wieder zu distanzieren.

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Allerdings tauchten einige Probleme auf. So schien sie nicht zu wissen, was die Bush-Doktrin ist. Sie antwortete zunächst, dass es sich um die Weltansicht von Bush handelt, die darin bestünde, die Welt von den islamistischen Terroristen zu befreien, die die USA zerstören wolen. Auch direkt gefragt, ob sie das Recht auf präventive Militärschläge befürworte, antwortete Palin ausweichend, meinte nur, die oberste Priorität der Regierung müsse sein, die USA zu verteidigen.

Nachdem sie noch einmal direkt nachgefragt wurde, ob die USA das Recht auf Präventionsschläge habe, meinte sie, wenn genügend Geheimdienstinformationen über einen drohenden Angriff vorliegen, habe man alle Rechte. So befürwortete sie auch die Entscheidung von US-Präsident Bush, auch ohne die Zustimmung der pakistanischen Regierung militärisch in Pakistan zu intervenieren, was McCain früher, als Obama ähnliches sagte, als naiv bezeichnete. Formelhaft erklärte sie, dass die USA keine Optionen ausschließen werden, was nichts Gutes verheißt:

"In order to stop Islamic extremists, those terrorists who would seek to destroy America and our allies, we must do whatever it takes and we must not blink, Charlie, in making those tough decisions of where we go and even who we target."

Palin demonstrierte ihr Wissen besonders deutlich, als sie am 11.9. bei einer Rede anlässlich des Irak-Einsatzes einer Brigade, in der auch ihr Sohn dient, erneut den Irak-Krieg mit den Anschlägen vom 11. September verbunden hat. Die Bush-Regierung hatte diese Verbindung auch lange behauptet, musste sich aber dann doch davon distanzieren. In Umfragen stellt sich jedoch heraus, dass weiterhin ein beachtlicher Teil der Amerikaner daran glaubt, so dass Palin hier durchaus Volkes Meinung wiedergibt. Die Soldaten, so Palin, würden "die Unschuldigen vor den Feinden verteidigen, die den Tod von tausenden Amerikanern geplant, ausgeführt und sich daran erfreut haben".

In dem ABC-Interview versicherte Palin auch, dass der Einmarsch der Russen in Georgien nicht von der georgischen Regierung provoziert gewesen sei. Man müsse auf Russland aufpassen und womöglich wirtschaftliche Sanktionen verhängen, um Georgien zu unterstützen. Man dürfe nicht zulassen, dass Putin die Energieversorgung aus und durch Russland kontrolliert. Georgien und die Ukraine sollten unbedingt in die Nato aufgenommen werden, sagte sie, bei einem Angriff müsste die Nato dann einspringen.

Im Hinblick auf den Iran meinte sie, man müssen den Druck und die Sanktionen verstärken, um zu verhindern, dass das Land Atomwaffen entwickelt. Wenn Israel die iranischen Atomanlagen angreift, dürfe man diese Maßnahmen des befreundeten Staates zum Selbstschutz nicht hinterfragen. Ob die USA dann Israel direkt unterstützen sollen, wollte Palin nicht beantworten.

Palin versuchte, ihre früheren Äußerungen zur Klimaerwärmung mühsam zurechtzubiegen. Sie hatte gesagt, dass sie nicht von Menschen verursacht sei. Jetzt erklärt sie, sie habe dies nie absolut ausgeschlossen. Die Folgen der Erwärmung seien in Alaska sichtbar und man müsse handeln. Auch im Unterschied zu McCain befürwortete sie erneut, dass in Naturschutzgebieten in Alaska nach Öl gebohrt werden soll.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28705/1.html
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