Kohle für Hamburg?
Die Energie- und Klimawochenschau: Während US-Wissenschaftler Hoffnungen haben, dass Peak-Oil vielleicht doch das Klima noch retten könnte, halten deutsche Konzerne eisern an ihren Kohle-Plänen fest
Über Peak Oil, das Erreichen der Höchstmenge, die sich global an Erdöl fördern lässt, wird viel und kontrovers diskutiert. Doch kaum einer hat einmal nachgerechnet, was das eigentlich für die Treibhausgas-Szenarien bedeutet, auf deren Grundlage die Klimawissenschaftler ihre Klimaprojektionen berechnen. Ist ein Business-as-usual-Szenario, das bis zum Jahrhundertende die globale Mitteltemperatur um bis zu sechs Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau erhöhen könnte, überhaupt möglich?
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| Globale CO2-Konzentration (rot=hoch, gelb=geringer) in der Atmosphäre im jahr 2003. Bild: Nasa |
Pushker A. Kharecha und James E. Hansen von Goddard Institute for Space Studies der NASA haben einmal nachgerechnet und ihre Ergebnisse kürzlich im Fachblatt Global Biochemical Cycles veröffentlicht. Das Ergebnis ist einigermaßen verblüffend: Sollten die Annahmen der US-Energiebehörde Energy Information Administration die globalen Erdölreserven nicht allzu sehr unterschätzen, dann bestehe noch die Möglichkeit, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nicht über 450 ppm (Millionstel Volumentanteile) steigt.
Dieser Wert wird von vielen als die Grenze angesehen, die nicht überschritten werden darf, wenn ein gefährlicher Klimawandel verhindert werden soll. Auf dieses Ziel hat sich die internationale Staatengemeinschaft (incl. USA) in der UN-Klimaschutzrahmenkonvention festgelegt. Hansen vertritt allerdings die Position, dass 450 ppm schon deutlich zu viel sind und die atmosphärische Konzentration langfristig unter das derzeitige Niveau von 385 ppm abgesenkt werden muss (Kommt alles noch viel schlimmer?). Vor Beginn der industriellen Revolution hatte sie rund 270 ppm betragen. Derzeit steigt der Wert um knapp zwei ppm pro Jahr.
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| CO2-Konzentration gemessen auf dem Vulkan Mauna Loa auf Hawaii. Weil die Messstation weitab von Quellen und Senken und mit 3400 Metern Höhe über dem Meeresspiegel in der freien Troposphäre gelegen ist, gilt sie als Referenz, der die durchschnittliche CO2-Konzentration in der Atmosphäre widerspiegelt. Grafik: Nasa |
Voraussetzung, die 450-ppm-Schallmauer nicht zu durchbrechen, sei aber auf jeden Fall, dass alle Kohlekraftwerke, die über keine CO2-Abscheidung verfügen, noch vor Mitte des Jahrhunderts stillgelegt werden. Außerdem dürften weder die "unkonventionellen" Lagerstätten, das heißt, Ölschiefer und Teersände, noch die Gashydrate unter dem Meeresboden ausgebeutet werden.
Die beiden Wissenschaftler schlagen vor, dass die CO2-Emissionen verteuert werden, damit keine ökonomischen Anreize entstehen, diese Reserven auszubeuten. Außerdem sei es auf jeden Fall für das Klima besser, wenn durch Sparmaßnahmen und Effizienzsteigerung de Verbrauch der verbleibenden Ölvorkommen gestreckt werden könnte. Hansen hatte an anderer Stelle bereits ein Moratorium für den Bau neuer Kohlekraftwerke gefordert.
Aber damit sieht es hierzulande schlecht aus. Nirgendwo sonst werden in Europa so viele Kohlekraftwerke gebaut oder geplant wie in Deutschland. Die Bundeskanzlerin, die sich auf der internationalen Bühne gerne als Vorkämpferin in Sachen Klimaschutz geriert, lässt es sich nicht nehmen, jedes Mal anzureisen, wenn wieder irgendwo der erste Spatenstich für ein Mega-Kraftwerk getan wird. Zuletzt war sie Anfang September in Hamm.
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Neue Kraftwerke in Hamburg und Kiel
Bis sie auch nach Hamburg kommen kann, wird es hingegen noch etwas dauern. Eigentlich sollte die Grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk dieser Tage über Vattenfalls Bauantrag für Moorburg befinden, doch nun heißt es, dass sich der Konzern noch bis Ende des Monats gedulden muss. Während ihre Partei zwischen dem Willen zum Mitregieren und dem Umweltgewissen hin und her gerissen ist, führt die oppositionelle hanseatische SPD ganz ohne Not einen Eiertanz auf: Im Wahlkampf hatte man noch gegen Moorburg polemisiert, nun werfen die Sozialdemokraten von der Elbe den Grünen wegen ihrer ablehnenden Haltung Industriefeindlichkeit vor.
Ist es da eigentlich ein Wunder, dass immer weniger Bürger an den Wahltagen Lust verspüren, ihr Kreuzchen zu machen? In Kiel demonstrieren unterdessen die dortigen Stadtwerke – immerhin noch zu 49 Prozent im kommunalen Besitz –, wie viel Wert Wahlentscheidungen haben. An der Förde hatten sich im Frühjahr, vor den dortigen Kommunalwahlen, Vertreter der Stadt, der Stadtwerke und von E.on darauf geeinigt, Pläne für ein neues Kohlekraftwerk für ein paar Jahre ruhen zu lassen. E.on und die Stadtwerke wollen ihr altes 350-Megawatt-Kraftwerk durch einen 800-MW-Block ersetzen.
Nachdem die Pläne in der Öffentlichkeit für erhebliche Unruhe gesorgt hatten, sprach sich die Mehrheit der Parteien dagegen aus und ging mit entsprechenden Aussagen in den Kommunalwahlkampf. Nach dem Wahltag einigte sich die neue Mehrheit aus SPD und Grünen darauf, dass der Kraftwerksbau ad acta gelegt werden soll. Den Vorstand der Stadtwerke scheint das zu reizen, die Machtprobe zu suchen: Man werde jetzt das Genehmigungsverfahren vorbereiten, hieß es am Montag in Kiel. E.on-Chef Wulf Bernotat hatte am 30.April auf der Aktionärs-Hauptversammlung seines Konzerns noch gesagt, er wolle keine Kraftwerke gegen den Bürgerwillen durchsetzen.
Waffenstillstand zwischen Glos und Gabriel
Klar ist jedenfalls schon jetzt, dass sich die Kohlekraftwerke nur unter drei Bedingungen rechnen werden:
Der Kohlepreis bleibt relativ niedrig, was aufgrund der stark steigenden Nachfrage auf dem Weltmarkt eher unwahrscheinlich ist. Seit etwa einem Jahr hat der Preis bereits erheblich angezogen, wie die Statistiken des Vereins Deutscher Kohleimporteure zeigen.
Die Kohlekraftwerke können wie bisher im Grundlastbetrieb Tag und Nacht laufen. Für das Kieler Kraftwerk werden zum Beispiel mindestens 6000 Betriebsstunden (von 8760) im Jahr gerechnet. Beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energie werden sie damit aber schon Anfang des nächsten Jahrzehnts zu den umweltfreundlichen Energieträgern in direkte Konkurrenz treten. Bisher haben diese laut Erneuerbare-Energien-Gesetzes den Vorrang. Vermutlich werden die Karftwerksbetreiber in einigen Jahren ihre Lobbyisten in Gang setzen, um Druck auf das EEG auszuüben, damit sich ihre neuen Investitionen auch rechnen.
Die Emissionszertifikate bleiben preiswert. Bisher haben deutsche Kraftwerksbesitzer die Zertifikate in großen Mengen geschenkt bekommen, den Zertifkatspreis aber den Kunden auf die Stromrechnung drauf geschlagen.
Mit den kostenlosen Zertifikaten könnte es aber 2013 vorbei sein. Wie berichtet (Geschenke für die Energiekonzerne?) beginnt dann die nächste Periode im EU-internen Emissionshandel. Nachdem sich Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) vergangene Woche heftigst über die Modalitäten gestritten hatten, haben sie sich am Wochenende offenbar doch noch auf eine gemeinsame Position verständigt, die am Montag bei der EU-Kommission vorgetragen wurde.
Demnach sollen energieintensive Branchen wie Eisen, Stahl und Aluminium die Zertifikate weiter umsonst bekommen. Allerdings haben sich die Ministerien nicht auf konkrete Kriterien festlegen können, die "energieintensiv" definieren würden. Offen gehalten wurde auch die Frage, ob neue Kohlekraftwerke auf kostenlose Verschmutzungsrechte hoffen können. Die EU-Kommission wird, nachdem sie sich die Vorstellungen der 27-Mitgliedsregierungen angehört hat, gegen Ende des Jahres einen Vorschlag vorlegen.
Eis auf dem Rückzug
Eigentlich ist es erstaunlich, dass dieser Tage so wenig über die Eiskappe am Nordpol zu lesen ist. Noch vor Jahresfrist bestimmte sie die Schlagzeilen. Um rund 20 Prozent niedriger als je zuvor seit Menschengedenken war das spätsommerliche Minimum ausgefallen. Russland machte zugleich mit einer spektakulären Aktion auf den Anspruch aufmerksam, den es auf den arktischen Tiefseeboden erhebt. Natürlich geht es dabei vor allem um Rohstoffe.
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| Oben: Jahresgang der Eisfläche auf dem arktischen Ozean. Unten: Abweichung vom Normalwert. Grafik: Polar Research Group |
In diesem Jahr ist die Eis-Situation auf dem arktischen Ozean kaum anders, aber offensichtlich hat sich die Weltöffentlichkeit schon fast daran gewöhnt. Die Internetseite der US-amerikanischen Polar Research Group der University of Illinois Urbana-Champaign zeigt, dass die Eisfläche inzwischen auf dem letztjährigen Niveau angekommen ist. Das Eisgebiet, jene Meeresfläche, die zumindest 15 Prozent mit Eis bedeckt sind, ist noch geringfügig größer als im Vorjahr.
Beide Betrachtungsweisen zeigen, dass der seit Jahren beobachtete Trend zum Eisrückgang sich verstärkt hat. Doch für die Wissenschaftler kommt der starke Eisschwund in diesem Sommer nicht überraschend. Schon im Frühjahr hatten sie festgestellt, dass das Meereis ungewöhnlich dünn war und seine Dicke seit Jahren abnimmt (Auf dünnem Eis). Je dünner aber das Eis, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich in der Sommersonne vollständig auflöst.
Doch was wird das alles für das globale Klima bedeuten, wenn künftig im Sommer der arktische Ozean weitgehend eisfrei ist? Entsprechende Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Das mag daran liegen, dass ein solche Entwicklung erst in einigen Jahrzehnten vorgesehen war. Sicher scheint jedoch, dass im auftauenden Permafrost große Mengen Kohlenstoff lagern, die als zusätzliches Treibhausgas in die Atmosphäre gelangen könnten (Eine klimatische Zeitbombe im hohen Norden, Beschleunigtes Auftauen). Womöglich würde sich der mitunter als Alarmist denunzierte James Hansen von der NASA (siehe oben) dann doch noch als Optimist erweisen.
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| Beim US-amerikanischen National Snow and Ice Data Center geht man davon aus, dass das arktische Meereis sein Minimum erreicht hat. Die Grafik zeigt die Ausdehnung des Eisgebietes (mindestens 15% der Fläche mit Eisbedeckung) 2008 (hell) und 2007 (dunkel) jeweils am niedrigsten Punkt. Am 12. September umfasste das Eisgebiet 4,52 Millionen Quadratkilometer. Das waren 2,24 Millionen Quadratkilometer weniger als der Durchschnitt der Jahre 1979 bis 2000 und 390.000 Quadratkilometer mehr als am 16. September 2007. Ob das Minimum tatsächlich bereits erreicht ist, ließe sich erst Anfang Oktober sagen. Grafik: NSIDC |
- Also immer noch keine Quelle, daher gibst Du Deinen Standpunkt jetzt auf, ja? (20.9.2008 14:58)
- Troll! (20.9.2008 12:35)
- Wieder keine Fakten, nur Deine Wunschträume (20.9.2008 11:46)
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