In Australien dürfen menschliche Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen geklont werden

Florian Rötzer 17.09.2008

Die Reproduktionsklinik Sydney IVF hat die Genehmigung zum therapeutischen Klonen erhalten: "Der Wettlauf hat begonnen."

Australien will in der Stammzellenforschung die Konkurrenz überholen. 2006 hat das Parlament bereits das Verbot des therapeutischen Klonens aufgehoben - der jetzige Regierungschef Kevin Rudd stimmte damals gegen die Aufhebung. Jetzt wurde erstmals einem Unternehmen die Erlaubnis erteilt, Stammzellen aus geklonten menschlichen Embryos zu gewinnen. Sollte dies gelingen, wären die Australier weltweit die ersten, die das erreicht und damit womöglich einen nicht nur therapeutisch, sondern vor allem auch kommerziell interessanten Durchbruch in der Forschung geleistet haben, um krankheits- und personenspezifische Stammzellenlinien zu schaffen.

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Gestern hat das Embryo Research Licensing Committee des National Health and Medical Research Council der Reproduktionsklinik Sydney IVW die Erlaubnis gewährt, Embryos durch Zellkerntransfer zu klonen, um aus den Blastozyten embryonale Stammzellen zu gewinnen.

Da die Reproduktionsklinik, die künstliche Befruchtung anbietet, offenbar über Tausende von menschlichen Eizellen verfügt, ist sie nicht wie sonst üblich mit dem Mangel konfrontiert. Die Eizellen, die zur künstlichen Befruchtung entnommen wurden, aber nicht mehr gebraucht werden, weil sie unreif oder nicht richtig befruchtet worden seien, würden nur unter Zustimmung der Spenderinnen verwendet. Ansonsten hätte man sie weggeworfen. Die für drei Jahre gewährte Genehmigung erstreckt sich auf die Verwendung von 7200 "klinisch unbrauchbaren" Eizellen. Die Genehmigung zur Verwendung so vieler Eizellen geschieht mit der Begründung, dass nach Sydney IVF bislang nur aus jedem 400sten geklonten Embryo embryonale Stammzelllinien gebildet werden können. Wegen dieser geringen Erfolgsrate müssten entsprechend viele Embryonen geklont werden, um die Durchführbarkeit von reproduzierbaren Methoden der Stammzellengewinnung demonstrieren zu können.

Letztes Jahr war der Klinik bereits erlaubt worden, Stammzellen aus menschlichen Embryonen zu gewinnen, die bei der künstlichen Befruchtung entstanden sind und nach der Prä-Implantationsdiagnostik (PID) bestimmte Erbkrankheiten haben.

Die Knappheit an menschlichen Eizellen und ethische Bedenken haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass verschiedene Möglichkeiten entwickelt wurden, um pluripotente Stammzellen nicht durch das Töten von Embryonen gewinnen zu müssen. In Großbritannien dürfen seit kurzem tierische Eizellen zum therapeutischen Klonen von Embryos verwendet werden. Andere Verfahren ermöglichen es, Zellen durch Einschleusen von Genen zu Stammzellen umzuprogrammieren, allerdings ist auch hier noch offen, ob die so erzeugten Stammzellen für Menschen auch verwendet werden können.

Tomas Stojanov, der Forschungsdirektor der Klinik, erklärte, man habe nicht nur die notwendigen Eizellen, sondern auch die Techniken und das Wissen, um als erste menschliche Embryonen zu klonen und aus ihnen Stammzellen zu gewinnen. Bislang sind zwar bereits menschliche Embryonen geklont worden, aber aus diesen hat man noch keine Stammzellen entnehmen können: "Der Wettlauf hat begonnen." Bedenken suchte er herunterzuspielen, da in Australien das reproduktive Klonen streng verboten sei.

Kritiker wie David van Gend, der Direktor der Gruppe Australians for Ethical Stem Cell Research, die sich gegen die Verwendung von embryonalen menschlichen Stammzellen in der Forschung einsetzt, bedauern die Entscheidung. Das Klonen von menschlichen Embryonen, um sie zur Gewinnung von Stammzellen zu töten, sei aufgrund der Forschritte in der Stammzellenforschung nicht mehr notwendig, so der Einwand.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28734/1.html
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