Mit einer neuen Stinkwaffe gegen Demonstranten

23.09.2008

Im August haben israelische Sicherheitskräfte das erste Mal eine offenbar schrecklich stinkende Flüssigkeit eingesetzt, um eine Demonstration aufzuzlösen

Die israelischen Sicherheitskräfte scheinen im August zum ersten Mal eine neue, nichttödliche Waffe eingesetzt zu haben, um Menschenmengen aufzulösen. Bei Protesten an der so genannten Sicherheitsmauer in Naalin im Westjordanland wurden die Demonstranten, wie Haaretz berichtet, mit einer versprühten Flüssigkeit vertrieben, die schrecklich gestunken haben muss. Beschrieben wurde es wie der Gestank, der von einem verrottenden toten Tier ausgeht.

Die Stinkwaffe, genannt Boash (Stinktier), ist schon seit einigen Jahren bekannt. Damals hieß es, man habe das Sekret der Stinktiere analysiert und künstlich reproduziert. Angeblich soll die Kleidung der damit Eingesprühten noch fünf Jahre lang stinken. Gewitzelt wurde, dass die Polizei die Stinkwaffe deswegen auch nur zum Vertreiben einsetzen, aber von Festnahmen geruchshalber Abstand nehmen würde.

Bislang haben israelische Polizisten und Soldaten, wenn sie keine Schusswaffen einsetzen, zu Tränengas, Wasserwerfern oder Gummikugeln gegriffen, nun seien plötzlich zwei Polizisten mit Behältern auf dem Rücken aufgetaucht, die die Flüssigkeit in die Menge sprühten. Der Gestank sei kaum zu ertragen. Eine Woche später sei bei einer weiteren Protestdemonstration ein Lastwagen gekommen, der die Flüssigkeit bis zu 50 m weiter versprüht hat.

Seit 2000, so berichtet Haaretz, hätten die Sicherheitskräfte verstärkt nach weniger tödlichen Waffen Ausschau gehalten. Die Stinkwaffe, die seit drei Jahren entwickelt und jetzt offenbar erfolgreich getestet wurde, ist ein Ergebnis dieses Vorhabens. Vor kurzem habe die israelische Polizei wieder eine internationale Ausschreibung nach originellen Ideen für weniger tödliche Waffen gemacht.

David Ben Harosh, der Leiter der Abteilung für technische Entwicklung der Polizei, sagt, es sei sehr schwierig gewesen, für die Stinkwaffe die medizinischen Kriterien für nichttödliche Waffen einzuhalten. Andere Forschungsinstitute hätten es mit chemischen Substanzen versucht, seien aber gescheitert. In seiner Abteilung hätten sie nach natürlichen Substanzen gesucht und hätten schließlich ausgehend von einer Substanz – ob es das Sekret des Stinktiers ist, sagte er nicht – eine künstliche mit einer geringen Lebenszeit von wenigen Monaten entwickelt. Hauptbestandteile seien Hefe und Proteine.

Damit habe die israelische Polizei weltweit als erstes eine nichttödliche Stinkwaffe hergestellt, die allen Kriterien genüge, für Menschen unschädlich sei und daher vermutlich auch außerhalb Israels gekauft und eingesetzt werden könnte, hofft Harosh, der einen weltweiten Bedarf nach einem solchen Mittel zur Auflösung von Menschenmengen sieht. Allerdings scheint es noch ein Problem zu geben. Selbst wenn die Flüssigkeit in Containern gelagert wird, gelangt der Gestank noch an die Luft.

Die Demonstranten suchen mittlerweile nach Mitteln, wie sie den Gestank wieder loswerden können. Das scheint nicht einfach zu sein. Salzwasser soll ein relativ gutes Mittel sein, allerdings soll der Geruch auch am Körper, vor allen an den Haaren, trotz Behandlung bis zu einer Woche halten. Kritiker sagen daher, dass die Stinkwaffe zwar legal und unschädlich sei, aber sie füge den Menschen eine Demütigung zu und markiere sie durch Gestank.

Die Demonstranten haben aus den ersten Angriffen ihre Lehren gezogen. Es sei nicht so schwer, sich in gebührender Entfernung zu dem langsam fahrenden Lastwagen zu halten, der die Flüssigkeit verspritzt. Ansonsten werden zu Protesten nun Plastikbeutel zum Bedecken oder auch Regenschirme und Regenmäntel mitgenommen.

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