Kein eindeutiger Sieger im ersten Fernsehduell
McCain argumentierte aggressiver, Obama differenzierter
Bei der ersten von insgesamt drei Fernsehdebatten gab sich Barack Obama defensiv und versöhnlich, während John McCain seinen demokratischen Kontrahenten mit deutlich mehr Aggressivität entgegentrat. Allerdings ging McCain inhaltlich kaum auf die ihm in der Debatte gemachten Vorhaltungen ein. Obama, der anders als in seinen Reden nicht vom Teleprompter ablesen konnte, stotterte und stoiberte vor allem zu Anfang der Debatte häufig. Später machte er den Fehler, nach unten zu blicken, als McCain sprach - was teilweise den Eindruck hervorrief, als würde er sich schämen. Allerdings versprach sich auch McCain häufig - unter anderem beim Namen des iranischen Präsidenten.
Wirklich unangenehme Fragen wurden den beiden Kandidaten in der Debatte nicht gestellt – aber anders als ursprünglich geplant ging es nicht nur um die Außenpolitik, sondern etwa zur Hälfte um die aktuelle Finanzkrise und den geplanten Aufkauf von Bankschulden, der den Staat bis zu 700 Milliarden Dollar kosten könnte.
Obama nannte als Voraussetzungen für eine Einigung, dass nicht nur den Bankern an der Wall Street, sondern auch den einfachen Menschen, der "Main Street", geholfen werden müsse. Zudem müsse der Anti-Regulierungs-Extremismus überwunden und sichergestellt werden, dass kein Steuergeld in den Händen der Manager lande.
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McCain lenkte bei seiner Antwort auf diese erste Frage relativ geschickt ab, indem er gleich zu Anfang vom demokratischen Senator Edward Kennedy erzählte, der nun wieder ins Krankenhaus musste - womit der Republikaner seinen Anspruch auf Überparteilichkeit betonte. Als Voraussetzung für eine Einigung nannte er anschließend, dass die Schuldigen an der Krise zur Verantwortung gezogen werden müssten, worauf hin Obama anmerkte, dass er dafür wäre, wenn es klare Verantwortlichkeiten nicht nur in einer Krise gibt.
Nachdem McCain weiter kund tat, der wichtigste Ansatzpunkt zur Bewältigung der Krise sei seiner Ansicht nach ein Senken der Staatsausgaben, verwies Obama auf die 300 Milliarden Dollar an Steuersenkungen für Besserverdiener und Unternehmen, die der Republikaner versprach. Der 72jährige reagierte erwartungsgemäß mit dem Vorwurf, dass sein demokratischer Kontrahent die Steuern erhöhen wolle. Obama wiederum konterte ebenso vorhersehbar damit, dass 95 Prozent der Bevölkerung unter ihm weniger zahlen würden, als unter Bush oder McCain. Nur wer über 250.000 Dollar im Jahr verdient, würde stärker zur Kasse gebeten.
Als McCain versuchte, seine Steuersenkungspläne damit zu verteidigen, dass die US-Unternehmenssteuern höher seien als in Irland, entgegnete Obama, dass diese Unternehmenssteuern nur auf dem Papier hoch seien, weshalb er Steuerschlupflöcher schließen wolle. Darauf hin brachte McCain eine relativ radikale Idee in die Debatte ein: Einen Ausgabenstopp für alles außer Kriegsführung und ein paar andere "wichtige" Posten. Obama gab dies die Gelegenheit, darauf zu verweisen, dass man sich zwischen 300 Milliarden Dollar Steuersenkungen und einer verbesserten Gesundheitsfürsorge für mehr Amerikaner entscheiden müsse.
Dem amtierenden Präsidenten Bush bescheinigte der Demokrat eine "Ausgabenorgie" - worauf hin eine milde Meinungsverschiedenheit darüber entbrannte, wie oft McCain im Senat für oder gegen Bush stimmte.
Irak und Afghanistan: Klotzen oder Kleckern?
Auf die Fragen nach "Lehren" aus dem Irakkrieg äußerte sich McCain zuversichtlich, dass das 2003 besetzte Land ein stabiler Verbündeter der USA in der Region werde. Obama nutzte die Gelegenheit nicht, hier begründete Zweifel anzubringen, sondern verwies stattdessen darauf, dass der Krieg nicht angefangen hätte werden sollen, weil der Militäreinsatz in Afghanistan noch nicht beendet war. Al-Qaida, so der Senator aus Illinois, sei trotz der 10 Milliarden Dollar, die monatlich in das Zweistromland gepumpt wurden, heute stärker als 2001. Deshalb, so Obama, wolle er Truppen aus dem Irak nach Afghanistan verlagern und sich intensiver mit dem Problem Pakistan beschäftigen.
Anschließend zählte der Demokrat auf, wo McCain in seinen früheren Einschätzungen überall falsch lag: dass die Amerikaner im Irak als Befreier begrüßt würden, dass sich Schiiten und Sunniten vertragen würden und dass der Krieg in Afghanistan 2003 schon gewonnen gewesen sei. Der Republikaner machte sich allerdings nicht die Mühe, darauf einzugehen.
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Bei der Frage zu einer möglichen Bedrohung durch den Iran brachte McCain sein Projekt einer League of Democracies vor. Obama dagegen äußerte Zweifel, ob ohne Russland und China tatsächlich ein höherer Druck auf den Iran ausgeübt und dessen nukleare Bewaffnung verhindert werden könnte. Der Irakkrieg war seiner Auffassung nach ein Geschenk an die Mullahs, die dadurch Einfluss auf den westlichen Nachbarn bekommen hätten. Auch auf dieses Argument ging McCain nicht ein, sondern kritisierte stattdessen die Bereitschaft des Demokraten, direkte Gespräche mit den politischen Führern von "Schurkenstaaten" zu führen. Obama verwies auf diesen Angriff hin darauf, dass Henry Kissinger, einer der Berater McCains, ebenfalls vorbedingungslose Gespräche mit dem Iran befürwortet.
Auf die Frage, ob Russland "Feind, Wettbewerber oder Partner" sei, bezeichnete der demokratische Kandidat das Vorgehen der Großmacht in Georgien als "aggressiv" und "nicht annehmbar". Er verwies darauf, dass er lange vor dem Beginn des Krieges die russischen-georgischen Friedenstruppen in Südossetien durch internationale ersetzen wollte und forderte den Rückzug aus den umstrittenen Gebieten sowie die Aufnahme der Ukraine in die NATO. McCain, der Saakaschwili als "großartigen jungen Präsidenten" bezeichnete und sagte, in Putins Augen "KGB" gelesen zu haben, nannte die Pipeline durch Georgien als einen der Hintergründe des Kaukasuskonflikts und machte den Eindruck, als ob er eine kriegerische Auseinandersetzung um die Ukraine sicher erwartet.
Die nächsten beiden Debatten finden am 7. Oktober in Tennessee und am 15. Oktober im Bundesstaat New York statt. Am 2. Oktober läuft ein Fernsehduell zwischen Sarah Palin und Joseph Biden, das nicht nur aufgrund der Medienpräsenz der Kandidatin mit der Amy-Winehouse-ähnlichen Frisur mit Spannung erwartet wird, sondern auch deshalb, weil der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat McCains Argumente in der Debattennachlese auf CNN wesentlich aggressiver zerpflückte, als dies Obama während der Debatte gelang.
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- Aha, die hardcore Spaßfarktion der Reps also (28.9.2008 21:36)
- echte Politik geht eben da nicht (28.9.2008 16:08)
- Problem des Diskurses (28.9.2008 16:02)
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