Mord in über 4.000 Fällen

Peter Mühlbauer 06.10.2008

Manson-Staatsanwalt Bugliosi will George W. Bush vor Gericht bringen

Vincent Bugliosi ist nicht irgendwer: Angeblich kam es in 105 von 106 Schwerverbrechensfällen, die er als Staatsanwalt vor Gericht brachte, zu einer Verurteilung. Berühmt wurde er aber vor allem durch den Prozess um die Tate-LaBianca-Morde, wo er argumentierte, dass Charles Manson diese zwar nicht persönlich ausgeführt, aber doch verursacht habe. Seit er mit Helter Skelter seine Version der Manson-Geschichte auf den Markt brachte, ist er Bestsellerautor.

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Dem Manson-Buch folgte unter anderem ein umfangreiches Werk über O.J. Simpson und den Morden an Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman, in dem Bugliosi detailliert darlegt, wie er mindestens 500 Stunden für die Vorbereitung eines Plädoyers aufgewendet hätte, das sich die damals zuständigen Ankläger Marcia Clark und Christopher Darden seiner Ansicht nach in der Nacht vor der Verlesung zusammenschusterten. Neben zahlreichen Prozessfehlern von Staatsanwälten, Richtern und Anwälten kritisiert er in dem Buch auch allgemein Schwächen des amerikanischen Justizsystems.

Auf Präsident George W. Bush hat es der ehemalige Staatsanwalt spätestens seit der Präsidentschaftswahl vor acht Jahren abgesehen. In der Nation schrieb er eine ausführliche Abhandlung, in der er das Bush-v.-Gore-Urteil des Obersten Gerichtshofs zerpflückt. Nun macht er in seinem Buch Anklage wegen Mordes gegen George W. Bush geltend, dass nach dem Ablauf von Bushs zweiter Amtszeit im Januar nächsten Jahres nicht nur jeder der 50 Attorney Generals in den einzelnen Bundesstaaten, sondern auch jeder Bezirksstaatsanwalt, in dessen örtlichem Zuständigkeitsbereich einer der Soldaten lebte, die im Irakkrieg fielen, Anklage wegen Mordes gegen den Texaner erheben könnte. Charlotte Dennett, die in Vermont für das Amt des Attorney General kandidiert, hat ein entsprechendes Vorgehen bereits angekündigt.

Grundlagen für solche Anklagen sieht Bugliosi darin, dass zahlreiche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass Bush den Irakkrieg unter Vorspiegelung falscher Tatsachen begann. Nach Ansicht des Juristen hat der Präsident den Kongress und die Öffentlichkeit hinsichtlich der Kriegsgründe und der Notwendigkeit eines Krieges absichtlich irregeführt. Als wichtigsten Beleg dafür sieht er eine Rede, die Bush am 7. Oktober 2002 hielt und in der er behauptete, dass der Irak eine unmittelbare Bedrohung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellen würde, weil er das Land jederzeit mit Massenvernichtungswaffen angreifen könne.

Um dies behaupten zu können, so Bugliosi, habe die Bush-Administration einen National Intelligence Estimate (NIE) so zensiert, dass der Irak in der für die Öffentlichkeit und den Kongress bestimmten Version als eine viel größere Bedrohung erschien, als er eigentlich darstellte.

Als Anhaltspunkt dafür, dass Bush unbedingt einen Krieg gegen den Irak beginnen wollte, sieht Bugliosi unter anderem den Druck, den seine Administration auf die Geheimdienste ausübte, damit sie Beweise für eine Zusammenarbeit von al-Qaida mit Saddam Hussein finden. Neben solchen Indizien präsentiert der UCLA-Absolvent auch eine ganze Reihe von Fragen, die er Bush im Rahmen einer Verhandlung stellen würde. Und sogar die Strafe, die er fordern würde, hat er bereits parat: Angesichts der Schwere der Verbrechen wäre seiner Ansicht nach eine Hinrichtung angemessen.

Bugliosi, Vincent: Anklage wegen Mordes gegen George W. Bush. München: dtv 2008. ISBN 978-3-423-24714-6

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