USA: Lebensmittel und Medikamente von genveränderten Tieren bald auf dem Markt

08.10.2008

Nachdem geklonten Tieren Unbedenklichkeit bescheinigt wurde, hat nun die zuständige US-Behörde FDA Richtlinien für die Zulassung von Produkten genveränderter Tiere ausgearbeitet

In den USA wurden bereits Produkte von geklonten Tieren von der zuständigen Food and Drug Administration (FDA) Anfang des Jahres für den menschlichen Verzehr als unbedenklich zugelassen. Milch oder Fleisch und daraus hergestellte Produkte müssen auch nicht gekennzeichnet werden. Geklonte Tieren seien praktisch in jeder Hinsicht mit herkömmlich gezüchteten Tieren identisch, weil ihre Gene nicht verändert wurden. Jetzt muss die FDA entscheiden, wie sie Lebensmittel beurteilt, die von genveränderten Tieren stammen.

Nach den geklonten Kühen kommen nun in den USA bald Fleisch und Milch von genveränderten Kühen auf den Tisch. Bild: F.R.

Auch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hatte in einem ersten Gutachten Milch und Fleisch von geklonten Rindern und Schweinen Unbedenklichkeit attestiert. Allerdings dann eine Befragung gestartet, nachdem die Europäische Gruppe der EU-Kommission für Ethik in der Wissenschaft und in den neuen Technologien (EGE) Bedenken angemeldet hatte. Es gebe noch zu wenig Wissen, hieß es, zudem wurde auf die erhöhte Erkrankungsrate der geklonten Tiere hingewiesen.

Ende August hat die EFSA nun das endgültige wissenschaftliche Gutachten veröffentlicht, das sich nur auf Kühe und Schweine bezieht, weil von anderen Tieren keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen. Obgleich ein erhebliches Risiko besteht, dass geklonte Tiere erkranken und vorzeitig sterben, seien Fleisch und Milch, wenn sie von gesunden Tieren stammen, unbedenklich für Menschen. Hier gäbe es keinen Unterschied zu herkömmlich gezüchteten Tieren. Da aber noch Erkenntnislücken bestehen, vor allem bei anderen Tierarten, wird weitere Forschung empfohlen.

Schwieriger wird es schon bei Tieren, die gentechnisch verändert wurden. Die FDA war zwar sehr freizügig, was die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen betrifft, und hat nirgendwo Bedenken gesehen, aber bei Tieren, die genetisch verändert wurden und "vererbbare rDNA-Kostrukte" enthalten, könnten die Verbraucher doch unruhiger werden. Für den Markt freigegeben wurde bislang nur eine genveränderte Zebrafischart, die im Aquarium gehalten wird und unter ultraviolettem oder schwarzem Licht rot glüht (Transgene Aquariumsfische). Jetzt aber steht die massenweise Haltung und Verwertung von genveränderten Tieren an, die nicht unter streng von der Umwelt abgeschlossenen Bedingungen oder unter Laborbedingungen leben.

Dabei geht es etwa auch darum, ob genveränderte Tiere ihre artfremden Gene auf freilebende oder auch als Haus- und Nutztiere gezüchtete Verwandten weitergeben können. Haltung von Turbolachsen, die schneller wachen und größer werden, von Kühen, die mehr Milch geben, von Tieren, deren Fleisch oder Milch nahrhafter oder gesünder ist, von Bienen, die Honig mit Wirkstoffen erzeugen, oder von Tieren, die Medikamente produzieren. Schon bei genveränderten Pflanzen sind die Bedenken groß, besonders wenn sie medizinische Wirkstoffe enthalten (Warnung vor Biopharming).

"Genetisch veränderte Tiere", so Randall Lutter von der FDA zur Veröffentlichung der Leitlinien für die öffentliche Konsultation, "versprechen große Fortschritte für die Medizin, die Landwirtschaft, die Umwelt und den Schutz neuer Materialien." Genveränderten Tieren werden DNA-Abschnitte eingefügt, um ihnen neue Eigenschaften zu geben. Deswegen stellen sie natürlich einen anderen Fall dar, als nur geklonte Tiere, deren Erbgut nicht verändert wurde.

Die FDA unterscheidet nach den Verwendungszwecken zwischen unterschiedlichen Klassen genveränderter Tiere:

  1. Biopharm-Tiere, also Tiere, die bestimmte medizinische Wirkstoffe für Tiere oder Menschen enthalten
  2. Tiere, die als Modelle für menschliche Krankheiten geschaffen werden
  3. Tiere, die "hochwertige" Produkte für Industrie oder Konsum produzieren
  4. Tiere, die zum Verzehr dienen und beispielsweise bessere Nährwerte enthalten, schneller wachsen oder geringere Emissionen von umweltschädlichen Substanzen abgeben

Die FDA betrachtet alles, was "die Struktur oder eine Funktion des Körpers des Menschen oder von Tieren beeinflusst", als Medikament. Daher werden die eingefügten Gene ebenfalls als Medikamente für Tiere behandelt und geprüft, unabhängig davon, ob das Tier dem Verzehr oder einem andern Zweck dient. Die Hersteller müssen nachweisen, dass die Genveränderung der Gesundheit des Tieres nicht schadet und dass das Produkt von einem genveränderten Tier, das zum menschlichen Verzehr angeboten werden soll, für den Menschen unbedenklich ist.

Das ist schon immerhin mehr, als für genveränderte Pflanzen verlangt wird, die angebaut werden und als Lebensmittel auf den Markt kommen. Offenbar will die FDA aber ebenso wenig bei Produkten von genveränderten Tieren verlangen, dass diese ausgezeichnet werden. Die Konsumenten sollen also gar nicht wissen, ob sie das wollen, was sie kaufen. Die Frage ist überdies, wie transparent die FDA ihre Entscheidungen machen wird – und ob und wie die Folgen für die Umwelt bewertet werden, die etwa auftreten, wenn genveränderte Tiere entkommen und sich unkontrolliert vermehren können.

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