Düstere Aussichten für Irak, Afghanistan und Pakistan

16.10.2008

Berichte der US-Geheimdienste warnen vor neuen Konflikten im Irak, dem wachsenden Widerstand in Afghanistan und dem Pulverfass Pakistan

Schon der Bereicht aller US-Geheimdienste zu Afghanistan enthielt die Warnung, dass die Lage in Afghanistan alles andere als gut ist. Es ist die Rede von einer weiter drohenden Abwärtsspirale. In Vorbereitung ist auch ein National Intelligence Estimate zu Pakistan, dessen Grenze- und Stammesgebiete als Rückzugs- und Organisationsraum für Taliban und al-Qaida gelten, die mehr und mehr nicht nur in Afghanistan kämpfen, sondern auch Anschläge in Pakistan durchführen. Die Situation im Atomwaffenstaat Pakistan, dem Alliierten der USA im Kampf gegen den Terrorismus, wird im Bericht nach Auskunft eines Geheimdienstmitarbeiters nun ebenfalls als "sehr schlecht" bezeichnet.

Pakistan gilt wegen seiner politischen Instabilität schon lange als eine tickende Bombe, als eines der gefährlichsten Länder der Welt, zumal es Atommacht ist und auch der Konflikt mit Indien weiter schwelt. Nach dem Geheimdienstbericht, der sich noch im Entwurfsstadium befindet und über den Mitautoren unter der Bedingung der Anonymität McClatchy informiert haben, ist das Land durch einen wachsenden islamistischen Widerstand, gestärkt durch die Unentschlossenheit der Armee, diesen zu bekämpfen, durch innenpolitische Kämpfe und wirtschaftlichen Niedergang mit Energie- und Nahrungsknappheit bedroht: "Kein Geld, keine Energie, keine Regierung."

Bezweifelt wird, ob die US-Regierung tatsächlich wie geplant Truppen aus dem Irak abziehen und die militärische Präsenz nach dem Vorbild des "Surge" im Irak in Afghanistan erhöhen kann. Offenbar gehen auch die Geheimdienste nicht davon aus, dass die pakistanischen Atomwaffen in die Hände von Terroristen fallen könnten. In den Grenzgebieten zu Afghanistan aber würden die islamistischen Extremisten stärker, die pakistanische Regierung bekämpft diese aber nicht entschlossen, weil die immer wieder vorkommenden Angriffe des US-Militärs mit bewaffneten Drohnen und auch mit Hubschraubern antiamerikanische Gefühle verursachen. Diese schwappen dann auch auf die Regierung über, der vorgeworfen wird, ausländische Truppen im eigenen Land operieren zu lassen.

Die Geheimdienstberichte über Irak, Afghanistan und Pakistan sollen eine Grundlage für strategische Entscheidungen der US-Regierung und des Pentagon nach den Präsidentschaftswahlen bilden. Dabei geht es dann auch unter den Bedingungen der Finanzkrise, die das wirtschaftliche und politische Gewicht der USA verändern können, ob und eben wie der von der Bush-Regierung mit gewaltigen Kosten betriebene "Globale Krieg gegen den Terror" (GWOT) weitergeführt wird. Mit leeren Kassen und einer wachsenden Verschuldung wird auch das Pentagon mit Kürzungen beim Haushalt rechnen müssen, während der Druck der neuen US-Regierung auf die Verbündeten wachsen wird, sich militärisch und finanziell stärker zu beteiligen.

Auch der Geheimdienstbericht über die Situation im Irak ist trotz der in der letzten Zeit stark abgesunkenen Gewalt nicht sonderlich optimistisch. Gewarnt wird, dass die Kämpfe zwischen Sunniten und Schitten jederzeit wieder aufflammen können. Die zeitweise Truppenaufstockung (The Surge) sei auch nicht, wie die Bush-Regierung dies gerne darstellt, alleine für den Rückgang der Gewalt verantwortlich. Dazu beigetragen haben auch der von as-Sadr erklärte Waffenstillstand sowie die Bürgerwehr, die vor allem Sunniten und auch zahlreiche frühere Aufständische integrierte. Diese lokalen Gruppen, bewaffnet und bezahlt vom Pentagon, sorgten für Ruhe, betrieben aber weiter die ethnische Säuberung und könnten sich jetzt wieder in Widerstandsgruppen oder Milizen verwandeln, wenn sich die US-Regierung zurückzieht und die von Schiiten dominierte Regierung nicht alle in das Militär oder die Polizei übernimmt.

Der Einfluss Irans könnte ebenso für Unsicherheit sorgen wie die vielen Millionen Flüchtlinge im In- und Ausland, wenn sie zurückkehren wollen, die weiter bestehende Arbeitslosigkeit oder die ungeklärte Frage, wer die Ölressourcen in Regionen wie Kirkuk kontrollieren soll.

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