Zierliche Mädchen im quantentheoretischen Partisanenkrieg

Matthias Huber 19.10.2008

Die Terminator-Fernsehserie "The Sarah Connor Chronicles" schickt die Ballet-tanzende Killermaschine und Vorzeigeschwester Summer Glau in den Zeitreise-Krieg

Arnold Schwarzenegger war erst Todfeind der Mutter, dann ein Vaterersatz für den zwölfjährigen John Connor. Linda Hamilton gab die Mutter dazu, hilflos, bis sie diese Rolle annehmen konnte, dann schließlich wurde sie zur überzeichneten Krieger-Mama. Die Fernsehserie "The Sarah Connor Chronicles" ignoriert den Bombast des dritten "Terminator"-Films, sondern konzentriert sich auf die Fortsetzung der Motive im Mikrokosmos der Urfamilie Connor. Durch die Vermischung von Pop und Politik schreibt sich die Serie dabei in die Geschichte eines Post-9/11-Amerikas.

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Alles begann vor seiner Geburt: Im ersten "Terminator"-Film gab es diesen zukünftigen Retter der Menschheit namens John Connor noch nicht, sondern nur dessen Mutter, eine schüchterne Kellnerin. Und es gab diese Killermaschine in Gestalt von Arnold Schwarzenegger, die ihr auf den Fersen war. Der Film erzählte quasi von der Mannwerdung dieser Frau, von ihrer Entwicklung zu einer selbstbestimmten Heldin, und ebnet damit den Weg für diese neuzeitlich-martialische Mariengestalt, die sich im zweiten Film mit gewaltigen Waffenarsenalen eindecken wird, um ihren Sohn zu beschützen. Auch Schwarzenegger kehrte darin zurück, und James Cameron formulierte in der Dreiecksbeziehung zwischen ihm, Sarah und John Connor eine wunderbare Familiengeschichte, um die Echtheit falscher Eltern ebenso wie um die Rollen, die sie für eine Adoleszenzentwicklung spielen.

"Terminator 3" schließlich fuhr den ganzen mühsam etablierten Mythos um die bevorstehende techno-okkulte Apokalypse in eine Sackgasse - unterhaltsam zwar, aber dank des krachigen Kriegsausbruchs an seinem Ende gleichzeitig absolut endgültig. Der Fokus lag seinem Regisseur Jonathan nicht mehr auf dem familiären Mikrokosmos oder auch nur auf John Connor, dem widerwilligen Heilsbringer, sondern nur noch auf dem archaischen Cameo-Helden, wieder in Gestalt von Schwarzenegger. "The Sarah Connor Chronicles" geht diesen Weg zurück, ignoriert den dritten Film nicht nur, sondern macht ihn im Terminator-Universum via Zeitreise komplett ungeschehen. Gleichzeitig ist die Serie der logische nächste Schritt, um die Held- und Messiaswerdung Johns zu zeichnen, bevor er in Gestalt von Christian Bale ab Sommer 2009 in einer neuen Filmtrilogie seine Bestimmung erfüllt.

Die Geschichte Sarahs ist bereits mit Camerons "Judgement Day" zuende erzählt gewesen, und trotz des irreführenden Titels ist die Mutter in der Serie eher Randfigur: Spartaner-Königin Lena Headey tritt als kühle und verschlossene Beobachterin in Linda Hamiltons Fußstapfen, weniger phallisch in ihrem Auftreten - klar, nach der Vater-Erfahrung in Teil zwei ist die Notwendigkeit, ihrem Sohn ein maskulines Rollenideal abzugeben, nicht mehr gegeben. Sarah ist hier nur noch eine Marienrolle, hat die emanzipierte Kämpferin hinter sich gelassen und die Liebe zu ihrem Sohn längst einem utilitaristisch-militärischen Schliff geopfert. Sarah Connor ist zwar Mutter, aber weniger ihres Sohnes als vielmehr der zukünftigen Menschheit, und wenn "The Sarah Connor Chronicles" sich einmal tatsächlich ihr widmet, dann erzählt die Serie vom Scheitern ihrer Bemühungen, immer dann, wenn sie es eben zu sehr probiert.

In Friedmans Terminator-Universum bricht sich der bittere Determinismus der ersten beiden Filme an der Hoffnung, dem Schicksal eben doch nicht ganz ergeben zu sein. Im Plot spiegelt sich das an den Konflikten mit ihrem Sohn, der zunehmend sein designiertes Heldendasein schon jetzt annehmen will, während sie - ganz Mutter, aber auch ganz die vorsichtig kalkulierende - ihn stets zurückhält. Anstatt sich also wieder dem altbekannten Sarah-Charakter zu widmen, bezeichnet der kluge Serientitel also weniger die "Chronicles" über sie, sondern von ihr, weist sie als Autorin eines zeitgeschichtlichen Dokuments aus, und lässt den Charakter folgerichtig ständig aus dem Off das Geschehen kommentieren. "The Sarah Connor Chronicles" etabliert damit einen distanzierten, beinahe analytischen Blick direkt in ihren Plot.

The neverending war

Am Ende der ersten Folge - die Handlung spielt im Jahr 1999, der ursprüngliche Judgement Day ist abgewehrt - steht eine Zeitreise in das Jahr 2007, und Friedman nutzt diesen Plot-Kniff, um den Terminator-Mythos in eine Zeitgeschichte einzuschreiben, die nach dem 11. September 2001 einsetzt. Als sich Sarah - ausgerechnet von ein paar lateinamerikanischen Drogendealern - erklären lässt, was denn "nine-eleven" sei, blendet der Ton aus: Wir sehen nur die beiden wild gestikulierenden Gang-Mitglieder, und hören Sarah: "I can not imagine the apocalypse. I can imagine planes hitting buildings", und "If I would have witnessed it, I would have thought that we have failed."

Der Kampf gegen die Terminatoren muss ab hier ganz unverblümt als Allegorie auf den "war on terror" herhalten, und Friedman erweitert die Minimal-Plots der Filme logisch: Überall gibt es Gruppierungen von in der Zeit Zurückgereisten, die eine Art quantentheoretischen Partisanenkampf führen. Da gibt es Roboter, die bereits jetzt Rohstoffe für ihre eigene Herstellung horten, oder die bestimmte Schlüsselfiguren in der Entwicklung des weltbeherrschenden Computernetzwerks "SkyNet" unterstützen oder beschützen - vor wiederum menschlichen "Zellen", die ihre Ermordung zum Ziel haben, oder eben die Sabotage zukünftiger Cyborg-Fertigungsanlagen.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind in den "Sarah Connor Chronicles" längst nicht mehr anhand der Methoden ihrer Akteure zu ziehen, vielmehr bildet die Connor-Familie (samt Johns Ersatzschwester in Gestalt der zierlichen Kampfmaschine Cameron - Summer Glau aus "Firefly") den moralischen Kompass, der zwischen beiden Seiten oszilliert. Die Rettung der Menschheit - und genau an dieser Erkenntnis scheitert Sarah lange Zeit - ist hier längst auch eine Rettung der Menschlichkeit vor allzu utilitaristischem Denken.

Auf der anderen Seite machen diese Querverknüpfungen der bevorstehenden - nur aufgeschobenen - Apokalypse auch deutlich, dass der Krieg, der hier geführt wird, niemals gewonnen oder verloren werden kann: Mit der Eröffnung der Möglichkeit der Reise in die Zukunft für beide Konfliktparteien ist jede Ereignis-Folge-Kette restlos durchbrochen, für jede Niederlage besteht eine unendliche Zahl an Versuchen, begangene Fehler auszumerzen, ebenso wie jeder Sieg nur so lange gültig ist, bis er von der Gegenseite wieder ungeschehen gemacht wurde. Liest man "The Sarah Connor Chronicles" mit dieser Überlegung im Hinterkopf weiterhin als die oben vorgeschlagene Allegorie, dann wird deutlich, wie das Serienkonzept in das Programm des konservativen Senders Fox passen konnte. Friedmans Projekt allerdings nur auf eine düstere Neocon-Vision zu reduzieren, täte der Komplexität und Durchdachtheit der Serie Unrecht. Und ein schönerer Franchise-Beitrag als "Terminator 3" ist das Ergebnis noch dazu.

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28946/1.html
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