USA: Waffen haben Konjunktur
Mögliche Gründe liegen in der Finanzkrise und in der Erwartung strengerer Gesetze
In Amerika zeichnet sich in Folge der Finanzkrise eine Konsumkrise ab: Bei Autos, Möbeln und Kleidung wird zurückhaltender gekauft. Bei Waffen geht der Trend dagegen in die andere Richtung. Der Statistik des National Instant Criminal Background Check Systems (NICS) nach wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 8,4 Millionen Überprüfungen von Waffenkäufern durchgeführt, im Jahr davor waren es für den gleichen Zeitraum nur 7,7.
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Von der Washington Post durchgeführten Befragungen zufolge kommen vor allem zwei Gründe für diese dem allgemeinen Trend entgegenlaufenden Verkaufszahlen in Frage: In Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs steigt die Angst vor Gewaltkriminalität und Unruhen, was traditionell zu einem höheren Waffenabsatz führt. Hinzu kommen die speziellen Folgen der Finanzkrise, welche die Angst vor Bankenpleiten und Inflation schürt. Amerikaner haben eine Option, die deutschen Anlegern nur bedingt offen steht: Ein Anlagemix aus Edelmetallen und Waffen. Wohlgemerkt – nicht Waffenaktien, sondern Waffen, mit denen sie ihre zuhause angehäuften Edelmetalle schützen können.
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| Colt AR-15 |
Ein zweiter Grund liegt in den Umfragen für die Wahlen am 4. November, bei denen nicht nur der Präsident, sondern auch das Repräsentantenhaus und ein Teil des Senats neu gewählt werden. Sie deuten darauf hin, dass die Demokraten nach den Wahlen am 4. November deutliche Mehrheiten in beiden Parlamentskammern dazu nutzen könnten, lange in den Schubladen befindliche Pläne für ein deutlich schärferes Waffenrecht umzusetzen.
Barack Obama, der Kandidat mit den eine Woche vor der Wahl besten Chancen auf die nächste Präsidentschaft, gab sich in dieser Frage bisher ausgesprochen zurückhaltend und deutete (ohne sich spezifisch über die Art und Weise zu äußern) lediglich an, dass die Zahl automatischer Waffen in den Händen von Kriminellen verringert werden sollte. Insofern sind Waffenliebhaber verunsichert, wie genau Obama dies bewerkstelligen will und inwieweit sich dies auf die eigenen Möglichkeiten auswirkt, Waffen zu erwerben. Allerdings bleiben dem demokratischen Kandidaten allein aus wahltaktischen Gründen wenig andere Optionen als die Einnahme einer moderat-unscharfen Position. Würde er sich ähnlich Waffenbegeistert geben wie beispielsweise Sarah Palin, dann könnte es sein, dass manch weißer Wähler Angst vor ihm bekommt und "der Schuss nach hinten losgeht".
Aber auch John McCain ist trotz seiner elchjagenden Vizepräsidentschaftskandidatin alles andere als ein Wunschkandidat der NRA. Vor allem sein Eintreten für eine Überprüfung der Käufer von Waffen auf so genannten Gun Shows hängt ihm in dieser Hinsicht nach. Und nachdem sich am Sonntag ein Achtjähriger auf solch einer Veranstaltung in Massachusetts beim beaufsichtigten Ausprobieren einer Uzi offenbar unabsichtlich in den Kopf schoss, dürften die Diskussionen um eine stärkere Regulierung dieser wandernden Waffenmessen bald wieder in Gang kommen.
Tatsächlich liegt es deshalb nicht ganz im Bereich des Unwahrscheinlichen, dass bereits früher gültige Einschränkungen beim Kauf von Waffen wieder eingeführt werden. Davon könnten etwa Sturmgewehre wie das AR-15 oder extragroße Magazine, deren Verkauf an Zivilisten von 1994 bis 2004 durch den Violent Crime Control and Law Enforcement Act (VCCLEA) verboten war, betroffen sein. Bereits am 12. Juni wurde im Repräsentantenhaus ein Gesetzentwurf eingebracht, der den Verkauf erneut und ohne zeitliche Beschränkung verbieten soll.
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