Der Geheimdienst und die Börse

03.11.2008

Eine Studie nährt den Verdacht, dass CIA-Mitarbeiter, Politiker oder Manager sich im Vorfeld von "Aktionen" mittels Insider-Geschäften bereicherten

Die Wirtschaftswissenschaftler Arindrajit Dube, Ethan Kaplan und Suresh Naidu untersuchten für ihre Studie Coups, Corporations, and Classified Information, wie der Aktienmarkt in der Vergangenheit auf Umstürze und Umsturzversuche reagierte, die von der CIA initiiert oder unterstützt wurden. Dazu verglichen sie die Kurse solcher Firmen, die hoffen konnten, dass mit den Coups eine Veränderung der lokalen Rechtslage zu ihren Gunsten eintritt, mit Informationen aus historischen Geheimdokumenten, die durch den Freedom of Information Act mittlerweile einsehbar sind.

Die Untersuchung brachte relativ deutliche Indizien dafür, dass CIA-Mitarbeiter, Politiker oder Manager, die an der Planung von Umsturzvorhaben beteiligt waren, mit ihrem Wissen Profite an der Börse machten. Die Kursgewinne fielen nämlich vor allem an den Tagen besonders stark aus, die entscheidenden Ereignissen wie Beschlüssen in Geheimtreffen und nicht öffentlich ausgesprochenen Genehmigungen durch die Regierung folgten. Würde es diese sehr genauen Korrelationen nicht geben, dann könnte man spekulieren, dass einige Aktienhändler ein besonders gutes Gespür für weltpolitische Entwicklungen hatten – die Konzentration der Kurssteigerungen auf genau diese Tage lässt sich dagegen mit solch einer Hypothese nicht mehr erklären.

Der unterschiedliche Grad der Kurssteigerungen in den einzelnen untersuchten Fällen legt zudem nahe, dass den Aktienkäufern auch die unterschiedlichen Chancen der Umsturzversuche und damit wahrscheinlich auch Details zur Ausführung bekannt waren: Der Kursanstieg von American Sugar vor der Invasion in der Schweinebucht fiel beispielsweise deutlich geringer aus als der anderer Gewinnerfirmen vor anderen CIA-geförderten Unternehmungen. Als sich die Forscher an die amerikanische Börsenaufsicht, die Securities and Exchange Commission (SEC) wandten, um herauszufinden wer die damaligen Käufe tätigte, stellte sich diese jedoch auf den Standpunkt, dass der Freedom of Information Act die Herausgabe solcher Informationen nicht umfassen würde, weshalb offen bleibt, wer genau von den Insidergeschäften profitierte.

Die konkretesten Hinweise darauf, welche Personen bzw. Familien Insider-Geschäfte getätigt haben könnten, lieferte die Entwicklung des Börsenkurses der später in Chiquita Brands International umbenannten United Fruit Company, die 1954 von einem Umsturz in Guatemala profitierte. Der bis 1944 regierenden Diktator Jorge Ubico Castaneda und mehrere seiner Vorgänger hatten dort eine Politik betrieben, die den Interessen großer amerikanischer Firmen deutlich mehr entgegenkam als den Einwohnern der Bananen- und Kaffeerepublik. Vor allem die United Fruit Company hatte von dieser Politik und ihrer Anfälligkeit für Korruption profitiert und war unter anderem dadurch zum größten Landbesitzer in Guatemala geworden.

1952 kam unter dem demokratisch gewählten Präsident Jacobo Arbenz Guzman ein Landreformgesetz zustande, das an den US-amerikanischen Homestead Act von 1862 angelehnt war. Es gab der Regierung die Möglichkeit, Brachland unter bestimmten eng gefassten Bedingungen gegen Zahlung einer Entschädigung an Kleinbauern zu übertragen. United Fruit, der größte Landeigentümer in Guatemala, war mit einer Brachquote von 85 Prozent einer der Hauptbetroffenen des neuen Gesetzes. In ihrer Steuererklärung hatte die Firma den Wert der umstrittenen Flächen mit drei Dollar pro Acre angegeben. Als die Regierung eine Entschädigung in dieser Höhe anbot, machte die United Fruit geltend, dass das Land tatsächlich 75 Dollar pro Acre wert sei.

Das Unternehmen hatte zwar keine Erklärung für die plötzliche Wertsteigerung, dafür aber ausgezeichnete Kontakte zur damaligen US-Regierung: Der im US-Außenministerium für Lateinamerika zuständige John Moors Cabot war der Bruder des United-Fruit-Präsidenten Thomas Cabot. Der Außenminister selbst, John Foster Dulles, hatte für United Fruit gearbeitet und sein Bruder Allen Dulles war sowohl Direktor der CIA als auch im Vorstand des Unternehmens. In einer Reihe von Geheimtreffen entschieden Ministerium und Geheimdienst, dass Arbenz gestürzt werden sollte. Für den Erfolg dieses Plans reichte eine Truppe von 400 Söldnern, die Castillo Armas als neuen Präsidenten installierte, der nicht nur die Landreformen umgehend rückgängig machte, sondern auch praktisch alle Arbeitnehmerschutzrechte strich.

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Hallo, Mr. President ...

CIA-Direktoren hatten mit ihren Präsidenten schon immer ein Kommunikationsproblem

Bananen gegen Gewehre

Das Unternehmen Chiquita Brands hat über Jahre hinweg rechte Paramilitärs in Kolumbien finanziert. Im Land haben dieser und andere Fälle bislang keine Konsequenzen

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