Nach den Islamisten kommen die Ökoterroristen

10.11.2008

Die islamistischen Selbstmordattentäter wollen nur einen Gottesstaat, die Ökoterroristen wollen angeblich die Menschheit um 80 Prozent reduzieren …

Politik und Medien leben auch davon, dass ständig neue Gefahren aufgeboten werden. Skandale und Enthüllungen sind zwar auch nicht schlecht, aber gut kompatibel arbeiten Medien und Politik zusammen, wenn es gilt, den Menschen die nächste Bedrohung zu präsentieren. Möglicherweise haben dies Medien und Politik auch mit den Terroristen gemeinsam, schließlich fabrizieren sie die schlechten, d.h. guten Nachrichten, oder sie müssen fabriziert werden, um solche zu erzeugen.

Allmählich scheinen, vermutlich auch mit dem Abgang von George W. Bush als Präsident verbunden, die islamistischen Terroristen und Schläfer, die die Frontline am Hindukusch und im Irak in die USA und nach Europa verlegen, an Bannkraft zu verlieren. Zu lange ist nichts mehr passiert, zu viele Pläne erwiesen sich als unausgereift, zu sehr werden möglicherweise auch die Militäreinsätze nicht als Befriedung, sondern als Grund für Gegenschläge empfunden. Milliarden wurden für den Heimatschutz ausgegeben, viele Bürgerrechte geopfert, die Privatsphäre durchlöchert.

Auch wenn die Angststufe in den USA und Großbritannien offiziell noch hoch gehalten wird, so hat sich jeder schon daran gewöhnt, die angeblich schwere Gefahr zu verdrängen oder eher: die Meldung als unwahr zu betrachten. Seit Jahren ist in den USA die Bedrohungslage unverändert "elevated, in Großbritannien "severe". Angstökonomisch und sicherheitsstrategisch ist es dumm, bei ausbleibenden Anschlägen die Gefährdungslage nicht zu verändern. Dann hat man zwar, bürokratisch, nichts falsch gemacht, sollte doch etwas passieren, aber man untergräbt das Vertrauen und fördert die Schläfrigkeit, wenn sich nichts ereignet. Immerhin, die Briten haben ein wenig mehr gespielt und zwischen "critical" und "severe" abgewechselt.

Trotzdem scheinen in Großbritannien die – wie überall - mit viel Geld ausgestatteten Sicherheitsbehörden allmählich Angst zu bekommen, nicht mehr so wichtig genommen zu werden, d.h. finanziell beschnitten zu werden. Also müssen neue Gefahren beschworen werden. Gerade erst ist ein angeblich geheimer Bericht an die Medien durchgesickert, dass es in Großbritannien tausende gewaltbereite islamistische Extremisten geben soll, da folgt schon die nächste Enthüllung. Jetzt droht angeblich Gefahr von radikalen Umweltschützern.

Die Öko-Terroristen hoffen nicht, als Märtyrer für den Dschihad gegen die Ungläubigen ins Paradies zu den lieblichen Jungfrauen zu kommen, sie sollen sogar noch uneigennütziger sein. Da sie für die Rettung der Natur eintreten, richten sie sich gegen die gesamte Menschheit und treten nicht für eine bestimmte Population ein. Nur wenn man die Menschheit reduziert, also vier Fünftel ausrottet, könne das Leben auf dem Planeten weiter existieren, sollen sie glauben und entsprechende Massenvernichtungspläne hegen.

Angeblich hätte eine britische Spezialeinheit der Polizei, die National Extremism Tactical Co-ordination Unit, insbesondere Anhänger der Gruppe Earth First! im Auge. Deren Ideologie könne einen Einzeltäter dazu verführen, einen Terroranschlag auszuführen, um viele Briten zu töten. Angeblich, so berichtet der Guardian, würden die Ökoterroristen gerade eine Liste von Unternehmen erstellen, die als Klimasünder gelten. Die Einheit überwacht Blogs und Internetkommunikation, um Näheres herauszufinden und wahrscheinlich auch, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Ein Mitglied dieser Einheit habe dem Guardian, natürlich anonym, gesagt, dass man Äußerungen gefunden habe, dass 80 Prozent der Menschen sterben müssten, um das Überleben von anderen Arten zu gewährleisten. Es gebe auch eine Reihe entschlossener Personen, die gefährlich werden könnten.

Zwar hätten die möglichen Ökoterroristen noch nicht begonnen, aber sie könnten eine Einschüchterungs- und Angstkampagne beginnen, sagt die Polizei, wie der Guardian treu berichtet. Sie könnten eine "Strategie und eine Taktik" finden, soll der Informant gesagt haben. Verwiesen wird auf ein Statement auf der Webseite von Earth First!

Exploitation of the environment and people by the state and industry go hand in hand. They cannot be separated and both must be attacked. Social war, not climate chaos.

Von den Umweltschützern heißt es allerdings, dass sie keine Gewalt ausüben und dass sie Menschen als Teil der Natur betrachten. Kapitalismus sei das Problem, nicht die Bevölkerungszahl.

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Ralf Bendrath 18.09.2001

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