Irritiert über die Zurückhaltung und Verschlossenheit der deutschen Bevölkerung..

..aber auch ein Gefühl der Sicherheit: "Bildungsflüchtlinge" in Deutschland. Gespräch mit der Kulturwissenschaftlerin Wiebke Aits

Die Migration der besseren Bildung willen ist zu einem wichtigen Vektor der Wanderungsbewegungen rund um den Globus geworden. Deutschland ist dabei ein bevorzugtes Ziel von jungen Menschen, die Wiebke Aits in ihrem gleichnamigen Buch als "Intellektuelle Grenzgänger" bezeichnet. Telepolis sprach mit ihr über das Thema ihres Buches: Bildungsmigranten aus Nordafrika.

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Rund 10.000 Studierende aus den Maghreb-Ländern in der BRD. Warum kommen diese jungen Männer und Frauen hier her? Studieren kann man auch in Tunesien , Algerien und Marokko?

Wiebke Aits: Ja natürlich. Einige haben vor der Migration in ihren Herkunftsländern auch bereits ein ganzes Studium oder einige Semester absolviert. Gründe für eine Migration gibt es dennoch verschiedene. Neben persönlichen Motiven, Neugier und Interesse, aber auch der schwierigen politischen Situation, wie es sie etwa in Algerien während des Bürgerkriegs gab, sind es vor allem wirtschaftliche Gründe.

Im Maghreb gibt es eine starke Verjüngung der Gesellschaften und die Arbeitslosigkeit, insbesondere bei jungen Menschen, ist sehr hoch. Eine Arbeit zu finden, einen Studienplatz oder sich weiter zu qualifizieren ist oftmals schwierig. Ein Auslandsstudium wird deshalb als Möglichkeit gesehen, die eigenen Berufsperspektiven und die finanzielle Situation zu verbessern. Die akademische Ausbildung in Deutschland, gerade in technischen Fächern, gilt als sehr qualifiziert und wird zudem in den Herkunftsländern hoch angesehen. Der größte Teil nordafrikanischer Studierender ist hier in Studiengängen der Ingenieurswissenschaften, Naturwissenschaften und Mathematik eingeschrieben.

Gehört diese Bildungsmigration zum so genannten "Brain Drain", unter dem die 3. Welt leidet, oder wollen die Studenten wieder zurück in ihre Heimatländer?

Wiebke Aits: Es wurde generell festgestellt, dass Bildungsmigration oftmals ein Schritt zur permanenten Migration ist, viele Absolventen also nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Für viele nordafrikanische Studierende gilt das sicherlich ganz genauso. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass sie viele Jahre in Deutschland gelebt haben, ihr Lebensmittelpunkt sich hierher verlagert hat und sie neue Beziehungen aufgebaut haben.

Eine Rolle spielt natürlich auch, dass sie ihre universitäre Ausbildung hier absolviert haben und sich während des Studiums, etwa durch Praktika oder Abschlussarbeiten, oftmals bereits Kontakte zu hier ansässigen Institutionen und Firmen ergeben haben, die eventuell eine Berufsperspektive, vielleicht auch in anderen Ländern, bieten.

Sie haben drei Fälle untersucht. Was für ein sozialen und kulturelle Background haben diese Studenten?

Wiebke Aits: Alle drei Studenten sind junge Männer [1], die im Alter von 26-29 Jahren nach Deutschland gekommen sind. Sie hatten bereits im Maghreb studiert, lebten dort in Großstädten, haben viele Geschwister und in ihren Familien gab es bereits Migrationserfahrungen. Dennoch unterscheiden sie sich in vielen Punkten enorm. Das betrifft insbesondere die familiäre, finanzielle und soziale Situation, aber auch ihren Bildungsweg und die Migrationsmotive.

Mangelndes Interesse und Klischees der deutschen Studenten

Mit welchen Problemen sind die jungen Menschen in Deutschland konfrontiert?

Wiebke Aits: Zu Beginn sind das vor allem Sprachschwierigkeiten und fehlende Kontakte vor Ort. Die Studierenden müssen sich erst einmal in einer neuen Umgebung, im Alltag und auch im universitären System relativ alleine zurechtfinden. Zudem ist die finanzielle Situation für die Studenten oftmals sehr schwierig. Sie müssen ihren Lebensunterhalt und das Studium selbst finanzieren, also dementsprechend viel nebenher arbeiten, was natürlich auch Auswirkungen auf den Studienverlauf hat.

Also ganz ähnliche Probleme, wie sie auch deutsche Studenten haben.

Wiebke Aits: Nicht ganz, muss man sagen. Denn die Forschung hat gezeigt, dass sich die befragten Studenten sehr wenig gesellschaftlich anerkannt und integriert fühlen. Die Kontakte zu deutschen Kommilitonen oder zur Bevölkerung sind für sie nicht einfach zu gestalten, also gar nicht so selbstverständlich, wie man das annehmen könnte.

Woran liegt das? An ihrer arabischen Herkunft, ihrer muslimischen Religionszugehörigkeit?

Wiebke Aits: Die Studierenden führen das auf mangelndes Interesse und insbesondere auch auf Vorurteile zurück, die ihnen gegenüber existieren und die sich auf ihre arabische, afrikanische und/oder muslimische Herkunft beziehen. Auch im gesellschaftlichen Diskurs und den Medien werden ja insbesondere muslimische Migranten und arabische junge Männer als potentielle Gefahr stigmatisiert. Seit dem 11. September ist das wohl noch sehr viel offensichtlicher. Mit diesen Bildern müssen sich die Studierenden auch auseinandersetzen.

Im Hinblick auf die Religion, den Islam, schildert der marokkanische Student beispielsweise, wie irritierend und verletzend es für ihn ist, dass er in seiner Migrationssituation beständig seine religiöse Zugehörigkeit in Frage gestellt sieht und rechtfertigen muss, die für ihn selbst ja sehr positiv besetzt ist und vorher auch ganz selbstverständlich in seinen Alltag integriert war.

Er ist also plötzlich der Fremde, der diskriminiert und ausgegrenzt wird?

Wiebke Aits: Ja, die Studenten erleben das so. Immer wieder werden sie auf bestimmte Elemente ihrer Identität reduziert oder bekommen diese zugeschrieben. Sie werden beständig als Fremde wahrgenommen, die nicht wirklich dazuzugehören.

Und doch: ein bisschen zuhause

Und wie beurteilen die Studenten selbst ihre Rolle in Deutschland? Fühlen sie sich zugehörig?

Wiebke Aits: Sie leben in dieser Gesellschaft und fühlen sich ihr in vieler Hinsicht auch zugehörig, es ist hier natürlich auch ein Stück Zuhause geworden. Abgelehnt zu werden, erschwert die Lebenssituation natürlich enorm und das bedeutet für die persönliche Entwicklung auch, immer wieder eingeschränkt zu werden und Grenzen zu erleben. Viele Fähigkeiten und Potenziale können dann oftmals gar nicht genutzt werden. Die Studenten schildern etwa, ihre Spontaneität verloren zu haben, sich teilweise auch zurückzuziehen, das ist dann auch mit Einsamkeitsgefühlen verbunden.

Ich nehme an, derartige Situationen verstärken das Heimweh?

Wiebke Aits: Heimweh spielt natürlich eine große Rolle. Das Fehlen der Familie und früherer Freunde, der Sprache, der vertrauten Umgebung und auch des Alltagslebens mit allen Erinnerungen ist für die Studenten nicht leicht. Das alles gibt es ja so nicht mehr oder wird vielmehr nur noch in einem transnationalen Kontakt und bei Besuchen im Herkunftsland erlebt. Das bedeutet aber ja auch das Fehlen einer bestimmten kulturellen Umgebung und das kann auch zu Krisen führen.

Konflikte aufgrund von kulturellen Unterschieden gibt es aus Sicht der Studierenden zwar auch, jedoch sehr viel weniger. Denn zumeist schaffen sie es ganz gut, Verschiedenheiten und widersprüchliche Situationen auszuhalten und zu gestalten. So auch die eigenen, manchmal konträren Bedürfnisse.

Problematisch sind vielmehr die bereits erwähnten Fremdzuschreibungen, die sie auf eine bestimmte kulturelle Zugehörigkeit reduzieren und dabei oftmals auch abwerten. Und auch der Minderheitenstatus, den sie in der Gesellschaft erfahren. Das ist ja eine Situation, die sich erst durch die Migration ergibt und die sie vorher gar nicht kannten. Das ist schon eine sehr große Veränderung. Die Bewältigung dieser Erfahrungen ist häufig auch mit Identitätskonflikten verbunden und vielen Fragen nach dem richtigen Weg. Manche empfinden beispielsweise einen starken Druck, sich verändern zu müssen, um akzeptiert zu werden.

In jeder Großstadt, ja selbst an jeder Uni gibt es eine "arab community". Bieten diese nicht ein Stück Halt und Heimat?

Wiebke Aits: Ja, diese Beziehungen werden von den Studenten als sehr wichtig und stabilisierend beschrieben. Im Kontakt zu Freunden aus den Herkunftsländern oder -regionen werden oft Gemeinsamkeiten und Solidarität erlebt. Die Migrationserfahrung und die besonderen Lebensbedingungen vor Ort können geteilt werden. Die Freunde unterstützen bei der Lebensbewältigung und sind ein wenig Familienersatz. Aber auch kulturelle Aspekte wie Sprache, Musik, Essen, Religion und besondere Feiertage werden gemeinsam erlebt und gestaltet. All das vermittelt auch wieder Selbstbewusstsein und Stärke in der schwierigen Migrationssituation.

Allerdings schildern die Studenten auch, wie heterogen die nordafrikanische oder arabische Community insgesamt ist und betonen etwa die sozialen, politischen, religiösen oder generationsspezifischen Unterschiede in dieser Gruppe. Dementsprechend ist ihr Zugehörigkeitsgefühl natürlich auch sehr ambivalent und ihre Beziehungen sind sehr ausgewählt. Zumeist bestehen Kontakte zu anderen Bildungsmigranten, die können auch sehr unterschiedlicher Herkunft sein.

In einem anderen Land zu leben, hat immer zwei Kehrseiten: Befremden und Begeisterung. Wie sieht das bei den Bildungsmigranten aus und von welchen Faktoren ist das abhängig?

Wiebke Aits: Irritiert sind die Studenten vor allem über die erlebte Zurückhaltung und Verschlossenheit der deutschen Bevölkerung und ihre isolierten Lebenswelten, das mangelnde Interesse am Austausch mit ihnen, das wenige Wissen, das es über ihre Herkunftsländer hier gibt und die bereits oben beschriebenen Vorurteile, mit denen sie konfrontiert werden. Das hatten die meisten vorher so nicht erwartet und es ist natürlich enttäuschend. Werden jedoch gute Beziehungen und Freundschaften zu Deutschen geknüpft, führt das zu anderen Erfahrungen und dieses Bild relativiert sich ein wenig und manches kann auch als Klischee enttarnt werden.

Ein anderer Punkt ist die Erkenntnis, dass es auch in Deutschland viel Arbeitslosigkeit und Armut gibt, viel Leistungs- und Zeitdruck und dass die Jobsuche nicht so einfach ist. Das durchaus existierende Bild vom "Paradies Europa" bröckelt sehr schnell und die Studenten werden von den realen Lebenserfahrungen, insbesondere als Migranten, eingeholt.

Kompetenzzuwachs

Und das Positive?

Wiebke Aits: Als positiv erleben die Studenten dagegen, dass vieles gut organisiert und verlässlich ist und dass Gesetze oft respektiert werden. Der algerische Student, der vor seiner Migration aufgrund des Bürgerkrieges eine politisch sehr schwierige Situation im Herkunftsland erlebte, betont beispielsweise vor allem sein Gefühl der Sicherheit in Deutschland.

Die Studenten schätzen die Möglichkeiten der akademischen Ausbildung und erleben es als Bereicherung, dass in einem Einwanderungsland Kontakte zu Menschen mit so vielen unterschiedlichen Nationalitäten möglich sind. Und es gibt auch das positive Erleben des eigenen Kompetenzzuwachses durch die Migrationserfahrung und die Tatsache, andere Menschen, Lebensformen und Sprachen kennengelernt zu haben.

Abhängig sind diese Eindrücke und Bewertungen vor allem von der vorherigen Situation im Herkunftsland, den Erwartungen an den Aufenthalt in Deutschland und den Bildern, die sie durch Medien und Erfahrungsberichte damit verbinden. Und natürlich auch von den Beziehungserfahrungen und Einbindungen vor Ort.

Wie kommen sie im fremden Land zurecht?

Wiebke Aits: Als wichtigste übergeordnete Handlungsstrategien sind von mir vier Aspekte erfasst worden. Zu ihnen gehören die Aufrechterhaltung transnationaler Beziehungsnetzwerke, die Gestaltung neuer transkultureller Begegnungen und Beziehungen vor Ort, die kulturelle Identitätskonstruktion und Schaffung von Zugehörigkeiten sowie die Entwicklung von Transkulturalität in Diskurs und Handeln.

Subjektiv werden diese Strategien sehr unterschiedlich von den Studenten gestaltet. Deutlich wird insbesondere, dass sehr viel Flexibilität erforderlich ist, um eine Migrationssituation zu bewältigen. Es geht darum, verschiedene Lebensräume, Beziehungen und Sprachen zu verknüpfen und vielfältigste Eindrücke und kulturelle Elemente in sich zu integrieren. Das bedeutet auch, Widersprüche aushalten zu können und immer wieder die eigenen unterschiedlichen Bedürfnisse und Zugehörigkeiten zu "managen" und Kompromisse zu finden. Das ist eine sehr komplexe Vermittlungsarbeit. Es entstehen dabei viele Verunsicherungen, jedoch entwickeln Migranten dabei natürlich auch sehr hohe Kompetenzen.

Irritation des vorher Selbstverständlichen

Einer der Studenten sagte: "Du verstehst die Welt besser, aber es gibt auch mehr Fragen, die man stellt?" Wie kann man denn die Welt besser verstehen? Ist das nicht eine Konstruktion, die man sich eben zu Recht legt?

Wiebke Aits: Ich denke es soll ausdrücken, dass man durch das Erfahren anderer Lebensformen, Perspektiven und Motivationen auch ein besseres Verständnis für diese erlangt, verschiedene Phänomene in dieser Welt besser nachvollziehen kann. Und sich auch die eigenen Denk- und Handlungsoptionen dadurch verändern und erweitern.

Zugleich findet dabei aber auch eine Irritation des vorher Selbstverständlichen statt, bisherige Meinungen und Werte werden hinterfragt, es tauchen Widersprüchlichkeiten auf. Das regt zum Nachdenken an. Beides bedingt sich, es drückt aus, wie komplex eine Migration ist und wie ambivalent sie von den Studenten erlebt wird. So habe ich es vor dem Hintergrund der Gespräche verstanden und interpretiert.

In Ihrem Buch sprechen Sie von "aktueller ethnologischer Migrationsforschung". Wie sieht die aus und was ist der Unterschied zu alten, nicht aktuellen?

Wiebke Aits: Die ethnologische Migrationsforschung beschäftigt sich insbesondere mit den Erfahrungen des Individuums und seinen sozialen Beziehungen, situiert im Kontext gesellschaftlicher Bedingungen. Methodisch ist damit eine qualitative Herangehensweise verbunden, es wird also die Perspektive der Migranten aufgegriffen, so dass ihre Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsmuster nachvollziehbar werden.

Während man früher von in sich geschlossenen Kulturen ausging und folglich sehr einseitig die Anpassungsprozesse von Migranten an eine fremde Kultur untersuchte, gibt es heute das Verständnis eines dynamischen Kulturbegriffs. Kultur wird also als Prozess verstanden, sie wird von Menschen dynamisch gestaltet und fortwährend ausgehandelt. Dementsprechend stehen nun andere Aspekte im Mittelpunkt ethnologischer Betrachtungen. So wie vorhin bereits deutlich wurde, geht es da etwa um die Gestaltung von lokalen und transnationalen Beziehungsformen und -netzwerken, differenzierte Identitätsentwicklungen und transkulturelle Lebenssituationen.

Welche Rolle spielen dabei postkoloniale Theorien?

Wiebke Aits: Postkoloniale Theorien beinhalten Perspektiven und Konzepte, die diese differenzierten Lebenserfahrungen und Identitätsbildungen von Migranten berücksichtigen und aufwerten. Sie wenden sich also gegen vereinheitlichende und essentialisierende Betrachtungsweisen.

Insbesondere beinhalten sie ein kritisches Potential, denn sie benennen die Erfahrungen von Rassismus, Stigmatisierung und Marginalisierung, die Migranten oftmals erleben und verdeutlichen damit, dass sich kulturelle Identitäten und Differenzierungen nicht unter denselben Voraussetzungen bilden. Damit werden auch Machtungleichheiten innerhalb der Gesellschaft angesprochen sowie die Definitionsmacht, die es häufig über Migranten gibt.

Von Gastarbeitern und Ausländern zu Migranten – nur sprachliche Veränderungen?

Früher wurde von Gastarbeitern und Ausländern gesprochen, heute von Emigranten, Immigranten oder Migranten gesprochen. Was hat sich sprachlich und real verändert?

Wiebke Aits: Sprache wird ja beständig weiterentwickelt und dazu gehört auch, dass man Begriffe verbessert oder erneuert, wenn man sie als unzulänglich oder unpassend erkannt hat. Der heutzutage verwendete Begriff Migranten bezeichnet Menschen, die eine Wanderung, eine Migration, unternommen haben und erscheint dabei als weitestgehend neutral, wenn man über dieses Thema spricht. Die Bezeichnung soll umfassend sein und berücksichtigt, dass Migration ein Prozess ist, zu dem ganz viele Aspekte gehören. Sie reduziert Menschen nicht nur auf die Erfahrung, irgendwo eingewandert zu sein, also Immigranten zu sein, oder auf ihren Status in der Aufnahmegesellschaft, beispielsweise Gastarbeiter oder Ausländer zu sein.

Letztere Begriffe sind dabei nicht nur sehr einseitig, sie sind zudem oftmals auch abwertend und ausgrenzend und zeigen eine bestimmte Haltung, die es in Deutschland vielen Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber gibt. Diese hat sich auch sprachlich und real in vielen Zusammenhängen noch nicht verändert.

Mit Migration wird meist "arm" und "illegal" in einem Atemzug genannt. Ist das berechtigt?

Wiebke Aits: Durch Medien und Politik wird uns ja oft vermittelt, dass insbesondere arme Bevölkerungsgruppen nach Europa migrieren und ein großer Teil von ihnen zudem "illegal". Damit werden vor allem auch Ängste vor Migrationsbewegungen geschürt, und das führt natürlich zur Ablehnung und Ausgrenzung bestimmter Migrantengruppen. Wanderungen finden heutzutage jedoch weltweit und zirkulär statt, sehr viele Länder sind dabei zugleich Aus- und Einwanderungsländer.

Zudem wird Migration heute als sehr komplexes Phänomen begriffen, dessen Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen sehr vielfältig sind. Armut und wirtschaftliche Probleme sind natürlich auch Gründe für eine Migration und dabei spielen auch Abhängigkeiten, Ausbeutung und Hierarchien eine Rolle. Die Migrationsdynamik aus Nordafrika nach Europa, um noch einmal auf das konkrete Thema zu kommen, ist durch den Kolonialismus entstanden und schließlich vor allem durch die Arbeitsmigration geprägt.

Die gegenwärtige Situation nordafrikanischer Studierender in Deutschland lässt sich nicht ganz unabhängig von diesen Erfahrungen und den historisch gewachsenen wirtschaftlichen Strukturen und Machtdifferenzen betrachten. Das hat sich in der Forschung schon sehr deutlich gezeigt. Bildungsmigrationen, auf die ich mich in meiner Studie ja konzentriert habe, nehmen nur einen kleinen Teil der weltweiten Migrationsbewegungen ein. Allerdings gilt den Bildungsmigranten von staatlicher Seite eine sehr hohe Aufmerksamkeit, denn sie sind ja von wirtschaftlichem Interesse, sowohl für die Herkunfts- als auch für die Aufnahmeländer.

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29114/1.html
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