Gigantische braune Wolken verändern das Weltklima

15.11.2008

Die von Menschen verursachten Wolken bedecken vor allem Asien, aber auch Teile von Südafrika, Europa, Nordamerika und dem Amazonasbecken

Gewaltige, von Menschen verursachte Dreckwolken aus giftigen Chemikalien, Ruß und Smog bedecken den Himmel über weiten Teilen von Asien und beeinflussen dort das Klima. Eine drei Kilometer dicke "braune Wolke" erstreckt von der Arabischen Halbinsel über China bis zum Pazifischen Ozean, warnt ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Die Wolke führt dazu, dass die Städte dunkler, die Gletscher im Himalaya schneller abschmelzen und die Menschen erkranken.

Autoabgase, Brandrodung, Holzfeuer und Kohlekraftwerke tragen zur Bildung der braunen Wolken in der Atmosphäre bei (Atmospheric Brown Clouds - ABCs), die vor allem Asien, aber auch Teile von Südafrika, Europa, Nordamerika und dem Amazonasbecken bedecken. Veröffentlicht wurde der Bericht in Peking, die als eine der Megacities mit der größten Luftbelastung gilt.

Smog über China. Bild: Nasa

Die anderen Städte, die als besonders gefährdet gelten, sind Bangkok, Kairo, Dhaka, Karachi, Kolkata, Lagos, Mumbai, New Delhi, Seoul, Shanghai, Shenzhen und Teheran. In der Luft dieser Megacities findet man 10 Prozent der Gesamtmenge aller von Menschen verursachten Partikel. In der chinesischen Stadt Guangzhou ist der Lichteinfall durch die Dreckwolken seit den 70er Jahren um 20 Prozent geringer geworden. Allgemein wird das Licht in den betroffenen Städten zwischen 10 und 25 Prozent gedimmt. In ganz China wurde das Licht seit den 50er Jahren zwischen 3 und 4 Prozent pro Jahrzehnt gedimmt, in Indien um 2 Prozent seit den 60er Jahren. Allerdings ist in den letzten Jahren die "Verdunkelung" schneller angestiegen.

Es sei höchste Zeit zu handeln, mahnt UNEP-Direktor Achim Steiner bei der Vorstellung. Die reichen Industrieländer müssten den Entwicklungs- und Schwellenländern dabei helfen, die Luftverschmutzung einzudämmen. Das würde nicht nur die Klimaerwärmung bekämpfen, sondern auch die gesundheitlichen Folgen für die Menschen reduzieren. Die Ursache der ABCs sei in aller Regel dieselbe wie die der Treibhausgase, sagt Steiner: das Verbrennen von fossilen Treibstoffen und Biomasse sowie die Entwaldung.

Die Ruß-, Kohle- und Schwefelstoffpartikel und die anderen chemischen, teils giftigen Substanzen, die die braunen Wolken bilden, "maskieren" die Klimaerwärmung, weil sie das Sonnenlicht reflektieren und die unter den Wolken liegenden Regionen abkühlen. Die aktuelle Erwärmung werde zwischen 20 und 80 Prozent abgeschwächt. Die Partikel und Aerosole in den ABCs können die Bildung von Regentropfen erschweren. Daher halten sich die Wolken länger und regnet es weniger. Würde der Klimaeffekt der ABCs plötzlich beendet werden können, dann gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die globalen Temperaturen um bis zu 2 Grad Celsius steigen würden. Daher könnte es riskant sein, nur die Bildung der braunen Wolken zu bekämpfen, ohne gleichzeitig die Emission von Treibhausgasemissionen massiv zurückzufahren,

Was vielleicht als ein nicht bewusst praktiziertes Geoengineering erscheinen mag, führt jedoch durch Veränderung des Wetters zu erheblichen Folgen. So wird es in Nordchina immer trockener, während in Südasien die Flutgefahr wächst. Die Monsunregenfälle in Indien und Südasien sind seit 50er Jahren um 7 Prozent zurückgegangen, insbesondere werden die Niederschläge im Sommermonsun geringer. In China und Asien sind extreme Niederschläge insgesamt häufiger geworden. Die Erwärmung der Atmosphäre durch die ABCs wird neben der Klimaerwärmung durch Treibhausgase für den "anormal hohen Erwärmungstrend in den erhöhten Gebieten" wie der Himalaya-Region verantwortlich gemacht.

Welche Auswirkungen der von den ABCs verursachten Erwärmungs- und Abkühlungseffekte hat, ist nach Angaben der Wissenschaftler ohne weitere Forschung noch nicht wirklich auszumachen. Allerdings gehen sie von vielen, auch dramatischen Folgen aus, auch in Zusammenwirken mit den Treibhausgasemissionen. So könnte die Ernte durch die Zunahme des Ozons am Boden geringer werden – und zwar zwischen 10 und 40 Prozent. Aufgrund der Verdunkelung könnte die Photosynthese eingeschränkt werden, was auch zu einem geringerem Wachstum der Pflanzen beiträgt. Und die giftigen und säurehaltigen Partikel könnten die Pflanzen schädigen.

Die giftigen Aerosole, Carzinogene und andere Partikel wie Feinstaubpartikel, die kleiner als 2,5 Mikron sind, beeinträchtigen auch die Gesundheit der Menschen und können zu zahlreichen Krankheiten führen, vor allem zu Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen. Allein die größere Aussetzung an solche Feinstaubpartikel außerhalb von Gebäuden könnte zu 349.000 zusätzlichen Todesfällen im Jahr in China und Indien führen. 780.000 Todesfälle jährlich in beiden Ländern werden von der WHO bereits jetzt mit der Verwendung von Festbrennstoffen in Innenräumen in Verbindung gebracht.

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