Symbiose, Koexistenz oder Konkurrenz?

Ulrich Herb 27.11.2008

PEER untersucht Wechselwirkung zwischen Open Access und kommerziellen Verlagsinteressen

Der entgeltfreie Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, Open Access, kann auf zwei Wegen erreicht werden. Während das Self-Publishing die Primärveröffentlichung wissenschaftlicher Dokumente im entgeltfreien Leser-Zugriff ermöglicht, beruht das Self-Archiving auf einer Art Zweitverwertung: Dokumente, die bereits bei in einem Wissenschaftsverlag erschienen sind und dort in aller Regel nur gegen Zahlung erhältlich sind, werden zusätzlich auf einem sogenannten Open-Access-Repository entgeltfrei zugänglich gemacht. Zahlreiche Verlage nahmen und nehmen Self-Publishing als Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Interessen war.

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Wenn Autoren Self-Archiving betreiben, tun sie dies oft auf Druck der Forschungsförderer (wie im Falle der vom Wellcome Trust geförderten Projekte) oder weil sie die Möglichkeiten des Urheberrechts nutzen. Teils gestatten die kommerziellen Verlage auch ausdrücklich das Self-Archiving von Artikeln, die sie selbst im Bezahl-Modus anbieten – allerdings mit zum Teil gravierenden Einschränkungen.

Sehr häufig wird es den Autoren untersagt, die finale, von anderen Wissenschaftlern begutachtete Version des Dokuments für das Self-Archiving zu nutzen und dann deren Stelle eine Entwurfsversion zu verwenden. Diese Einschränkung ermöglicht es den Verlagen, die Self-Archiving-Version des Autors als Köder für ihre Kauf-Version zu nutzen: Im wissenschaftlichen Diskurs verwertbar ist in der Regel nur die endgültige, zitierfähige, im Verlag publizierte Version.

Zudem scheinen verschiedene Untersuchungen auf eine erhöhte Zitationshäufigkeit von Artikeln hinzuweisen, die in einem kostenpflichtigen Journal und parallel auf einem Open-Access-Repository verfügbar sind. Sollten diese Untersuchungen Recht haben, profitieren die Verlage von Open Access, denn eine hohe Zitationshäufigkeit hat positiven Einfluss auf das Ansehen eines Journals und dessen Preis. Allerdings fehlt bislang eine Studie, die in großem Stil Journals unterschiedlichen Renommees, verschiedener Disziplinen und mit unterschiedlichen Self-Archving-Bestimmungen, andere Verzerrungen und den Einfluss intervenierender Variabeln auf diesen Zitationseffekt kontrolliert.

Das von der EU geförderte Projekt PEER (Publishing and the Ecology of European Research) versucht unter Berücksichtigung dieser und anderer potentieller Einflussgrößen die Interdependenzen zwischen Self-Archiving, der Verfügbarkeit von Forschungsliteratur, der Präsenz wissenschaftlicher Autoren, der Forschungslandschaft und den wirtschaftlichen Interessen der kommerziellen Verlag zu untersuchen. Projektpartner des kürzlich gestarteten Projekts sind Verlage (vornehmlich aus den Bereichen Naturwissenschaft, Technik, Medizin), Einrichtungen, die Open-Access-Repositories betreiben, und einzelne Wissenschaftler aus den genannten Fächern. PEER endet im Jahr 2011. Zentral ist die Frage, ob Open Access die Nutzung und den vornehmlich über Zitationshäufigkeiten bestimmten Impact der Publikationen erhöht.

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29166/1.html
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