Die Finanzmärkte heben ab

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Die milliardenschweren Steuererleichterungen für Reiche und Konzerne flossen nicht als Investitionen in die unter geringen Profitraten und gesättigten Märkten leidende Industrie, wie in neoliberaler Ideologie postuliert, sondern auf die deregulierten Finanzmärkte, auf denen weitaus größere Profite winkten.

Seit den 80ern nimmt der Umfang der Aktienmärkte dramatisch zu, etablieren sich Spekulationen auf den Devisen- und Warenterminmärkten (bei Schweinebäuchen und gefrorenen Orangensaft beispielsweise). 1987 erfolgt mit dem "Schwarzen Montag" der erste Warnschuss, die erste spekulative Überhitzung auf dem US-Aktienmarkt seit den 30er Jahren. Nach jahrelangem, stürmischem Wachstum, während dessen der Dow Jones sich zwischen 1985 und 1987 verdoppelte, fiel der US-Leitindex innerhalb eines Tages um 22,6 Prozent. Dies war der größte prozentuale Einbruch des Dow innerhalb eines Tages in dessen Geschichte. Doch schon binnen 15 Monaten waren diese Verluste egalisiert und ernsthafte Rückwirkungen auf die Ökonomie blieben erstmal aus.

Ganz anders verhielt es sich mit der Sparkassenkrise, die Ende der 80er die USA erschütterte und zur besagten Rezession von 1990 bis 1991 beitrug. Die unter der hohen Inflation des ausgehenden Keynesianismus in den 70ern leidenden 3.800 kommunalen US-Sparkassen waren mit erheblichen Einlagenabflüssen an die höhere Verzinsung versprechenden Geldmarktfonds konfrontiert. Die Reagan-Administration reagierte klassisch "neoliberal", indem sie die strikte Regulierung der kommunalen Geldinstitute größtenteils aufhob, die als eine Lehre aus der Depression von 1929 erlassen wurde. Die Sparkassen stürzten sich folglich ins Getümmel der boomenden Finanzmärkte und expandierten in hohem Tempo. Die Anzahl der an angehende Häuslebauer vergebenen Hypotheken nahm rasant zu, da gleichzeitig die Immobilienpreise in den frühen 80ern im Steigen begriffen waren. Zudem gingen die kommunalen Finanzinstitute dazu über, mit risikoreichen Junk Bonds, also mit hochriskanten Unternehmensanleihen, zu spekulieren.

Fallende Immobilienpreise ab 1985 ließen schließlich diese spekulative Blase platzen und die Sparkassen massenweise in die Insolvenz schlittern. 2.412 kommunale Geldhäuser gingen pleite, die Kosten für den US-Steuerzahler sollten sich auf bis zu 326 Milliarden US-Dollar summieren. Mit den Sparkassen brach auch die Konjunktur in den USA ein. Dieser Vorläufer der gegenwärtigen Krise aus den 80ern hatte natürlich weitaus geringere Ausmaße. Die gegenwärtigen "Bailouts" für das US-Finanzkapital bewegen sich bereits im Rahmen mehrerer Billionen US-Dollar.

Aufmerksame Beobachter konnten schon damals die fundamentale Veränderung innerhalb der marktwirtschaftlichen Ökonomie ausmachen, die die "Finanzielle Explosion" der 80er Jahre mit sich brachte. Bereits 1985 beschrieb insbesondere Paul Sweezy die Ursachen der aufkommenden Dominanz der Finanzindustrie, sowie deren Wechselwirkung mir der realen Wirtschaft. Der US-amerikanische Ökonom und Herausgeber des renommierten Theoriezeitschrift Monthly Review (in der u.a. Albert Einstein publizierte), konnte in einem im Dezember 1985 erschienenen und "The Financial Explosion" betitelten Artikel den Zusammenhang zwischen der Stagnation der 70er Jahre und den nun massiv expandierenden Finanzmärkten der 80er herstellen.

Die ab 1970 stagnierende Ökonomie wirkte laut Sweezy als eine "Brutstätte" der finanziellen Explosion während der Reagan-Ära, für die sich schnell im angelsächsischen Raum der Begriff der Financialisation of Capitalism, der Finanzialisierung des Kapitalismus etablierte. Das Finanzkapital unterliegt demselben Wachstumszwang - der oben beschriebenen Notwendigkeit zur Expansion - wie die verarbeitende Industrie. Die Ware der Banken ist das Geld, und der wichtigste Hebel zu einem weiteren Wachstum der Gewinne liegt schlicht in der Ausweitung der Kredite, also in der erfolgreichen Vermarktung weiterer Schulden. Da aber im Zeitalter des Keynesianismus hauptsächlich Kredite an Unternehmen und Staaten vergeben wurden, gerieten die Banken ebenfalls in die Stagnation, sobald die Investitionstätigkeit von Konzernen und Regierungen nachließ

Der Finanzsektor, aufgebläht durch die raschen Kapitalzuflüsse, die der erwähnten Fiskalpolitik der Reagan-Administration geschuldet waren, zeigte sich bei der Erweiterung seiner Märkte, bei der Jagd nach neuen Kreditnehmern, sehr innovativ. Zum einen setzte das Finanzkapital - nach erschöpfter "innerer Expansion" - auf eine "äußere Expansion", indem die größtenteils korrupten, prowestlichen Regimes in der Dritten Welt mit Krediten überschüttet wurden, die die Grundlage für die Schuldenfalle und den Staatsbankrott vieler Entwicklungsländer in den folgenden Jahrzehnten legten.

Das Ende des "Goldenen Zeitalters" des Kapitalismus und der Aufstieg des Neoliberalismus

Fordismus und Keynesianismus in der Krise

Neoliberale Offensive

Die Finanzmärkte heben ab

Die finanzielle Explosion

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