Wie die Rettung der Welt die Erde zerstört

25.11.2008

Wer gern und oft auf seiner Spielkonsole die Welt rettet, zerstört sie nebenbei ein bisschen mit. Sonys PlayStation 3 ist dabei Spitzenreiter

Ein 100-Liter-Kühlschrank der Effizienzklasse A nimmt im Jahr über 200 Kilowattstunden elektrischer Energie auf - jedenfalls wenn er regelmäßig abgetaut und mit Augenmaß benutzt wird. Damit gehört das Kühlen zu den energieintensivsten Bereichen eines typischen Haushalts. Doch weit schneller dreht sich der Zähler, wenn die Spielkonsole läuft. Wer etwa bei Microsofts Xbox 360 das Ausschalten vergisst, könnte sich ebensogut fünf leere Kühlschränke ans Stromnetz hängen. Zugegeben, den fünf Frischhalteboxen bei der Arbeit zuzusehen, ist wenig unterhaltsam. Doch angesichts steigender Energiepreise und vor allem immer größerer Verbreitung der Konsolen kann deren Energieeffizienz nicht mehr länger allerletztes Bewertungskriterium sein.

Aktuelle Zahlen dazu hat jetzt die amerikanische Umweltschutzorganisation National Resources Defense Council in einer umfangreichen Studie vorgelegt. Demnach verbrauchen PS3, Xbox 360 und Co. allein in den USA jährlich 16 Milliarden Kilowattstunden - das entspricht etwa dem Energiebedarf der kalifornischen Millionenstadt San Diego. Interessanter als diese Zahl selbst sind allerdings die dahinter stehenden Zahlen - nachzulesen im 29-seitigen Report selbst.

Lassen sich diese Daten auf Deutschland übertragen? Ziemlich gut sogar. In den USA liegt der Verbreitungsgrad von Spielkonsolen in Haushalten bei über 40 Prozent. Deutschland ist da noch etwas hinterher. Hierzulande stehen stationäre Spielkonsolen nach einer Bitkom-Umfrage in einem Viertel aller Haushalte, nach einer anderen Umfrage sollen sogar 71 Prozent der Haushalte mit Kindern eine Spielkonsole besitzen. Allerdings ist Deutschland in einer anderen Disziplin vorn: bei den Energiepreisen. In der Studie rechnet das NRDC mit sehr bescheidenen 10 US-Cent pro Kilowattstunde.

Verbrauchsdaten der aktuellen und früheren Spielkonsolen-Generationen (in Watt)
Konsole Verkaufsstart Stand-by Idle Aktiv
Microsoft Xbox 360 2007 3.1 117.5 118.8
2005 2.2 162.0 172.0
Microsoft Xbox 2001 1.7 59.9 64.0
Sony PlayStation 3 2007 1.1 152.9 150.1
2006 1.1 181.0 188.6
Sony PlayStation 2 2000 1.7 24.2 24.2
Sony PlayStation 1994 1.4 6.5 8.0
Nintendo Wii 2006 1.9 10.5 16.4
Nintendo GameCube 2000 0.7 22.7 23.0
Nintendo 64 1996 1.1 7.8 7.3
Nintendo Super Nintendo 1991 1.5 5.4 7.3
Quelle: NRDC

Wer liegt also vorn? Nicht ganz überraschend haben sich Microsoft und Sony die ersten Plätze erkämpft. Die PlayStation 3 führt in Sachen Energieverbrauch deutlich - mit etwa 150 Watt. Platz 2 gebührt der Xbox 360, die auf knapp 120 Watt kommt. Deutlich abgeschlagen ist da Nintendos Wii-Konsole mit ganzen 16 Watt. Was den Testern dabei besonders auffiel: Den Konsolen fehlen wirksame Funktionen zum Stromsparen. Selbst, wenn sie nicht beschäftigt waren, blieb der Energieverbrauch beinahe auf Normalniveau.

Eine Auto-Abschalt-Funktion ist zwar sowohl bei der Xbox 360 als auch bei der PS3 vorgesehen, versteckt sich aber in abgrundtiefen Menüs und ist standardmäßig deaktiviert, so die Studienautoren. Interessanterweise zeigten sich auch von Spiel zu Spiel Differenzen - bei manchen Games lag der Verbrauch sogar höher, wenn das Spiel pausierte. Bei der PS3 variierte der Verbrauch von Spiel zu Spiel um 20 bis 25 Watt, bei der Xbox 360 um 10 bis 15 Watt. Wenn ein Spiel direkt von der Festplatte spielbar war, reduzierte sich der Stromverbrauch um etwa 30 Watt.

Jährlicher Energieverbrauch und Kosten von Spielkonsolen
  Konsole nach dem Spielen ausgeschaltet Konsole nach dem Spielen nicht ausgeschaltet
Konsole kWh Euro kWh Euro
Nintendo Wii 27 4,86 96 17,28
Microsoft Xbox 360 (Modell 2007) 112 20,16 1031 185,58
Sony PlayStation 3 (Modell 2007) 118 21,24 1337 240,66
Microsoft Xbox 360 (Modell 2005) 144 25,92 1426 256,68
Sony PlayStation 3 (Modell 2006) 153 27,54 1596 287,28
Annahme: Zwei Stunden Spielzeit am Tag; 18 Cent pro kWh
Quelle: NRDC

Besonders unvernünftig ist es allerdings, eine Spielkonsole als modernen DVD-Player zu benutzen. Ein typischer DVD-Player braucht etwa 10 Watt - die Xbox 360 in dieser Funktion jedoch 100 Watt mehr. Ein Standard-Blu-ray-Player kommt mit weniger als 30 Watt aus - die PlayStation 3 benötigt 148 Watt. Besonders der Vergleich eines Sony-Blu-ray-Players mit der PS3 vom selben Hersteller schockierte die Tester - mit besserem Engineering, so ihre Schlussfolgerung, müsste es also möglich sein, künftig den Stromverbrauch der PS3 im Blu-ray-Modus radikal zu senken. Insgesamt, so die Schlussfolgerung des Reports, ließen sich allein durch die Einführung effizienter automatischer Ausschalt-Mechanismen bei der aktuellen Konsolengeneration pro Jahr in den USA 11 Milliarden Kilowattstunden elektrischer Energie einsparen - das entspricht einer CO2-Einsparung von 7 Millionen Tonnen, also ungefähr der Menge an Kohlendioxid, die drei 600-Megawatt-Kraftwerke im Jahr emittieren.

Ergänzungen dazu aus der c't-Redaktion

Die aktuelle Version der Playstation 3 von 2008 verbraucht nach unseren Messungen Idle und Aktiv nur noch 120 Watt statt 150.

Bei der Playstation 2 gelten die Messsergebnisse offenbar für die Slim-Version. Die wurde aber nicht 2000, sondern erst 2004 eingeführt.

Außerdem erscheinen die Annahmen, dass ein DVD-Player nur 10 Watt und ein BD-Player unter 30 Watt Verbraucht, arg optimistisch, da könnten 10 Watt draufgeschlagen werden.

Was der Report völlig übersieht, ist der Strombedarf der Flachbildfernseher, die typischerweise zwischen 100 und 150 Watt verbrauchen. Da sehen dann auch die Relationen zwischen den Konsolen wieder anders aus.

Und noch etwas: Die Xbox 360 verbraucht im DVD-Modus witzigerweise rund 20 Watt mehr als im Spielmodus.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (90 Beiträge) mehr...
Anzeige
Weit weg mit Telepolis
Anzeige
Auf nach Brasilien
Leben im Regenwald, Nationalpark Iguacu, Rio de Janeiro
Cover

Leben im Gehäuse

Wohnen als Prozess der Zivilisation

Anzeige
Cover

Medienkritik

Zu den Verwerfungen im journalistischen Feld

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Guatemala in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.