Speziellere Antisemitismus-Begriffe

Vorige Seite

Der definierte Begriff (AS.E) Antisemitisch ist eine Einstellung genau dann, wenn ihr zufolge ein Jude schon allein deswegen weniger wert sein soll, weil er Jude ist, ist höchst allgemein. Das sollte er auch sein, soll er doch alle Formen einer antisemitischen-Diskriminierung umfassen. Führen wir uns kurz vor Augen, von welchen Dingen dieser allgemeine Begriff - über die schon erwähnte Emotionalitäts-Abstraktion hinaus - abstrahiert. Damit wissen wir dann auch, worauf man zu achten hätte, wenn man über die spezielleren Fälle der Juden-Diskriminierung Genaueres sagen möchte.

Der allgemeine Begriff spricht nur von Einstellungen. Er sagt noch nichts darüber, wer der jeweilige Träger der diskriminierenden Einstellung ist. Er lässt sogar offen, von welchem Typ der Träger ist: Dafür kommen in Frage:

Individuen (zum Beispiel Herr Walser oder Frau Maier)

Kollektive (Die Gruppe 47 etwa; die Autoren eines bestimmten Manifests oder ,die Deuschen' oder ,die Araber')

Institutionen (wie z.B. die Katholische Kirche oder die palästinensische Hamas)

Entsprechend spricht man dann zum Beispiel von dem Antisemiten Walser, dem deutschen oder dem arabischen Antisemitismus bzw. dem der Hamas. Dass man so redet, heißt natürlich nicht, dass diese Rede - speziell mit Bezug auf Kollektive und Institutionen - unproblematisch ist. Der Begriff sagt auch nichts über den Zeitbezug bzw. die Dauer der Einstellungen. Zwar drückt sich schon im Term Einstellungen eine gewisse habituelle Konstanz aus. Trotzdem gilt: Auch Einstellungen können sich ändern; auch diskriminierende Einstellungen. Oder soll etwa gelten: Einmal Antisemit, immer Antisemit? Hoffentlich nicht! Sonst wären all unsere Anti-Antisemitismus-Programme, so sie auf eine Revision von antisemitischen Einstellungen abzielen, schon deshalb von A bis Z sinnlos.

Unsere Annahmen und Einstellungen können unterschiedlich stark sein: angefangen von schwankenden Vermutungen bis hin zu felsenfesten Überzeugungen. Auch über diese Stärke sagt unser Begriff nichts. Mit dieser Annahmen-Stärke verbunden, aber doch nicht damit identisch, ist die Frage der Revisionsresistenz unserer Einstellungen. Angenommen, es kommt - in Kriegen oder in anderen Nöten - zum Konflikt zwischen Diskriminierung und Tötungsverbot. Was gibt man auf? Eliminatorisch Diskriminierende letzteres. Und am offensichtlichsten: Weil unser allgemeiner Antisemitismus-Begriff wirklich allgemein sein sollte, durfte er insbesondere nichts darüber sagen, warum sein Subjekt (Individuum, Kollektiv oder die betreffende Institution) die fragliche Juden-diskriminierende Einstellung überhaupt hatte bzw. immer noch hat. Der Begriff sagt nichts über die verschiedenen Ursachen, nichts über die diversen Motive und nichts über etwaige Gründe.

Je nach dem Typ dieser Motive oder Gründe wird zum Beispiel unterschieden zwischen

Rassischem

Religiösem (christlichen, muslimischen)

Sozialem

Politischem Antisemitismus.

wobei diese Typen, wie Geschichte und Gegenwart zeigen, sich keineswegs ausschließen. Die Erforschung der Ursachen, Wandlungen und Ausdrucksformen dieser verschiedenen Arten des Antisemitismus sind Aufgaben der so genannten Antisemitismus-Forschung.

Und last but not least: Der Basisbegriff der negativen Juden-Diskriminierung - und damit auch alle anderen mit ihm definierten Antisemitismus-Begriffe - lassen auch völlig offen, wie der Begriff "Jude" selber zu definieren ist. Mit gutem Grund. Zum einen geht es bei diesem Konzept ohnehin nicht darum, wer objektiv Jude ist, sondern (wie gleich noch deutlicher werden wird) nur darum, dass das diskriminierende Subjekt sein Diskriminierungs-Objekt für eine Jüdin oder einen Juden hält; und zum anderen kann und sollte man die entsprechende Selbstbestimmung ohnehin lieber ,den Juden' selbst überlassen. Der verwendete Begriff setzt - erfreulicher-, wie wohl auch realistischerweise - nicht einmal voraus, dass sich diese offene Gruppe auf eine einheitliche Selbstdefinition jemals wird einigen können.

Wer ist Antisemit?

Speziellere Antisemitismus-Begriffe

Antisemitisches Verhalten

Exkurs: Anti-Zionismus

Verifikationsprobleme (Die Antisemiten-Liste)

Und?

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29237/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Des Führers Arzt trifft des Satans nackte Sklavin

Subversive Arztfilme der 1950er - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS