Webseiten werben mit Stammzell-Therapie

Forscher wundern sich über Online-Angebote

Nicht blutbildende Transplantationen von Stammzellen sind derzeit von keiner praktischen Bedeutung für die Therapie von Krankheiten. Das Forschungsgebiet ist viel versprechend, aber noch zu ungesichert, um ein Ausbreiten zu erlauben. Nun haben kanadische Forscher in einer Studie den Webauftritt von Kliniken untersucht, die gleichwohl Stammzelltherapien anbieten.

Darren Lau und seine Kollegen von der Universität in Alberta analysieren in der Dezember-Ausgabe des Fachmagazin Cell Stem Cell 19 Kliniken, die in ihrem Online-Auftritt auf die Vorzüge der Stammzelltherapie hinweisen. Ein erstes Ergebnis: Acht davon bieten die Dienste zu kosmetischen Zwecken an. Der überwiegende Teil hat mehrere Verfahren im Portefeuille, wobei am häufigsten die Eigenzellen-Therapie angeboten wird. Knapp die Hälfte, nämlich acht Kliniken, arbeiten mit autogenetischen adulten Stammzellen, die Zellen stammten also aus dem Patienten selbst. Weitere sechs setzen fötalen Stammzellen ein.

Die Einrichtungen sind über den Globus verteilt. Die Moskauer Klinik Neurovita erklärt dem Publikum in mehreren Sprachen die Vorteile und Sicherheit einer Stammzellenkur, sogar an die FAQ mit Erläuterung der anfallenden Kosten ist gedacht.

Mit Dr. Nick Delgado und seiner Website Ultimate Medical Research und dem ebenfalls skurrilen Center for Holistic Life Extension hat sich merklich die Anti-Aging Fraktion in die Stammzellentherapie eingeschlichen. Auf den Medizintourismus setzen dagegen thailändische Anbieter wie Healthcare Holidays. Die ukrainische Klinik EmCell bietet "Anwendung der embryonalen Stammzellen in vivo an, um Leute ihre Gesundheit verbessern (zu) helfen". Man spricht von über 5000 Transplantationen embryonaler Stammzellen bislang.

Auch ein deutsches Unternehmen wird in der Studie genannt, das XCell Center in Köln. Seit der Gründung im Januar 2007 will man mehr als 750 Patienten mit den unterschiedlichsten Erkrankungen der Stammzelltherapie unterzogen haben.

Das Pekinger Institut für NRRFR (Neuro-Regeneration, Repair and Functional Recovery) wirbt mit einer Injektion der Stammzellen ins Gehirn. Das ebenfalls in Peking ansässige Tiantan Puhua Krankenhaus spricht laut Studie von der etablierten Möglichkeit von Stammzellen-Injektionen in das Rückenmark.

Eine Liste mit allen untersuchten Webseiten findet sich als hier.

Das eigentliche Problem aus Sicht der kanadischen Forscher: Die Heilungsversprechen sind übertrieben, die Einsatzmöglichkeiten unscharf formuliert. 12 der 19 Sites sehen das Einsatzgebiet bei über vier, meist wage beschriebene Krankheitsbildern gegeben. So wird beispielsweise der Alterungsprozess oder "gesteigerte Energie" angesprochen. Nur wenige Seiten weisen auf Misserfolge bei der Stammzelltherapie hin.

Dabei existieren beispielsweise bislang keine anerkannten Studien zum Einsatz von Stammzellen in Alzheimer- oder Parkinson-Patienten. Erst bei Multipler Sklerose und Herzinfarkt weisen Forschungsergebnisse auf einen möglichen Nutzen der Stammzelltherapie hin. Das Fazit der Forscher: "We therefore find that the treatments offered on stem cell websites are generally unsupported by the clinical evidence."

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