Patrouillierte griechische Polizei mit Neonazi-Milizen?

11.12.2008

Bilddokumente belegen Kooperation uniformierter Beamter mit irregulären Kräften

Immer wieder wurde in den vergangenen Tagen über die Untätigkeit) und Hilflosigkeit der griechischen Polizei in der Auseinandersetzung mit jugendlichen Demonstranten berichtet. Nach Zeugenaussagen waren die Sicherheitskräfte jedoch weitaus weniger passiv als zunächst vermutet.

In Athen und in der westgriechischen Hafenstadt Patras haben Polizisten offenbar gemeinsam mit rechtsextremen Milizen patrouilliert. In Blogs wurden inzwischen Bilder und Videos dieser Kooperation mit mutmaßlichen Mitgliedern der neofaschistischen Gruppierung Chrysí Augí (Goldene Morgendämmerung) dokumentiert. Polizei und Regierung schweigen bislang zu den Vorwürfen.

"Am Ende der Demo begannen die Cops einen großen Angriff, um die Demo zum städtischen Campus zu treiben", heißt es in einem Bericht aus Patras: "Bald danach begann das Unglaubliche: Dutzende Faschisten (die sich scheinbar aus dem ganzen Land in Patras zu einer gemeinsamen Operation mit den Cops getroffen haben) attackierten die Demo mit Steinen und Messern."

Chrysí Augí zählt zu der radikalen Rechten Griechenlands. Selbst bezeichnet sich die Gruppierung als "nationalsozialistische Bewegung". Ihr Emblem, ein schwarzer Mäander auf rotem Grund, erinnert an die Hakenkreuz-Symbolik der deutschen Faschisten. Die Milizen der Gruppe sind in der Vergangenheit wiederholt schwarz uniformiert und mit griechischen Fahnen aufgetreten. Ähnliche Bilder wurden während der Auseinandersetzungen in den vergangenen Tagen dokumentiert.

Nach einem weiteren Amateurbericht im Internet waren auch Mitglieder der Jugendorganisation ONNED der konservativen Regierungspartei Neue Demokratie an den Aktionen gegen linksgerichtete Demonstranten beteiligt. Ein Autor des Internetportals Indymedia in Griechenland verweist auf die Vorgeschichte: 1991 war der Lehrer Nikos Temponeras ermordet wurden, als ONNED-Mitglieder besetzte Schulen gewaltsam räumten. Aufgefordert dazu hatte sie der damalige Bildungsminister Vassilis Kontogianopoulos. Als bekannt wurde, dass der Lehrer von einem führenden Mitglied der ONNED mit einer Brechstange tödlich verletzt wurde, kam es zu Massendemonstrationen und Unruhen im ganzen Land. Die Lage beruhigte sich erst, als Kontogianopoulos vom Posten als Bildungsminister zurücktrat.

Während sich die Lage in Griechenland fünf Tage nach Beginn der aktuellen Aufstände wieder zu beruhigen scheint, zeigten die Berichte über paramilitärische Milizen eine bislang wenig beachtete Gefahr auf. Bei einer erneuten Zuspitzung der sozialen Proteste könnte die Lage durch den Einsatz solcher nicht-staatlichen Kräfte schnell außer Kontrolle geraten. Dass dies bislang nicht geschehen ist, liegt in erster Linie an dem besonnenen Verhalten der organisierten Linken.

In Griechenland spielt der Einsatz der rechten Paramilitärs in der öffentlichen Debatte bislang kaum eine Rolle. In den großen Tageszeitungen und im Fernsehen wurden die Milizen als "Bürgerwehren" bezeichnet, die von Ladenbesitzern und Anwohnern aufgestellt wurden.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (189 Beiträge) mehr...
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige

Amok: Der ausschlaggebende Auslöser Antidepressiva?

Torsten Engelbrecht 12.09.2015

Der Psychiater David Healy zum "Medikamentenaspekt" des Amokflugs 4U95254 und bei Amokläufern

weiterlesen

"Independence Day: Wiederkehr": Zum Kern vorgedrungen

Warum man jeden neuen Emmerich-Film gesehen haben sollte

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.