Die FED legt Grundstein für den Dollar-Crash

17.12.2008

US-Notenbank hat ihren geldpolitischen Spielraum fast völlig ausgereizt

Zwar hat der Dow Jones-Leitindex in New York die historische Zinssenkung der US-Notenbank gefeiert, aber schon in Asien hielt sich die Freude, wegen der damit verbundenen Gefahren, in sehr engen Grenzen. Der Dow Jones schloss in New York 4,2 % höher als am Vortag, der breiter gestreute S&P 500 und der Leitindex der Technologiebörse Nasdaq gewannen jeweils mehr als 5 %. Der Nikkei-225-Index beendete den Handel in Tokio allerdings nur mit einem Aufschlag von 0,5 %, ähnlich sah es beim Hang Seng-Index in Hongkong aus und die Vorgaben für den DAX in Frankfurt wiesen ebenfalls ins Minus.

Der geldpolitische Spielraum der US-Notenbank FED ist mit dem historischen Schritt, die Leitzinsen praktisch auf Null zu setzen, nun nach einer Zinssenkung nach der anderen fast völlig ausgeschöpft. Die FED kappte den Leitzins gestern erneut und senkte ihn von zuvor 1 % auf ein Zielband zwischen 0,00 und 0,25 % ab. Er liegt damit so niedrig wie seit über einem halben Jahrhundert nicht mehr. Auch der Diskontsatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank mit frischem Geld eindecken können, sinkt um 0,75 % auf 0,5 %, womit sich die Banken praktisch umsonst mit Geld eindecken können.

Doch das gilt nicht nur für Banken, denn diese Form der Refinanzierung über den Diskontsatz wurde von der FED extrem ausgeweitet. Den Zugang zu dieser günstigen Refinanzierung wurde zum Beispiel auch den großen Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac gewährt (Verstaatlichung maroder US-Banken beginnt), die trotz allem Rekordverluste schreiben. Seit langem verletzt die FED eherne Notenbankprinzipien und nimmt sogar zweifelhafte Papiere als Sicherheiten an.

Doch die FED, die lange Zeit die Rezession wegreden wollte und noch lange von einem "Abschwung" und Maßnahmen zur "Stützung des Wachstums" sprach, als das Land längst tief in der Rezession steckte, zeichnet nun ein extrem düsteres Bild von der Konjunktur in den USA. Die FED erklärte im Anschluss an eine Sitzung ihres Offenmarktausschusses in Washington, sie werde von nun an "alle verfügbaren Werkzeuge" einsetzen, um die seit einem Jahr andauernde Rezession zu bekämpfen. Sie will nun Anleihen von Fannie und Freddie in großem Stil aufkaufen, um den abstürzenden Immobilienmarkt in den USA zu stabilisieren. Sie will auch Unternehmen und Haushalten den Zugang zu Krediten erleichtern. FED-Chef Ben Bernanke kündigte zudem an, man werde den Leitzins für einige Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau halten.

Allerdings zeigte der folgende Absturz des Dollars nach der Zinsentscheidung, wohin die Reise nun geht. Wenn man Geld so billig macht, ist es nämlich auch schnell nichts mehr wert. Das ist eine historische Erfahrung. So ist kaum verwunderlich, dass der Dollar zum Euro und zu anderen wichtigen Währungen abgestürzt ist. Der Euro notierte in Tokio bei 1,4074 Dollar und damit nahe seinem höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Auch die japanische Währung legte gegenüber dem Dollar zu.

Bleibt nur noch Geld drucken

Bernanke hat ausführlich die japanische Deflationsperiode in den 1990er Jahren studiert, worin das Land nun erneut eintritt (Droht mit den Leitzinssenkungen nun statt Stagflation eine Stagdeflation?), und er hat dazu einen Bericht veröffentlicht. Darin stellt er fest, dass es neben der Zinspolitik noch ein weiteres Mittel zur Bekämpfung der aufziehenden Deflation gibt: Geld drucken. Und der FED bleibt als geldpolitischer Spielraum nun praktisch nur noch die Geldmenge zur Steuerung übrig. Es geht ihm also nun offenbar darum, einfach riesige neue Geldmengen auf den Markt zu werfen, um damit gezielt eine Inflation hervorrufen.

Man versucht also eine Krisenbekämpfung und verstärkt die Maßnahmen noch, die auch zu dieser schweren Weltwirtschaftskrise geführt haben. Nach dem Platzen der Spekulationsblase am Neuen Markt hatte man ebenfalls den Geldmarkt geflutet, um die kurze Stagnationsphase der Weltkonjunktur aufzufangen. Damit wurde der Grundstein für die heutige Krise gelegt, die nach Ansicht von Experten in eine Depression münden könnte. Die Schritte derzeit bergen die große Gefahr, dass der Dollar alsbald in eine Hyperinflation übergeht. Anders kann der ernorme Schuldenberg wohl auch gar nicht abgetragen werden. Doch wird dies die Besitzer von Dollar und Dollarbonds weltweit zur Flucht aus dem Dollar treiben, dessen neue drastische Abwertung deutet das bereits an.

China, das einen großen Teil seiner Reserven in Dollar angelegt hat, wird nun handeln. Sonst wären bei einem Dollar-Crash die Reserven schnell praktisch nichts mehr Wert. Auch das geplagte Japan, Großbritannien und Deutschland müssten nun eigentlich beginnen, die großen Dollarreserven langsam abzubauen. China wird seine enormen Dollarreserven auch nutzen, um seine Konjunkturprogramme zu bezahlen. Das wird viele Dollars auf den Markt werfen und zur Entwertung beitragen. Die sich daran anschließende mögliche massive Flucht aus dem Dollar kann binnen Tagen zu einem Wertverfall des Dollars führen, wie dies schon an den Börsen mit bestimmten Aktien in den letzten Monaten zu beobachten war. Überraschen dürfte das eigentlich niemanden mehr.

Die FED hat also mit solchen Leitzinssenkungen die mögliche Pleite der USA auf die Tagesordnung gesetzt. Angesichts der Schwere und der Tiefe der Krise darf aber bezweifelt werden, dass damit die Kreditwirtschaft und die Konjunktur wieder in Schwung gebracht werden, wie das normalerweise bei solch niedrigen Zinsen zu erwarten wäre. Zunächst sind wegen der Konsumzurückhaltung auch in der USA Preiseinbrüche auf breiter Front zu erwarten. Es droht eine massive Deflation wie in Japan.

Bei der Financial Times Deutschland wurde es einigen schon vor der neuen Zinsentscheidung schlecht, wenn Anleger glaubten, dass "die wertlosen neuen Dollar die US-Währung nicht kollabieren lassen werden". Angesichts der hohen Schuldenlast von 25.000 Milliarden Dollar (200 % des Nationaleinkommens) und der Verbindlichkeiten, die der Staat mit 8 Billionen schon eingegangen ist, "wird einem schlecht". Denn dem gegenüber steht, "dass die Nettoersparnis der US-Gesamtwirtschaft schon im dritten Quartal, also noch bevor die Fiskalpolitik richtig losgelegt hat, auf einen annualisierten Wert von minus 249 Milliarden Dollar gefallen ist".

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