Hedge Fonds abgezockt
Marc Dreiers Machenschaften
Zwar hat der der Finanzbetrüger Bernard L. Madoff den weitaus größeren Schaden angerichtet, an Dreistigkeit dürfte ihn jedoch der New Yorker Anwalt Marc Dreier noch deutlich übertroffen haben. Aufgeflogen war die Geschichte Anfang Dezember, als Dreier in Toronto verhaftet wurde, weil er sich in das Büro eines Pensionsfonds eingeschlichen und dort für einen ihrer führenden Manager ausgegeben hatte, um einem Hedge Fonds Manager gefälschte Schuldverschreibungen anzudrehen.
Im internationalen Wirbel um den 50-Milliarden-Betrug der "Investorenlegende" Madoff fand der etwa gleichzeitig bekannt gewordene Betrugsfall des New Yorker Anwalts Marc Dreier kaum Beachtung. Zwar handelte es sich dabei laut Staatsanwaltschaft bislang nur um 380 Millionen Dollar an Schaden, die bisher bekannt gewordenen Fakten scheinen freilich an jedes Hollywood-Gaunerstück heran zu reichen.
Marc Dreier, 58, ein stolzer Absolvent von Yale und Harvard, hatte sich zum Chef der Zivilprozess-Abteilung einer der größten nationalen Anwaltsfirmen hochgearbeitet und 1996 in New York die Anwaltskanzlei DreierLLP gegründet. Diese konnte seither enorme Wachstumsraten vorweisen und beschäftigte zuletzt rund 250 Anwälte.
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Kosten scheute Dreier dabeir nicht: Seine Headquarters lagen wie sein Appartement in Manhattan in der noblen Park Avenue. In fünf Städten unterhielt er Büros, unter anderem war er für monatlich 300.000 Dollar im Century City-Komplex in Los Angeles eingemietet, in dem der Bruce Willies-Streifen "Die Hard" spielt. Auf seinen Firmenfeiern trat schon mal Diana Ross auf, und da er seit einigen Jahren seine Kalifornischen Aktivitäten forciert, war ihm eine Mitgliedschaft im prestigeträchtigen Brentwood Country Club 180.000 Dollar wert. Anwälte lockte er mit einem garantierten Mindesteinkommen von einer Million Dollar und mehr in seine Firma, und auch so manche Sekretärin konnte sich über mehr als 200.000 USD an Jahreseinkommen freuen.
Während sein rasches Wachstum in der Branche aber schon länger mit Skepsis betrachtet wurde, dürfte er letztlich tatsächlich in ernste finanzielle Schwierigkeiten geraten sein. Offenbar hat er dann auf Kundengelder zugegriffen, was in den USA in jedem Fall ein schweres Verbrechen darstellt. Allerdings fiel es ihm wohl eher leicht, derlei zu verschleiern, denn so wie Madoff war auch Dreier der einzige, der Übersicht über alle Konten und die gesamte Buchhaltung hatte und für die Treuhandkonten zeichnungsberechtigt war. Selbst die Senior-Anwaltspartner bei DreierLLP, von denen freilich keiner eine Kapitalbeteiligung hielt, hatten keinerlei Einblick in die Firmenfinanzen. Wenn sie Fragen stellten, habe Dreier nur angemerkt, dass die Schecks ja wohl pünktlich kämen und gedeckt seien, und mehr habe sie nicht zu interessieren.
Nach dem, was Staatsanwaltschaft und Börsenaufsicht herausgefunden haben und von Dreier weitgehend bestätigt wird, dürfte der einstige Staranwalt dann ab Oktober versucht haben, Hedge Fonds um Millionenbeträge zu erleichtern, wobei die Staatsanwaltschaft drei Fälle detailliert schildern. Demnach war Dreier im November mit mehreren Hedge Fonds in Kontakt getreten und hatte ihnen folgendes Angebot gemacht. Solow Realty, ein New Yorker Immobilienentwickler, für den Dreier bis 2007 tatsächlich gearbeitet hatte, habe ein Kreditprogramm aufgelegt, bei dem "Promissory Notes" (eine Art von Schuldschein-Darlehen) über je 25 Mio. USD an verschiedene Investoren emittiert worden wären, darunter viele Hedge Fonds. Im Zuge der Finanzkrise seien einige der Investoren laut Dreier nun aber zu Notverkäufen gezwungen, und Dreier sei von Solow beauftragt, Käufer für diese Papiere zu finden, die er daher mit einem sehr hohen Diskont auf den Nennwert anbieten könne.
Das war zwar glatt gelogen, wenigstens drei Hedge Fonds führten aber eine "Due Dilligence"-Prüfung durch und erhielten von Dreier diverse frei erfundene Geschäftsberichte und ein samt Firmenlogo und Unterschrift des Geschäftsführers ebenfalls gefälschtes Statement einer Buchprüfungskanzlei zugesandt. Bereits am 29.Oktober überwies der erste Fonds 13,5 Millionen, freute sich vorerst über einen Diskont von fast 50 Prozent und erhielt dafür einen gefälschten, wertlosen Schuldschein.
Etwas mühsamer verliefen die Verhandlungen mit einem zweiten Fond, der noch mit einem Finanzmanager des Emittenten offene Fragen zu dessen Bilanz klären wollte. Für Dreier war auch das kein Problem. Er arrangierte umgehend eine Telefonkonferenz mit dem Solow-CEO. Bei dem handelte es sich, so die Staatsanwaltschaft, tatsächlich jedoch um den ehemaligen Börsenbroker Kosta Kovachev, der recht überzeugend gewesen sein dürfte. Denn umgehend überwies auch dieser Fonds rund 100 Mio. USD – die der Fonds allerdings gleich von Dreier zurückerhielt, nachdem sich bei einer weiteren, direkten Rückfrage bei Solow Realitys die Nichtigkeit der Promissory Notes herausgestellt hatte und mit der Polizei gedroht wurde.
Nachdem das Management von Solow aufgrund der Anfrage bereits die Behörden verständigt hatte, dürften sich bei Dreier die finanziellen Kalamitäten dramatisch zugespitzt haben. Und so versuchte der sich noch am 2. Dezember in Toronto, Kanada, an einem echten Husaren-Stück. Dort hatte der Pensionsfonds der Lehrer von Ontario seinen Sitz, der laut Dreier Solow Realty-Schuldscheine mit einem Nennwert von 44,7 Mio. USD dringend billig los werden wollte. Angeboten hatte er sie der bekannten New Yorker Investmentfirma Fortress Investment Group, die jedoch noch persönlich mit dem alten Eigentümer über weitere Garantien verhandeln wollte, bevor sie die Papiere um 33 Mio. Dollar gekauft hätte.
Dumm nur, dass Dreier bislang in keinerlei Geschäftsbeziehungen zu dem Pensionsfonds stand. Also vereinbarte er unter einem Vorwand einen Termin und traf sich tatsächlich kurz mit einem derer Hausjuristen in dessen Büro. Nachdem sie Visitenkarten ausgetauscht hatten, beendete Dreier jedoch rasch dieses Gespräch, verließ daraufhin jedoch nicht das Gebäude, sondern suchte sich einen freien Konferenzsaal. Das hatte er zuvor auch schon in den New Yorker Büros der Solow Realty so gehandhabt, wo er ja gut bekannt war und mit seinen Kunden problemlos ein- und ausgehen konnte. Und auch wenn sich manche Mitarbeiter gewundert hatten, was ihr Anwalt da machte und mit wem er konferierte, habe keiner sich etwas dabei gedacht.
Auch in Toronto klappte anfangs alles gut. Pünktlich holte er am Eingang unter falschem Namen den Fortress-Manager ab, dem er die gerade übernommene Visitenkarte in die Hand drückte und willig alle Fragen beantwortete. Hätte das potentielle Opfer nicht dennoch irgendwie Verdacht geschöpft und beim Rausgehen den Pförtner zur Identität seines Geschäftspartners befragt, wäre das anscheinend sehr vorteilhafte Geschäft wohl zustande gekommen.
Tatsächlich landete Dreier jedoch in kanadischen Handschellen und wurde zwei Tage später nach New York überstellt. Er hätte sich eigentlich mit acht Millionen Dollar aus dem kanadischen Gefängnis freikaufen wollen, doch verweigerte ihm sein New Yorker Büro die Überweisung des angeforderten Geldes. Denn dort hatte eine Buchhalterin inzwischen entdeckt, dass auf Treuhandkonten offenbar mindestens 27 Millionen Dollar fehlten, die nur Dreier abgezogen haben konnte. In der Folge verweigerten die anderen Partner die Überweisung und beantragten nach weiterer Prüfung der Konten Gläubigerschutz für das Unternehmen. Denn nach Dreiers’ Inhaftierung stellte sich heraus, dass seit Monaten praktisch keine Rechnungen bezahlt worden waren, wovon etwa die Krankenversicherung und der für Juristen vorgeschriebene Versicherungsschutz betroffen waren, und auch für die Bezahlung der im Dezember fälligen Gehälter war kein Geld vorhanden.
Nach Informationen des Konkursverwalters gehören übrigens unter anderem das Telekom-Unternehmen Bell Canada sowie neben Fortress auch noch die Fonds Paulson & Co und Perella Weinberg zu den Geschädigten. Laut Staatsanwaltschaft "schäme" sich Dreier seiner Rolle bei der Fabrikation der Dokumente und es wäre "sehr ernst, was da vorgefallen" sei.
http://www.heise.de/tp/artikel/29/29437/1.html- immerhin wird er nicht auf Kaution freigelassen... (30.12.2008 11:47)
- Time Square?? Nix da, ab nach Guantanamo (29.12.2008 17:26)
- Bauanleitung? Bin zu Diensten: (29.12.2008 14:40)
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