Ah, toll! George W., Retter der Korallen

Thomas Pany 06.01.2009

Zum Ende seiner Amtszeit will der US-Präsident sich vom Ruf des Klima-Kriminellen befreien

Die historischen Leistungen des Präsidenten würden nicht genügend gewürdigt, so die Klage aus dem Kreis von ehemaligen Beratern, die vor Weihnachten in verschiedenen amerikanischen Medien kurz auftauchte und angesichts ganz anderer Beurteilungen mit größerem Gefolge – siehe Der schlechteste US-Präsident aller Zeiten - , wieder im Meer der Meinungen und Nachrichten versank. Mithilfe neuer schillernder nationaler Monumente soll George W. Bush in den letzten Tagen seiner Amtszeit nun zum Helden der Weltmeere und Retter der Korallenriffe avancieren.

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Die lame duck, wie abtretende Präsidenten in den USA genannt werden, ist ganz offensichtlich nicht gewillt, ganz ohne historischen Glanz in den Federn abzutreten. Hilfe für Afrika soll nicht allein die gute Seite von George W. in den Geschichtsbüchern liefern. Den Beratern von Bush 43 scheint zuletzt noch eine spezielle PR-Politur zu gelingen, eine wahrhaft nachhaltige Aktion, wie heute gemeldet wird: "Die USA wollen nach eigenen Angaben in der Umgebung ihrer pazifischen Inseln das 'größte geschützte Meeresgebiet der Welt' einrichten". Präsident George W. Bush soll die Maßnahme heute Abend in Washington in einer Rede ankündigen.

Fünfhunderttausend Quadratkilometer ist das anvisierte Meeresschutzgebiet groß. Es umfasst mehrere verstreute Inseln und Atolle wie die Marianeninseln, das Kingman Reef, das Palmyra Atoll, Howland Island, Baker Island, Jarvis Island, das Johnston Atoll, Wake Island und das Rose Atoll, das kleinste Atoll der Welt.

Das Korallenriff beim Rose Atoll, amerikanisch Samoa. Bildquelle: NOAA, R. Schroeder

Und die Schutzzone soll tief reichen bis zum tiefsten Meeresboden der Welt, dem Marianengraben. Geschützt werden sollen die korallenreichen paradiesischen Eilande vor den zerstörerischen Fängen der Fischerei und Vulkane am Meeresboden vor ausbeuterischen Zugriffen jener, die nach Bodenschätzen suchen.

Die Gebiete schließen einige der von den Bevölkerungszentren der Welt am weitesten abgelegenen Inseln mit ein, die bislang nicht mit der intensiven Fischerei, die sonst fast überall auf den Weltmeeren präsent ist, in Berührung gekommen sind. Zum geschützten Gebiet gehören einige der Orte dieser Welt mit der größten biologischen Diversität, unterseeische Vulkane, Thermalquellen am Meeresboden und unterseeische Schwefelpools und Schwefelquellen, die einzigartig auf der Welt sind.

Einige der hier gepriesenen Naturschönheiten, die nun zu National Monuments ("Marianas Marine National Monument", "Rose Atoll Marine National Monument", und das "Pacific Islands Marine National Monument") der Vereinigten Staaten erklärt werden, hatten schon früher strategische Bedeutung - die Inseln Saipan und Tinian der Marianengruppe spielten im 2. Weltkrieg eine größere Rolle, Guam ist nach Angaben der BBC weiterhin eine wichtige Militärbasis und eins der geschützten Atolle, das Johnston Atoll, wurde früher als Lager für chemische Waffen verwendet.

Die PR-Strategie mit dem Erhalt dieser Paradiese ist offensichtlich: Ausgerechnet Bush, der wegen seiner Ignoranz gegenüber Umweltproblemen ständig kritisiert wurde, sucht mit diesen "nationalen Monumenten" einen Platz in der Ruhmeshalle der Umweltschützer. Entsprechend formuliert ist der Lobgesang von Sympathisanten, wie etwa von Joshua Reichert, leitender Direktor der Pew Environment Group

Mr Bush has protected more special places in the sea than any other person in history. It's very significant both from an ecological and biological perspective as well as in its political symbolism.

Angesichts der CO2-Bilanz der Regierung Bush sehen das nicht alle so erhebend. So verweist etwa das Center for Biological Diversity auf die nicht so glänzende Seite der aktuellen US-Umweltpolitik (vgl. Bush Administration Denies Protection to Arctic Seal Threatened by Global Warming) und der Meeresbiologiechef des Centers, Brendan Cummings, begrüßt zwar das Verbot des kommerzielllen Fischfangs in der neuen Schutzzone, vergißt aber nicht, was für langfristig gute Lebensbedingungen von Korallen ebenso wichtig wäre, eine andere Klimapolitik: "Wenn wir uns nicht um die globale Erwärmung kümmern, werden alle anderen Maßnahmen zum Schutz der Korallenriffe bedeutungslos." Folglich würde Cummings auch einen anderen Geschichtsbucheintrag für George W. Bush bevorzugen:

Schlussendlich wird die Hinterlassenschaft von Bush als Klima-Krimineller bei weitem das überwiegen, was er für die Meere getan hat, so wie jeder Vorteil, den die Korallenriffe aus ihrer Ernennung zum nationalen Monument beziehen, durch die Erwärmung der Meere weggebleicht wird.

http://www.heise.de/tp/artikel/29/29481/1.html
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