Die weißen Sümpfe von Wittmar

Hubert Mania 17.01.2009

Eine kurze Geschichte des Atommüllendlagers Asse II

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Die unterirdische Salzwüste

In Deutschland steht ein Hochhaus, das man zwar betreten, aber nie in voller Groe sehen kann. Es wird von einem bewaldeten Hugel getarnt, der rund siebzig Meter aus der niedersachsischen Ackerlandschaft emporragt: Die Asse. Wenige Kilometer nordwestlich liegt Wolfenbuttel, das Stadtzentrum von Braunschweig ist mit dem Auto in einer knappen halben Stunde erreichbar, und im Suden lasst sich die blassblaue Silhouette des Harzes mit dem Brocken erkennen. Ein Spazierganger auf dem ostlichen Abschnitt des Assekammwegs hat zwar die Hauser der Gemeinde Remlingen im Visier, ist sich aber wahrscheinlich nicht bewusst, dass er in unmittelbarer Nahe des unsichtbaren Gebaudes wandert. Wollte er es besichtigen, musste er mit einem Fahrstuhl 750 Meter in die Tiefe fahren. Dort befindet sich das Parterregeschoss mit 12 großzugigen Raumen von jeweils 60 Metern Lange, 40 Metern Breite und 15 Metern Hohe.

Ahnlich wie in einem Parkhaus fuhrt eine funf Meter breite "Wendeltreppe" durch alle dreizehn Stockwerke hinauf bis zu den Dachkammern des 650 Meter langen und 260 Meter hohen unterirdischen Bauwerks. Ein umfangreiches Wegenetz zweigt von der Wendeltreppe ab und verbindet die Etagen miteinander, die aus einem machtigen Salzstock herausgeschlagen worden sind. Es ist das Grubengebaude des ehemaligen Salzbergwerks Asse II. Kaum ein Besucher ist wirklich auf die Hitze hier unten vorbereitet. In diesem trocken-heißen Salzwustenklima mochte man sich nach den ersten zaghaften Schritten die weiße Besuchermontur gleich wieder vom Leib reißen, obwohl ein gewaltiges Geblase fur den standigen Zustrom frischer Luft aus der Remlinger Biosphare sorgt. In der umgewalzten Grubenluft wirbelt feinster Salzstaub. Der lasst sich auf Haut und Lippen nieder und brennt in den Augenwinkeln. Man schmeckt ihn auf der Zunge.

Die riesigen Hohlraume in dem senkrecht aufgeturmten Salzmassiv entstanden zwischen 1909 und 1964, als hier Stein- und Kalisalz gefordert wurde. Der Kaliabbau lohnte sich bereits in den 1920er Jahren nicht mehr. Die Inflation und der Verlust des deutschen Kali-Monopols hinterließen am Sudhang der Asse ihre Spuren. Aber auch die Speisesalzmarke "Asse-Sonnensalz" setzte sich nicht dauerhaft auf dem Markt durch. Und so verkaufte der Wintershall-Konzern – sprich Winters-Hall – als Eigentumer sein Bergwerk Asse II 1964 an die Bundesrepublik Deutschland. Damit endete der "positive Bergbau" im Schacht. So nennen die Bergleute die Forderung von Erzen und Mineralien aus dem Berg an die Erdoberflache. Wahrend der Vollbeschaftigung und des Wirtschaftswachstums der 1960er Jahre produzierten die ersten deutschen Atomreaktoren vermeintlich billigen Strom.

Die Zahlen waren beeindruckend. Okonomen und Politiker gerieten ins Schwarmen, denn, verglichen mit derselben Menge Kohle, ließ sich aus einem Kilo Urandioxid die 140 000-fache Energieausbeute erwirtschaften. Der einzige kleine Schonheitsfehler: Bei der Stromproduktion aus Uran fielen nicht wiederverwertbare, radioaktive Reste an, die fur einige Zeit sicher aufbewahrt werden mussten. Offenbar ging es um ein paar hundert Jahre. Einige Wichtigtuer sprachen von zehntausend Jahren, aber solche Ubertreibungen musste man ja nicht ernst nehmen.

Auch auf den Atomphysiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsacker hatte der wissenschaftlich-technische Fortschrittsoptimismus seiner Zeit abgefarbt. Der errechnete namlich Ende der 1960er Jahre anhand der Expertenprognosen, dass der gesamte im Jahr 2000 in Deutschland vorhandene Atommull in einen Wurfel von 20 Metern Seitenlange gepackt und problemlos in einem trockenen Bergwerk entsorgt werden konne. Und klafften nicht im Wustenklima tief unter der Asse Hohlraume von mehr als drei Millionen Kubikmeter Volumen, die jetzt dem Bund gehorten?

Das Atommüllhochhaus lehnt am porösen Carnallitsattel. Die Einlagerungskammern sind rot markiert.

Eine einzige Salzabbaukammer bot schon eine Aufnahmekapazitat von 36.000 Kubikmetern. Da sollten doch die lappischen 8.000 Kubikmeter in Weizsackers Kiste ganz in Ruhe angerollt kommen. Und so begann 1967 der "negative Bergbau" in der Asse: Gefahrliche Fremdstoffe wurden aus der Technosphare des Menschen unter die Erde gebracht und in leerstehenden Abbaukammern verstaut. Zu Forschungszwecken, wie es hieß.

Mit der offiziellen Sprachregelung "Versuchsendlagerung" hielt man sich alle Optionen offen. Diesen verbalen Salto mortale mochten Optimisten und Gutglaubige so interpretieren, dass der radioaktive Abfall wieder fortgeschafft werde, sobald genugend Erkenntnisse gegen eine Endlagerung im Salz gesammelt worden seien. Wahrenddessen fragten sich die Skeptiker, wie man wohl eine Endlagerung erfolgreich "versuchen" konne, ohne sie auch konkret bis zum Ende, also fur immer, durchzufuhren. Aus ihrer Sicht war eine Versuchsendlagerung de facto eine Endlagerung. Sonst hatten die Verantwortlichen von einer Zwischenlagerung sprechen mussen.

Hier, in den Hohlraumen von Asse II, hat der negative Bergbau inzwischen eine Dimension angenommen, die weltweit beispiellos ist und noch viele kunfige Menschengenerationen beschaftigen wird. Rund 125.000 Fasser schwachradioaktiver und 1300 Fasser mittelradioaktiver Mull sind zwischen 1967 und 1978 ins Salz gefahren worden. Hier geht es um Substanzen, von denen nach einigen Hunderttausend Jahren noch immer Gefahr fur Lebewesen ausgeht. Sprechen wir also von Plutonium. Im Assesalz liegen offiziell rund 12 Kilogramm dieses hochtoxischen Stoffs auf einige Tausend Fasser verteilt. Dieses Element kommt in der Erdkruste in kaum messbaren Mengen vor. Und angesichts der geringen Ertrage, die im heißen Betrieb eines Atomkraftwerks als Uranzerfallsprodukt anfallen, sind offiziell zugegebene 12 Kilogramm als Atommullbestandteile ein erstaunlich großes Quantum. An dieser Zahl entzundeten sich denn auch die nie verstummten Befurchtungen, es konnten, heimlich und falsch deklariert, hochradioaktive Abfalle eingelagert worden sein.

Atmet ein Mensch Staub ein, der nur wenige Millionstel Gramm Plutonium enthalt, wird die Strahlung in seinen Korper eingeschlossen und kann sich zwanglos entfalten, was unausweichlich zu Lungenkrebs fuhrt. Der menschliche Korper reagiert also mit groben Missverstandnissen auf radioaktiven Zerfall. Denn eigentlich verfolgt die dabei frei werdende Strahlung keine bosen Absichten. Sie will sich nur so ungehindert wie moglich ausbreiten und setzt ihre hemmungslose Expansionspolitik recht eindrucksvoll durch. Wenn ihr Materie im Weg steht, von der sie leicht abgebremst wird, gibt sie ihre unwirschen Kommentare ab. Sie zieht es vor, mit Lebewesen auf molekularer Ebene zu kommunizieren und hinterlasst in Gewebe, Organen und im Erbgut raffiniert verschlusselte Informationen, mit der die wertkonservative DNS nichts anzufangen weiß. Und so kontert der Korper dann auch mit hilflosen Manovern und Himmelfahrtskommandos wie Knochenschwund und Blutkrebs.

In der Asse liegen mindestens vier verschiedene Plutoniumsotope. Isotope sind Atomkerne desselben Elements, aber mit unterschiedlich vielen Kernbausteinen.Wir haben hier also ein Plutoniumsortiment mit 238, 239, 240 und 241 Kernbausteinen. Der jeweilige Anteil dieser Plutoniumisotope an der Gesamtmenge von knapp 12 Kilogramm ist unbekannt. Die hochste Halbwertzeit hat Plutonium-239. Nehmen wir idealerweise an, die zwolf Kilogramm waren "bruderlich" durch alle vier Isotope geteilt, dann gabe es drei Kilogramm Plutonium-239 mit einer Halbwertzeit von 24 000 Jahren. Zum Vergleich: Die Nagasaki-Atombombe "Fat Man" enthielt 6 Kilogramm Plutonium-239. Jetzt dauert es 24.000 Jahre, bis sich so viele Atomkerne dieses Isotops in Kerne anderer Elemente umgewandelt haben, dass mit eineinhalb Kilogramm noch die Halfte der ursprunglichen Masse vorhanden ist.

Nach 48.000 Jahren werden laut statistischer Zerfallswahrscheinlichkeit noch 750 Gramm Plutonium in der Asse sein, und nach 100.000 Jahren immerhin noch rund 180 Gramm. Eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren bedeutet also nicht – wie haufig falsch gefolgert wird – dass nach 48.000 Jahren keine gefahrliche Plutoniumstrahlung mehr zu befurchten ist. Es kommt auf die an einem Ort konzentrierte Menge an. Rechnet man hier mit der Halbwertzeit von 24.000 Jahren konsequent weiter, sind im Jahr 202.008 von den angenommenen drei Kilogramm Plutonium-239 noch rund 10 Gramm ubrig. Bei einer Schwelle von etwa 25 Millionstel Gramm zur Auslosung von Lungenkrebs kann man selbst weitere 100 000 Jahre spater noch lange nicht von der einen ungefahrlichen Menge dieses Stoffes sprechen. Und deshalb stellt aufgewirbelter Plutoniumstaub in der Asse fur einige hunderttausend Jahre ein realistisches Gefahrdungspotenzial dar.

Solche Zeitraume sind fur die menschliche Kultur eine gewaltige, kaum vorstellbare Groenordnung. Noch absurder wird es, wenn Politiker und Wissenschaftler fur diesen Zeitraum im voraus Verantwortung ubernehmen wollen und behaupten, sie konnten den Atommull so lange sicher aufbewahren, dass kein Mensch zu Schaden komme. Vor vierzig Jahren, zu Beginn der "Versuche" mit Atommull in der Asse, setzte man auf die Plastizitat des Salzes, auf sein Bestreben, in Hohlraume zu kriechen und sie zu verschließen.

Das Salz werde also, so lautete die forsche These, um die Atommullfasser gleichsam herumfließen und sie fest im Berg einschließen und dauerhaft von der Biosphare fernhalten. Gutachter und Volksvertreter garantierten unisono und wider besseres Wissen die ausreichende Standsicherheit des alten Salzbergwerks. Allerdings sind die geodynamischen Krafte genau dort gestort, wo intensiver Bergbau betrieben wurde. Hier gibt es durch den Eingriff des Menschen kunstlich geschaffene, komplizierte Wechselwirkungen zwischen Gesteinsschichten und Grundwasserstromungen. Wer daher Garantien fur die Standsicherheit alter Grubengebauden gibt, betritt – buchstablich gesagt – bruchiges Terrain. Denn nichts ist wirklich starr. Alles gerat irgendwann einmal in Bewegung.

Auch wenn man sich einige hunderttausend Jahre kunftiger Menschheitsgeschichte unmoglich vorstellen kann, so ist derselbe Zeitraum aus geologischer Perspektive tatsachlich noch kein bedeutsamer Abschnitt, in dem nennenswerte Veranderungen in der Erdkruste vorkamen. Die treten erst hervor, wenn wir weiter in die Vergangenheit zuruckblicken. Vor rund 250 Millionen Jahren war Norddeutschland nicht zum ersten Mal von einem flachen Meer uberschwemmt. Damals sahen die Kontinente nicht so aus, wie wir sie heute kennen. Es gab Zeiten, da lag das Territorium, das wir heute Deutschland nennen, nahe am Aquator. Unter subtropischer Hitze und extremer Trockenheit verdunsteten die Meere rascher. Sie kamen und gingen in stetiger Folge und hinterließen im Lauf vieler Millionen Jahre machtige Salzablagerungen nordlich des Harzes.

Dann kamen die Steine. Muschelkalk und Roter Sandstein schoben sich ubereinander. Nachgiebiges wurde zerrieben. Starres Deckgebirge gab nach und sturzte ein. Von Wasser, Eis und Wind verwittertes Gestein wurde von nachruckendem Geroll unter die Erde gedruckt, gefolgt von Schichten aus Gips, Flammenmergel und blattrigem Ton. Und darunter sank die weiß glitzernde Kristallwuste mit in die Tiefe.

Unter dem Druck des Deckgebirges reagierte das Salz der vielen, langst verdunsteten Meere plastisch und kroch, langsam aber unaufhaltsam, mit seinem geringeren spezifischen Gewicht nach oben, auf die jungeren Gesteinschichten zu, die bereitwillig brockelten und ubereinandersturzten. So konnte das Salz entlang einer Bruchzone bis nahe an die Oberflache des kunftigen Braunschweiger Landes aufsteigen. Daruber bildete sich ein Gipshut, bedeckt von verworfenen Buntsandsteinschollen: der Assehugel. Das geschah vor etwa 100 Millionen Jahren. Zu diesem Zeitpunkt waren unsere Vorfahren verwegene Kleinstnagetiere, die in den Jagdrevieren urniedersachsischer Raubsaurier Deckung suchen und ihrerseits die tagliche Uberlebensration Fliegen und Wurmer erjagen mussten.

Kurz zuvor erst waren sie couragiert von einem breiten evolutionaren Entwicklungspfad abgebogen, der ihre weniger riskiofreudigen Cousins nach kuriosen Fehlschlagen immerhin zur uberaus erfolgreichen Gattung der Mause fuhren sollte. Unsere Urahnen wuselten damals somit bestenfalls als hamsterahnliche Vierbeiner durch das federblattrige Unterholz der Kreidezeit.

Seitdem ruht der Assehugel, scheinbar unbeweglich, in der Landschaft zwischen Harz und Heide. Doch der Schein trugt. Es rumort im Untergrund, wenn auch mit einer monstrosen Tragheit, auf die die nervosen, an stetige Reize gewohnten menschlichen Sinne nicht vorbereitet sind. Aus erdgeschichtlicher Perspektive betrachtet, sind die Steine aber standig in Bewegung. In einem unfassbar gemachlichen Kreislauf sinkt Oberflachengestein ins Erdinnere. Hier wird es unter Hitze und Druck umgewandelt. Aus Granit wird Gneis, Kalkstein avanciert zu Marmor, wahrend Tonschichten sich in zaher Metamorphose zu Schiefer umformen. Dann gelangen die Steine wieder an die Erdoberflache, verwittern und werden zu Staub. Der wird vom Wind fortgetragen und reichert sich an einem anderen Ort womoglich zu Muttererde an, einer integrierten Entwicklungsumgebung fur die erste, sagen wir: Walderdbeere der Geschichte.

Auch das Salz steigt heute noch auf. Obwohl selbst der aufmerksamste menschliche Beobachter uber einen langeren Zeitraum hinweg keine dramatischen Unruhen im Assegelande wahrnahme, steht das Salzmassiv in einem Spannungsfeld unterschiedlicher geodynamischer Krafte. Gravitation, Reibung und Wasserdruck fordern ihren Tribut. Von oben lastet schweres Deckgebirge auf dem leichteren Salz. Wenn es regnet, versickert das Wasser im Boden. Im oberflachennahen Kies, Sand und Kalkstein sowie im porosen Gipshut, der auf dem Salz sitzt platschert das Grundwasser mit einer Fließgeschwindigkeit von gemutlichen 5 bis 100 Metern am Tag durch Spalten und Risse im Fels und sucht sich neue Wege. Die gebirgsmechanischen Krafte und Spannungen erreichen eine zusatzliche Dimension, wenn Menschen mit bemerkenswertem Eifer aufwandige Locher in die Erde bohren, um an die Bodenschatze zu gelangen.

Der Kalisalzbergbau in der Asse begann 1883 mit Probebohrungen in Wittmar, einer kleinen Gemeinde am Sudhang des Hohenzugs. Hier wurde 1899 dann auch mit den Bauarbeiten am Schacht Asse I begonnen. Zwei Jahre spater stand auf dem Gelande des Bergwerks bereits eine Fabrik, in der das Rohsalz zum gebrauchsfertigen Kalidunger verarbeitet wurde. Es war die hohe Zeit der deutschen Kalisalzindustrie. Fast tausend Jahre lang hatten die Bergleute in den Steinsalzgruben die orangerot, braunlich und bernsteinfarben funkelnden Adern dieses bitteren Minerals als lastige Unreinheiten betrachtet und es als Abfall auf Halde geworfen. Doch dann entdeckte der deutsche Chemiker Justus von Liebig, dass Kalisalz zusammen mit Phosphorsaure und Stickstoff zu den drei wichtigsten Pflanzennahrstoffen gehorte.

1977 wurde die Chlorkaliumfabrik auf dem Schachtgelände von Asse I abgerissen

Mit dem Heraufdammern der Kunstdungerara sah sich das chronisch rohstoffarme Deutschland plotzlich im Besitz der bedeutendsten Kalisalzlagerstatten und lieferte 99 Prozent des Weltbedarfs fur Kalidunger. Der aufstrebenden chemischen Industrie diente Kali zusatzlich als wichtiges Ausgangsprodukt zur Herstellung von Papier, Farben, Seifen, Bleichmitteln und spater auch von Kunststoffen. Und von diesem nationalen Boom wollte nun auch die Asse-Gewerkschaft als Betreiberin der Anlagen in Wittmar profitieren.

Der Name Wittmar bedeutet weißer Sumpf. Die Siedler im 13. Jahrhundert, die dem Ort diesen Namen gaben, werden nicht gewusst haben, dass sie hier uber der weißen Hinterlassenschaft verdunsteter Meere hockten. Im Weltbild des Hochmittelalters waren Kontinente und Ozeane erst kurzlich genauso von Gott erschaffen worden, wie man sie vorfand. Entwicklungen und Veranderungen in der Erdkruste waren in der Schopfungsgeschichte nicht vorgesehen. Aber die versteinerten Bruchstucke von Seelilien, Muscheln, Schnecken und Ammoniten konnten die Neuankommlinge beim Pflugen ihrer Acker am Dorfrand kaum ubersehen haben. Noch heute lassen sich Fossilien auf den Feldern bei Wittmar aufspuren, die von der marinen Vergangenheit dieses Landstrichs zeugen. In den kurzen Jahren des Kalibooms wuchs das kleine Bauerndorf rasant zu einer Bergarbeitersiedlung heran.

Aber nach nur vier Jahren Kaliforderung begann – vermutlich wegen unsachgemaen Salzabbaus – Wasser aus dem Deckgebirge in die Kammern der 300-Meter-Sohle zu sickern. Ein Jahr spater, im Juli 1906, war das Bergwerk Asse I mit Wasser vollgelaufen und musste aufgegeben werden. Die Endlageringenieure sollten daher dieses machtige, funf Millionen Kubikmeter umfassende Wasserreservoir in unmittelbarer Nachbarschaft der Strahlendeponie als Instabilitatsfaktor im Asseuntergrund auf der Rechnung haben.

Die weißen Sümpfe von Wittmar

Atommüll im Salz – und Wasser am Hals

Seltsame Schleifen

Ein Atommüllendlager säuft ab

Radioaktive Stoffe im Grundwasser

Die weißen Sümpfe von Wittmar

Langzeitprognosen

Rückhohlung bedeutet Müllverdopplung

Zwischenlager Remlingen

Nachwort

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